Laufzeit-ETF haben einen Haken
VZ Analyse
Laufzeit-ETF verbinden die Planbarkeit einer Einzelanleihe mit der breiten Streuung eines Fonds. Alle enthaltenen Anleihen werden im gleichen Jahr fällig. Danach wird der ETF aufgelöst und das Geld zurückbezahlt. Für Schweizer Anleger hat das Konzept allerdings mehrere Nachteile.
Publiziert vor 3 Stunden
Autor
Luca Liebi
Funktion Anlageexperte
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Ein klassischer Anleihen-ETF hat kein festes Enddatum: Er verkauft laufend bald fällige Anleihen und ersetzt sie durch neue mit längerer Laufzeit.
Laufzeit-ETF (engl. «Target Maturity» oder «Fixed Maturity») funktionieren anders. Sie investieren ausschliesslich in Anleihen, die im gleichen Kalenderjahr fällig werden, beispielsweise 2028.
Werden einzelne Anleihen vor dem Ende der Laufzeit zurückbezahlt, legt der Fonds das Geld bis zur Auflösung in kurzfristigen Staatspapieren an. Am Ende des Zieljahres wird der ETF aufgelöst. Die Anleger erhalten den Erlös in der Regel rund einen Monat nach dem Verfall der letzten Anleihe.
An der SIX sind derzeit 59 Laufzeit-ETF kotiert, mit Fälligkeiten von 2026 bis 2037. Sämtliche Produkte lauten auf Euro oder US-Dollar.
Die Vorteile: planbar und mit sinkendem Zinsrisiko
Der grösste Vorteil von Laufzeit-ETF gegenüber einem traditionellen Anleihen-ETF ist die bessere Planbarkeit. Wer einen Laufzeit-ETF bis zum Schluss hält, weiss schon beim Kauf ungefähr, mit welcher Rendite er rechnen kann. Sie entspricht ungefähr der Rendite auf Verfall der enthaltenen Anleihen abzüglich der Fondskosten - vorausgesetzt, keiner der Schuldner fällt aus.
Wie bei einer einzelnen Anleihe nimmt auch bei einem Laufzeit-ETF das Zinsrisiko mit der Zeit ab. Steigen die Zinsen, reagiert der Fonds deshalb umso weniger empfindlich, je näher das Fälligkeitsjahr rückt. Bei einem klassischen Anleihen-ETF bleibt das Zinsrisiko dagegen vergleichsweise stabil, weil er laufend neue Anleihen mit längeren Laufzeiten kauft.
Gegenüber einer Einzelanleihe bietet ein Laufzeit-ETF ausserdem eine breitere Streuung: Das Anlageergebnis hängt damit nicht allein von der Zahlungsfähigkeit eines einzelnen Schuldners ab.
Die Nachteile: Kosten, Währung und wenig Flexibilität
Den Vorteilen stehen allerdings einige Nachteile gegenüber. Zunächst sind Laufzeit-ETF teurer als klassische Anleihen-ETF. Ihre jährliche Verwaltungsgebühr liegt an der SIX zwischen 0,10 und 0,25 Prozent, im Mittel bei 0,12 Prozent. Günstige, breit gestreute ETF auf Euro-Unternehmensanleihen kosten nur 0,06 bis 0,09 Prozent.
Hinzu kommen Kosten, die in dieser Gebühr nicht enthalten sind: In der Auslaufphase der Anleihen muss der Laufzeit-ETF das zurückbezahlte Geld kurzfristig anlegen.
Nach der Auflösung müssen Anleger zudem selbst eine neue Anlage finden. Beim Wiederanlegen fallen gegebenenfalls erneut Kauf- und Bankgebühren an.
Schwerer wiegt für Schweizer Anleger allerdings das Währungsrisiko. Es gibt keinen einzigen Laufzeit-ETF in Franken oder mit Absicherung gegen Währungsschwankungen. Anleger tragen deshalb das Wechselkursrisiko ihrer Euro- oder Dollar-Anlagen. Ein schwächerer Euro oder Dollar kann den Zinsvorsprung gegenüber Frankenanlagen rasch aufzehren.
Schliesslich sind Laufzeit-ETF wenig flexibel. Die Anleihen werden zu Beginn festgelegt. Verschlechtert sich die Zahlungsfähigkeit eines Schuldners, wird nicht aktiv umgeschichtet. Viele dieser ETF werden an der SIX zudem nur wenig gehandelt. Gegen Ende der Laufzeit nimmt die Handelbarkeit weiter ab.
Für wen sich Laufzeit-ETF eignen
Interessant sind Laufzeit-ETF für Anleger, die einen Betrag zu einem bestimmten Zeitpunkt sicher brauchen und das Zinsrisiko bis dahin abbauen möchten - etwa Pensionskassen, die künftige Verpflichtungen decken. Für Vermögensverwalter, die ein Portfolio laufend steuern, bringen sie hingegen kaum Vorteile.
Wer dennoch einen Laufzeit-ETF kaufen will, sollte auf tiefe Kosten, eine enge Geld-Brief-Spanne und eine gute Schuldnerqualität achten.
Die folgende Auswahl umfasst Produkte mit Unternehmensanleihen guter Bonität (Investment Grade) oder mit US-Staatsanleihen. Für jedes Jahr und jede Währung haben wir das an der SIX gehandelte Produkt mit der engsten Geld-Brief-Spanne ausgewählt. Hochzinsanleihen haben wir ausgeschlossen.
Fazit
Laufzeit-ETF verbinden die Planbarkeit einer Einzelanleihe mit der Streuung eines Fonds und bauen das Zinsrisiko bis zum Verfall automatisch ab. Für Schweizer Anleger überwiegen aber die Nachteile: Sie sind teurer als klassische Anleihen-ETF, und weil es sie weder in Franken noch abgesichert gibt, kann ein schwächerer Euro oder Dollar den Zinsvorsprung rasch aufzehren.
Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den aufgezeigten Informationen handelt es sich um Werbung gemäss Art. 68 FIDLEG.