Holcim und Sika: Welcher Zulieferer kann den Aufwind besser nutzen?

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Die Vorzeichen in der Bauindustrie verändern sich. Doch die entscheidende Frage ist, welches Unternehmen die nächste Wachstumsphase am besten für sich nutzen kann.

Publiziert 6. Aug 2026

Autor

Roman Gfeller

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Nach Jahren der Schwäche erholt sich die europäische Bauindustrie langsam. Davon profitieren auch die Schweizer Branchenvertreter Holcim und Sika, die zuletzt beide mit besseren Ergebnissen als erwartet und höheren Jahreszielen aufwarteten. Die beiden Unternehmen verfolgen dabei unterschiedliche Wege: Holcim baut den Konzern um und wächst über Übernahmen, Sika setzt auf Marktanteilsgewinne und strukturelle Wachstumsmärkte wie Infrastruktur und Rechenzentren.

Holcim treibt die Neuausrichtung voran

Holcim treibt seinen Portfolioumbau weiter voran: Nach dem Verkauf der Nigeria-Aktivitäten veräussert der Konzern nun auch das Philippinen-Geschäft an Huaxin Building Materials. Die Transaktion bringt mindestens 807 Mio. Dollar ein, die in neue Akquisitionen fliessen sollen. Der Konzern setzt damit seinen angekündigten Portfolioumbau fort und trennt sich von Märkten mit begrenzten Perspektiven.

Holcim überzeugt auch operativ: Im ersten Halbjahr legte der Umsatz aus eigener Kraft um 5,2 Prozent zu. Nach einem schwachen Jahresauftakt zog die Nachfrage in Europa spürbar an. Deutschland, die Schweiz und mehrere osteuropäische Märkte entwickelten sich besser als erwartet. Das veranlasste das Management, die Prognose für das Gesamtjahr anzuheben.

Mit dem im Juni 2026 erfolgreich abgeschlossenen Zukauf des deutschen Wandspezialisten Xella für 1,85 Milliarden Euro baut Holcim sein margenstarkes Lösungsgeschäft massiv aus. Zusammen mit dem Einstieg bei Cementos Pacasmayo treibt dies die Strategie "NextGen Growth 2030" voran. Holcim positioniert sich verstärkt als Anbieter für nachhaltiges sowie energieeffizientes Bauen, um die Abhängigkeit vom klassischen Zementgeschäft zu verringern.
 

Sika punktet mit Marktdynamik

Sika konzentriert sich hingegen vermehrt auf die Stärkung des Kerngeschäfts. Im ersten Halbjahr kehrte der Bauchemiekonzern mit einem organischen Wachstum von 4,0 Prozent in lokaler Währung auf den Wachstumspfad zurück, auch wenn der starke Schweizer Franken den ausgewiesenen Umsatz leicht drückte. Wie auch Holcim hat das Unternehmen die Prognosen für das Gesamtjahr erhöht.

Die Region Europa, Naher Osten und Afrika entwickelte sich besonders erfreulich, getrieben durch grosse Infrastrukturprojekte, einer Erholung des deutschen Marktes sowie einer starke Nachfrage in Osteuropa. Gleichzeitig gelang es Sika, durch diese Wachstumsimpulse die operative Marge zu stärken. Die steigenden Rohstoff- sowie Logistikkosten konnte Sika erfolgreich abzufangen.

Zunehmend wichtig wird für Sika das Geschäft rund um digitale Infrastruktur. Der Ausbau von Rechenzentren und die Investitionen in KI-Anwendungen sorgen weltweit für steigende Nachfrage nach Spezialprodukten wie Betonzusatzmitteln, Abdichtungssystemen und Klebstoffen. Schwieriger bleibt dagegen die Lage in China, wo die anhaltende Krise im Immobiliensektor die Entwicklung weiterhin belastet.

Die Branche entdeckt neue Wachstumstreiber

Die Resultate von Holcim und Sika spiegeln nicht nur unternehmensspezifische Stärken. Nach zwei Jahren rückläufiger Investitionen verbessert sich das Umfeld für Europas Bauwirtschaft. Infrastrukturprogramme, Investitionen in Energie- und Verkehrsnetze sowie eine Stabilisierung im Wohnungsbau stützen die Aussichten. Für 2026 wird wieder moderates Wachstum erwartet, auch wenn geopolitische Risiken belasten.

Zugleich sorgen neue Nachfragetreiber für Impulse. Der Ausbau von Rechenzentren, die Energiewende, moderne Stromnetze und der Trend zu nachhaltigen Baustoffen eröffnen zusätzliche Wachstumschancen. Davon profitieren Unternehmen mit starker Marktstellung besonders.

Nicht alle Regionen entwickeln sich jedoch positiv. Der schwache chinesische Immobilienmarkt belastet weiterhin die Bautätigkeit in Asien. Für globale Konzerne wird deshalb die gezielte Allokation von Investitionen zunehmend wichtiger.

Was Anleger jetzt beobachten sollten

Ein Blick auf die Kursverläufe zeigt: Holcim hat im laufenden Jahr im Vergleich zu Sika noch Boden gutzumachen. Bei der Betrachtung eines längeren Zeitraums bestätigt sich dieses Bild.

Die kommenden Quartale werden vor allem von den Rahmenbedingungen bestimmt. Entscheidend ist, ob sich die Erholung in Europa fortsetzt und Infrastruktur- sowie Digitalisierungsprojekte den erwarteten Investitionsschub bringen.

Zudem bleibt die Kostenentwicklung zentral. Als energieintensive Branche ist die Baustoffindustrie anfällig für steigende Energie- und Transportkosten. Auch geopolitische Spannungen im Nahen Osten und mögliche Auswirkungen auf die Ölpreise bleiben Risiken. Holcim und Sika konnten höhere Kosten bislang auffangen, doch die Margen dürften in einem volatilen Umfeld erneut auf die Probe gestellt werden.

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