KI-Boom oder KI-Blase? So gross ist das Risiko für Anleger

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VZ Analyse

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt in ihrem Jahresbericht 2026 vor wachsenden Übertreibungen rund um den KI-Boom. Das VZ ordnet ein, wo die Risiken liegen und was Anlegerinnen und Anleger beachten sollten.

Publiziert 8. Jul 2026

Autor

Luca Liebi

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Die fünf grössten US-«Hyperscaler» (Microsoft, Amazon, Alphabet (Google), Meta und Oracle) dürften 2025 und 2026 zusammen über eine Billion Dollar in Rechenzentren, Chips und Strominfrastruktur investieren. 

Das Problem ist dabei nicht die absolute Höhe der Investitionen, sondern deren Tempo: Diese Ausgaben wachsen deutlich schneller als der Umsatz und die Gewinne. Verschlang der KI-Ausbau 2023 noch rund 14 Prozent des Umsatzes dieser Konzerne, werden es 2026 schätzungsweise knapp 50 Prozent sein. 

Solange die künftigen Erträge aus KI diese Investitionen rechtfertigen, ist das unproblematisch. Genau darin liegt jedoch die Unsicherheit. Die BIZ warnt, dass ein intensiver Wettbewerb die Unternehmen dazu verleitet, immer mehr Kapital in Projekte mit noch ungewissen Renditen zu investieren. Bleiben die erhofften Erträge aus, könnte aus dem Investitionsboom rasch ein Investitionsstopp werden. 

Warum die Geschichte zur Vorsicht mahnt 

Die BIZ erinnert an vier historische Investitionsmanien: Der Kanalbau-Boom der 1830er-Jahre, die britische Eisenbahnmanie der 1840er, die Elektrifizierung der «Roaring Twenties» und den Dotcom-Boom der späten 1990er-Jahre. Alle folgten dem selben Muster: Ein echter technologischer Durchbruch, der mehr Kapital anzog, als sich später wirtschaftlich rechtfertigen liess. Auf den Investitionsboom folgte jeweils eine schmerzhafte Korrektur. 

Die grossen KI-Unternehmen investieren heute rund das 4,5-Fache des Betrags von 2023. 

Tempo und Ausmass des heutigen KI-Ausbaus ähneln diesen Vorläufern durchaus. 

Anders als bei der Dotcom-Blase stehen hinter den Kursen aber reale Unternehmen mit realen Gewinnen und Produkten. Ein Argument, das viele Fachleute vom direkten Vergleich mit 1999 abrücken lässt. Die Wahrheit dürfte dazwischenliegen: Die Technologie ist echt, aber der Preis, den der Markt heute dafür bezahlt, unterstellt ein sehr ambitioniertes Wachstum. 

Wenn alle voneinander kaufen 

Besonders kritisch beurteilt die BIZ die Finanzierung des KI-Booms. Chiphersteller und Cloud-Giganten beteiligen sich gegenseitig an KI-Laboren, die sich im Gegenzug zu milliardenschweren Käufen von Chips und Rechenleistung verpflichten. 

Hier spricht die BIZ von «Zirkelfinanzierung» (oder zirkulärem Umsatz). Ein Beispiel hierzu: 

  1. Microsoft beteiligt sich an einem KI-Unternehmen und stellt diesem Kapital zur Verfügung (= Investition). 
  2. Das KI-Unternehmen verpflichtet sich im Gegenzug, über mehrere Jahre die Cloud-Rechenleistung bei Microsoft zu beziehen. 
  3. Das von Microsoft investierte Geld fliesst folglich «zirkulär» wieder teilweise als Umsatz an Microsoft selbst zurück. 

Folglich können Umsätze zwar steigen, gleichzeitig wird ihre wirtschaftliche Aussagekraft jedoch weniger transparent. Im Extremfall können dieselben Vermögenswerte sogar mehrfach als Sicherheit hinterlegt werden. 

Was das für Schweizer Anlegerinnen und Anleger heisst 

Wer breit in einen Weltaktienindex (MSCI World) investiert, hält heute faktisch eine grosse US-Technologie-Wette: 

  • US-Titel machen rund 73 Prozent des MSCI World aus. 
  • Der Sektor «Informationstechnologie» hat ein Gewicht von rund 30 Prozent. 
  • Die zehn grössten Konzerne vereinen allein rund 26 Prozent des MSCI World. 

Ein Rückschlag bei wenigen grossen KI-Titeln würde damit auch grössere Auswirkungen auf einen breit gestreuten ETF auf den MSCI World und gegebenenfalls das Depot haben. 

Das ist kein Grund zur Panik, aber Anlass für drei nüchterne Überlegungen: 

  • Klumpenrisiko kennen: Prüfen Sie, wie stark Ihr Portfolio von US-Aktien und dem Sektor «Informationstechnologie» abhängt. 
  • Diszipliniert rebalancieren: Nach der starken Rally liegt der Aktienanteil vieler Depots über der Zielquote. Ein regelmässiges Zurückführen nimmt Risiko heraus, ohne dass man den Markt timen muss. 
  • Nicht dem Momentum nachrennen: Einzelne KI-Gewinner zu Höchstkursen nachzukaufen erhöht das Klumpenrisiko genau dort, wo die Bewertungen am ambitioniertesten sind. 

Fazit 

Ob Boom oder Blase lässt sich seriös erst im Rückblick sagen. Sicher ist: Die bemerkenswerte Widerstandskraft der Märkte beruht derzeit auf viel Optimismus rund um KI. 

Wer sein Portfolio so aufstellt, dass es auch ohne die perfekte KI-Zukunft funktioniert, braucht die Frage nach der Blase gar nicht zu beantworten und ist für beide Szenarien gerüstet. 

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