Krypto erklärt: Bitcoin, Altcoins und Stablecoins
VZ Analyse
Im Alltag wird oft alles über einen Kamm geschoren, was mit Blockchain zu tun hat. Dabei versprechen Bitcoin, Altcoins und Stablecoins, unterschiedliche Probleme zu lösen.
Publiziert 29. Sep 2026
Autor
Kevin Kuhn
Funktion Anlageexperte
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Wer heute von Krypto spricht, meint oft alles gleichzeitig: Bitcoin, tausende Altcoins und auch Stablecoins. Technisch und konzeptionell handelt es sich jedoch um drei unterschiedliche Kategorien mit unterschiedlichem Zweck.
Die Unterschiede sind wichtiger denn je.
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Merkblatt
Mit dem American Reserve Modernization Act (ARMA) soll Bitcoin gesetzlich als strategische Reserve verankert werden. Ethereum und Solana spielen eine wachsende Rolle bei der Tokenisierung von Vermögenswerten. Und Stablecoins bewegen mittlerweile mehr Geld als Visa und Mastercard zusammen.
Ein zentraler Aspekt beim Anlegen in Bitcoin und/oder Altcoins ist, sich mit Inhalt, Technologie und Eigenschaften des zugrundeliegenden Assets zu befassen. Darum starten wir mit einer dreiteiligen Serie:
- Teil 1: Bitcoin, Krypto und Stablecoins: Drei Welten, ein Begriff
- Teil 2: Tokenisierung ist an der Wall Street angekommen
- Teil 3: Inflation und Rekordschulden: Welchen Wert haben knappe Vermögenswerte?
Um die drei genannten Kategorien auseinanderzuhalten, lohnt sich in diesem ersten Teil ein Blick auf ein Konzept, das für Blockchains zentral ist: das sogenannte Blockchain-Trilemma.
Das Blockchain-Trilemma
Das Blockchain-Trilemma beschreibt drei Eigenschaften, die ein dezentrales Netzwerk im Idealfall gleichzeitig erfüllen sollte: Dezentralität – möglichst viele unabhängige Teilnehmer sichern das Netzwerk gemeinsam ab, ohne zentrale Kontrolle. Sicherheit – das Netzwerk ist robust gegen Angriffe und Manipulation. Und Skalierbarkeit – das Netzwerk verarbeitet viele Transaktionen schnell und günstig.
In der Praxis lässt sich bislang kein Netzwerk bauen, das alle drei Eigenschaften gleichzeitig vollständig maximiert. Wer stärker skalieren will, muss in der Regel bei Dezentralität oder Sicherheit Kompromisse eingehen – und umgekehrt.
Wer sich mit Geldanlage beschäftigt, kennt ein ähnliches Konzept: das Magische Dreieck der Geldanlage aus Rendite, Sicherheit und Liquidität. Auch dort lassen sich nicht alle drei Ziele gleichzeitig maximieren – wer auf hohe Sicherheit und Liquidität setzt, verzichtet in der Regel auf einen Teil der Rendite. Diese Parallele ist als Denkhilfe gemeint, keine technische Gleichsetzung: Beide Dreiecke beschreiben unterschiedliche Systeme, folgen aber demselben Grundprinzip – drei erstrebenswerte Eigenschaften und ein struktureller Zielkonflikt zwischen ihnen.
Wozu überhaupt eine Blockchain?
Bevor man die unterschiedlichen Positionierungen im Trilemma vergleicht, lohnt sich eine grundsätzlichere Frage: Wozu überhaupt eine Blockchain? Ihr eigentlicher Nutzen liegt darin, ein Vertrauensproblem zu lösen – Transaktionen und Zustände lassen sich ohne eine zentrale, vertrauenswürdige Instanz überprüfen.
Muss eine Anwendung dieses Vertrauensproblem gar nicht lösen, oder löst sie es aufgrund geringer Dezentralität faktisch nicht, verliert der Einsatz einer Blockchain einen wesentlichen Teil seiner Daseinsberechtigung: Eine klassische, zentral verwaltete Datenbank ist in diesem Fall in der Regel schneller, günstiger und einfacher zu betreiben.
Diese Überlegung könnte mit ein Grund sein, warum der Krypto-Sektor bei vielen praktischen Anwendungen in den vergangenen zehn Jahren langsamer vorankam, als von einzelnen Projekten prognostiziert: Nicht jede Anwendung, für die eine Blockchain vorgeschlagen wurde, hatte tatsächlich ein Vertrauensproblem, das eine Blockchain-Lösung erforderte.
Wie Bitcoin sich positioniert
Satoshi Nakamotos Konzept für digitales, limitiertes Geld legt im Trilemma eine bewusste Priorität fest: Eine möglichst hohe Dezentralität und Sicherheit, dafür eine eingeschränkte Skalierbarkeit auf der Basisebene, dem sogenannten Layer 1.
Diese Priorisierung hat jedoch ihren Preis: Bitcoin verarbeitet auf der Basisebene deutlich weniger Transaktionen als viele andere Netzwerke. Zudem wird regelmässig über den Energieverbrauch des Netzwerks diskutiert.
Das ist kein nachträglich entdeckter Mangel, sondern eine früh in Bitcoins Entwicklung angelegte Priorität. Um trotzdem alltagstaugliche, schnelle Zahlungen zu ermöglichen, wird seit Jahren an zusätzlichen Schichten oberhalb der Basisebene gearbeitet – sogenannten Layer-2-Lösungen wie dem Lightning-Netzwerk.
Das Prinzip lässt sich mit einem Tresor und einem Portemonnaie vergleichen: Layer 1 ist der Tresor, sicher, aber bewusst nicht für den täglichen Griff gedacht. Layer 2 ist das Portemonnaie, schnell verfügbar für den Alltag und im Hintergrund weiterhin an den Tresor rückgebunden.
Wie sich Altcoins positionieren
Altcoins setzen die Prioritäten im Trilemma meist anders: Sie versprechen häufig eine höhere Skalierbarkeit direkt auf der Basisebene, versuchen also mehr Transaktionen pro Sekunde bei tieferen Kosten zu verarbeiten.
Der Preis dafür sind in der Regel Kompromisse bei Dezentralität und/oder Sicherheit, etwa durch eine kleinere Zahl an Teilnehmern, die das Netzwerk absichern. Dass dieses Skalierbarkeits-Versprechen nicht immer zuverlässig eingelöst wird, zeigen wiederholte technische Ausfälle einzelner Netzwerke, etwa bei Solana.
Umgekehrt ermöglicht die höhere Skalierbarkeit einiger Netzwerke Anwendungen, die auf Bitcoin heute nur eingeschränkt oder nur über zusätzliche Netzwerkschichten umsetzbar sind.
Diese andere Priorisierung ist nicht per se ein Nachteil: Sie macht gewisse Netzwerke gerade für Anwendungen interessant, die auf hohen Durchsatz angewiesen sind – etwa die Tokenisierung klassischer Vermögenswerte.
Stablecoins: die dritte Kategorie
Stablecoins bilden eine eigene, dritte Kategorie. Anders als Bitcoin oder Altcoins sind sie in der Regel an eine bestehende Fiat-Währung gekoppelt, meist den US-Dollar, und verfolgen kein eigenes, limitiertes Angebot oder eine eigene Geldpolitik.
Ihr Zweck ist nicht Wertaufbewahrung, sondern schnelle, günstige Abwicklung: Ein Stablecoin wie USDC oder USDT soll im Idealfall immer einen US-Dollar wert sein.
Die Stabilität hängt jedoch davon ab, dass die hinterlegten Reserven tatsächlich vorhanden sind und der Herausgeber seine Verpflichtungen erfüllen kann. Stablecoins sind deshalb mit anderen Risiken verbunden als Bitcoin.
In der Praxis werden Stablecoins unter anderem für grenzüberschreitende Überweisungen genutzt, die ausserhalb klassischer Bankenstrukturen innerhalb von Sekunden abgewickelt werden können.
Praxisbeispiel: In Ländern wie Nigeria, Argentinien oder der Türkei, mit hoher Inflation und/oder mangelndem Vertrauen in das eigene Bankensystem, wird der digitale US-Dollar rege genutzt – laut Chainalysis zählen alle drei Länder zu den Märkten mit der höchsten Stablecoin-Nutzung weltweit. Volumenmässig werden Stablecoins jedoch vor allem als Handels- und Sicherheitswährung auf Kryptobörsen eingesetzt.
Fazit
Bitcoin, Altcoins und Stablecoins verfolgen unterschiedliche Prioritäten und sollten deshalb auch unterschiedlich eingeordnet werden. Bitcoin bevorzugt durch das Zusammenspiel von Kryptografie und Energieaufwand Dezentralität und Sicherheit, während Altcoins häufiger auf Skalierbarkeit setzen. Stablecoins wiederum nutzen bestehende Blockchains und verzichten auf ein eigenes, limitiertes Angebot – zugunsten von Stabilität und Abwicklungsgeschwindigkeit. Im nächsten Teil dieser Serie geht es darum, wie diese unterschiedlichen Eigenschaften konkret genutzt werden – am Beispiel der Tokenisierung klassischer Finanzwerte.
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