Julius Bär, EFG und Vontobel: Drei Strategien im Schweizer Private Banking

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Mit den Halbjahreszahlen verschiedener Finanzinstitute erhält der Schweizer Private-Banking-Sektor neue Impulse. Trotz ähnlichem Geschäftsfeld verfolgen die drei börsenkotierten Institute unterschiedliche Strategien. Entsprechend unterschiedlich entwickelten sich auch ihre Aktien.

Publiziert vor 5 Stunden

Autor

Claudio Betschart

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Drei Banken, drei Profile

Auf den ersten Blick sind Julius Bär, EFG International und Vontobel allesamt klassische Schweizer Vermögensverwalter. Bei genauerem Hinsehen unterscheiden sich die Geschäftsmodelle jedoch deutlich.

Julius Bär bleibt mit einer Börsenkapitalisierung von rund 15 Milliarden Franken und verwalteten Vermögen von 547 Milliarden Franken das Schwergewicht unter den unabhängigen Privatbanken. Weltweit beschäftigt das Institut mehr als 7'500 Mitarbeitende und verfügt über eine starke internationale Präsenz.

EFG International ist mit einem Börsenwert von gut 5 Milliarden Franken und rund 200 Milliarden Franken verwalteten Vermögen deutlich kleiner. Dafür setzt die Bank seit Jahren konsequent auf organisches Wachstum. Ein Viertel der Mitarbeitenden arbeitet direkt als Kundenberater, deutlich mehr als bei Julius Bär. Gerade nach dem Untergang der Credit Suisse nutzte EFG diese Struktur, um zahlreiche Beraterteams zu übernehmen und Marktanteile zu gewinnen.

Vontobel nimmt eine Zwischenstellung ein. Das Institut verwaltet Vermögen von deutlich über 250 Milliarden Franken und verfügt neben dem Private Banking auch über ein bedeutendes Asset-Management- und Investmentgeschäft. Die Erträge sind dadurch breiter diversifiziert als bei vielen Konkurrenten. Während der grösste Teil des Betriebsertrags aus wiederkehrenden Kommissions- und Dienstleistungserträgen stammt, spielt bei Vontobel auch das Handelsgeschäft eine wesentlich grössere Rolle als bei anderen Schweizer Privatbanken. Dies ist insbesondere auf die starke Marktstellung bei strukturierten Produkten zurückzuführen, wo Vontobel in der Schweiz und Deutschland zu den führenden Anbietern zählt.

Julius Bär: Die Aufräumarbeiten zeigen Wirkung

Noch vor einem Jahr dominierten die Aufräumarbeiten rund um das Signa-Debakel die Schlagzeilen. Hohe Wertberichtigungen auf das Kreditportfolio sowie das laufende Finma-Verfahren belasteten Reputation und Aktienkurs erheblich.

Unter CEO Stefan Bollinger hat sich das Bild inzwischen deutlich verbessert. Die Halbjahreszahlen zeigen, dass die Restrukturierung erste Früchte trägt. Der Konzerngewinn sprang auf 673 Millionen Franken und lag damit deutlich über den Markterwartungen. Gleichzeitig verbesserte sich das Kosten-Ertrags-Verhältnis von 68,2 auf 62,6 Prozent. Ausschlaggebend waren höhere Kundenaktivitäten in den volatilen Finanzmärkten, Kosteneinsparungen sowie der Wegfall der Sonderbelastungen. Die verwalteten Vermögen erreichten einen neuen Höchststand.

Weniger überzeugend bleibt allerdings das Neugeldwachstum. Mit Nettozuflüssen von 5,7 Milliarden Franken beziehungsweise annualisiert 2,2 Prozent liegt Julius Bär weiterhin klar unter dem mittelfristigen Ziel von vier bis fünf Prozent. Das Management hält zwar an diesem Ziel fest, räumt jedoch ein, dass die verschärften Risiko- und Compliance-Prozesse noch bis 2027 auf die Dynamik drücken dürften.

EFG bleibt die Wachstumsbank

Während Julius Bär Vertrauen zurückgewinnen musste, konnte EFG die vergangenen Jahre nahezu ungestört wachsen. Die konsequente Rekrutierung neuer Kundenberater zahlt sich aus. Seit mehreren Jahren erzielt EFG Nettoneugeldzuflüsse im mittleren einstelligen Prozentbereich und steigert die verwalteten Vermögen kontinuierlich. Auch im ersten Halbjahr 2026 konnte EFG Neugelder in der Höhe von 5,7 Milliarden Franken verzeichnen. Dies entspricht einer annualisierten Wachstumsrate von 6,2 Prozent.

Zwar hat die Aktie seit Jahresbeginn etwas konsolidiert. Operativ gibt es jedoch kaum Anzeichen einer Abschwächung. Obwohl die Analysten etwas mehr erwartet hatten, erhöhte sich der Betriebsertrag im ersten Halbjahr 2026 um 7 Prozent. Die Wachstumsstory bleibt intakt, auch wenn das hohe Expansionstempo langfristig kaum fortgesetzt werden dürfte.

Vontobel setzt auf Qualität statt Tempo

Vontobel verfolgt einen differenzierteren Ansatz. Das Institut legt weniger Wert auf maximale Expansion als auf eine hohe Profitabilität und stabile Erträge. Die Halbjahreszahlen unterstreichen diese Strategie eindrücklich. Der Reingewinn stieg gegenüber dem Vorjahr um 87 Prozent auf den Rekordwert von 216 Millionen Franken und übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich. Neben den Sparmassnahmen profitierte Vontobel vor allem von den hohen Handelsaktivitäten der Kunden, welche angesichts der geopolitisch bedingten Schwankungen an den Finanzmärkten zu einem kräftigen Anstieg der Erträge führten. Gleichzeitig verbesserte sich das Kosten-Ertrags-Verhältnis von 77,9 auf 67,9 Prozent und lag damit sogar unter dem eigenen Zielwert.

Im Geschäft mit vermögenden Privatkunden erzielte Vontobel Nettoneugeldzuflüsse von 2,5 Milliarden Franken. Dies entspricht auf das Gesamtjahr hochgerechnet einer Wachstumsrate von 4,1 Prozent und liegt damit zwischen Julius Bär und EFG.

Vontobel überzeugt seit Jahren mit einer soliden Kapitalbasis, einer verlässlichen Dividendenpolitik und einer konstant hohen Eigenkapitalrendite. Gleichzeitig stellt sich das Institut auch organisatorisch neu auf. Mit Antoine Boublil übernimmt im August ein neuer Finanzchef, zudem wird die Geschäftsleitung erweitert. Die personellen Veränderungen sollen die nächste Phase der strategischen Weiterentwicklung unterstützen.

Kommt es zum Führungswechsel?

Lange galt EFG an der Börse als klarer Gewinner der Neuordnung nach dem Ende der Credit Suisse. Die Aktie entwickelte sich deutlich besser als jene von Julius Bär. 2026 hat sich das Bild jedoch etwas verändert. Julius Bär zählt seit Jahresbeginn zu den stärksten Bankaktien Europas. Anleger honorieren die steigende Profitabilität und hoffen zusätzlich auf einen baldigen Abschluss des Finma-Verfahrens. Sollte dieser erfolgen, könnten nach drei Jahren Unterbruch auch Aktienrückkäufe wieder zum Thema werden.

Dennoch bleibt ein Unterschied bestehen: Julius Bär befindet sich weiterhin im Turnaround, während EFG ihren Wachstumskurs bereits seit mehreren Jahren konsequent umsetzt. Vontobel wiederum kombiniert stabile Erträge mit einer hohen Diversifikation und zeigt, dass auch ohne aggressiven Expansionskurs eine deutliche Gewinnsteigerung möglich ist.

Drei unterschiedliche Investmentgeschichten

Julius Bär hat grosse Fortschritte erzielt. Die Halbjahreszahlen zeigen, dass die Aufräumarbeiten greifen und die Profitabilität deutlich steigt. Bleibt die Entwicklung bei den Kosten positiv und normalisiert sich das Neugeldwachstum, dürfte das Vertrauen der Investoren weiter zurückkehren. Nach der starken Kursentwicklung ist allerdings ein Teil dieser Verbesserung bereits eingepreist.

EFG bleibt der operative Wachstumsführer. Die Bank gewinnt weiterhin Marktanteile, profitiert von ihrer starken Kundenberaterbasis und liefert seit Jahren konstant hohe Neugeldzuflüsse. Das macht sie derzeit zur wohl überzeugendsten Wachstumsstory im Schweizer Private Banking.

Vontobel setzt weniger auf dynamisches Wachstum als auf Ertragsqualität und Stabilität. Das diversifizierte Geschäftsmodell mit einer starken Position im Handel mit strukturierten Produkten sorgt für zusätzliche Ertragsquellen, während die jüngsten Halbjahreszahlen zeigen, dass konsequentes Kostenmanagement und eine hohe Marktaktivität die Profitabilität deutlich steigern können. Die Aktie dürfte zwar auch künftig seltener für Überraschungen sorgen als jene von Julius Bär oder EFG, bietet langfristig jedoch ein solides Fundament innerhalb des Schweizer Finanzsektors.

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