Holcim: Bietet die Kursschwäche eine Einstiegschance?

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Seit Jahresbeginn hat Holcim rund 7 Prozent verloren, während der SPI knapp 7 Prozent im Plus liegt. Dies, obwohl der Schweizer Zementhersteller operativ solide unterwegs ist. Ist jetzt der Einstiegszeitpunkt?

Publiziert 15. Sep 2026

Autor

Jonas Wieckert

Funktion Anlageexperte

Im Branchenvergleich fällt das Urteil deutlich positiver aus, als es der Vergleich mit Swiss Performance Index vermuten liesse. Die Mitbewerber Heidelberg Materials, Amrize und Saint-Gobain haben seit Januar noch deutlicher an Wert eingebüsst.

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Die Börse scheint Holcim damit zwar skeptisch zu beurteilen, traut dem Konzern aber weiterhin mehr Stabilität zu als vielen Konkurrenten. Bemerkenswert ist das besonders vor dem Hintergrund, dass Holcim mit der Abspaltung von Amrize das dank des KI-Booms besonders dynamische US-Geschäft in die Eigenständigkeit abgegeben hat.

 

Hohe Ölpreise belasten die Branche

Ein grosser Kostenfaktor für die Baustoffindustrie sind die hohen Energiepreise. Die Herstellung von Zement ist benötigt viel Energie, und auch der Transport der schweren Baustoffe ist teuer. Steigen die Preise für Diesel, Öl oder Gas, belastet dies direkt die Margen und damit auch die Gewinne der Unternehmen. Wie stark dieser Effekt sein kann, zeigte zuletzt die ehemalige Holcim-Tochter Amrize: Sie musste unter anderem wegen höherer Energie- und Transportkosten ihre Prognosen senken.

Viele Investoren sehen Holcim hier besser aufgestellt. Der Konzern investiert seit Jahren in klimafreundlichere Baustoffe, alternative Brennstoffe und Recyclingmaterialien. Inzwischen stammen rund 40 Prozent der verkauften Zementmenge aus CO₂-reduzierten Produkten. Gleichzeitig ersetzt Holcim einen immer grösseren Teil fossiler Brennstoffe durch alternative Energiequellen. Das verbessert nicht nur die Klimabilanz, sondern reduziert langfristig auch die Abhängigkeit von Öl und Gas.

Ganz gelöst ist das Problem allerdings nicht. Holcim verursacht immer noch CO₂-Emissionen. Das ist auch eine Folge des hohen Anteils klassischer Zementaktivitäten im Geschäftsmodell. Positiv ist jedoch, dass Holcim bei ESG-Ratings und Klimazielen zu den stärksten Unternehmen der Branche zählt und seine Dekarbonisierungsstrategie konsequent vorantreibt.

Operative Stärke trifft auf hohe Erwartungen

Operativ läuft es bei Holcim weiterhin gut. Im ersten Halbjahr legte der organische Umsatz um gut 5 Prozent zu, während der wiederkehrende Betriebsgewinn organisch um über 11 Prozent wuchs. Der Konzern profitiert von Preiserhöhungen, einer verbesserten Produktmischung und der steigenden Nachfrage nach CO₂-ärmeren Baulösungen. Entsprechend hat das Unternehmen seine Prognose für das Gesamtjahr angehoben.

Dass die Aktie trotz dieser Entwicklung unter Druck steht, dürfte auch mit der Bewertung zusammenhängen. Das ausgewiesene Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 15,4 ist im Branchenvergleich hoch. Selbst auf Basis der erwarteten Gewinne wird Holcim mit einem Aufschlag gegenüber vielen europäischen Zementherstellern gehandelt. Der Markt preist damit ein, dass der Konzern dank seines Fokus schneller wachsen kann als die Konkurrenz.

Fazit

Für Anleger ergibt sich ein spannendes Spannungsfeld. Die hohen Energiepreise und die schwache Branchenstimmung belasten den Sektor kurzfristig. Gleichzeitig scheint Holcim dank der Fokussierung auf CO₂-ärmere Produkte, einer robusten operativen Entwicklung und der Neuausrichtung nach der Amrize-Abspaltung besser aufgestellt zu sein als viele Konkurrenten. Genau deshalb wird dem Konzern an der Börse weiterhin ein Bewertungsaufschlag zugestanden. Die entscheidende Frage ist nun, ob Holcim die hohen Erwartungen auch künftig erfüllen kann.

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