Hochzinsanleihen bieten kaum einen Mehrwert im Depot
VZ Analyse
Hochzinsanleihen locken mit hohen Zinsen und wirken deshalb auf den ersten Blick attraktiv. Doch die VZ-Auswertung zeigt: Eine einfache Mischung aus soliden Anleihen und Aktien brachte mehr Rendite bei weniger Risiko.
Autor
Luca Liebi
Funktion Anlageexperte
Hochzinsanleihen, im Fachjargon High-Yield-Anleihen, sind Anleihen von Unternehmen mit tiefer Kreditwürdigkeit.
Weil das Ausfallrisiko bei diesen Anleihen hoch ist, werden Anlegern verhältnismässig höhere Zinsen angeboten. Genau dieser hohe Zins macht Hochzinsanleihen für viele Anleger attraktiv. Gerade wenn solide Anleihen nur wenig abwerfen, wirken Zinsen von mehreren Prozent verlockend.
Die Überlegung vieler Anleger: Ein kleiner Anteil Hochzinsanleihen im Depot soll die Rendite des Anleihenteils steigern, ohne dass dafür die Aktienquote erhöht werden muss. Doch geht diese Rechnung auf?
Die Rechnung geht nicht auf
Das VZ hat nachgerechnet. Verglichen wurden Hochzinsanleihen mit einer einfachen Alternative: einem Portfolio aus drei Viertel Anleihen guter Bonität und einem Viertel Aktien.
Das Ergebnis über einen Zeitraum von knapp 28 Jahren: Die Mischung erzielte eine Rendite von 5,0 Prozent pro Jahr, die Hochzinsanleihen 4,9 Prozent. Gleichzeitig schwankte das Mischportfolio weniger stark. Die jährliche Volatilität lag bei 5,3 Prozent gegenüber 5,8 Prozent bei Hochzinsanleihen.
Hinzu kommen die Kosten, die in diesem Vergleich noch nicht berücksichtigt wurden: Fonds und ETF auf Hochzinsanleihen kosten im Schnitt 0,1 bis 0,4 Prozent pro Jahr mehr als klassische Anleihen- und Aktien-ETF. Nach Kosten fällt der Vergleich also noch deutlicher zugunsten vom Mischportfolio aus.
In Krisen kein Schutz
Anleihen sollen ein Depot stabilisieren, wenn die Aktienmärkte unter Druck geraten. Hochzinsanleihen erfüllen diese Funktion jedoch nur bedingt. In der Finanzkrise 2008 verloren sie vom Höchststand aus fast einen Drittel ihres Wertes. Die Mischung aus soliden Anleihen und Aktien dagegen rund 15 Prozent. Auch nach dem Platzen der Dotcom-Blase und im Corona-Crash 2020 war der Verlust mit Hochzinsanleihen deutlich höher.
Einzig 2022, als die Zinsen rasant stiegen und Aktien und Anleihen gleichzeitig unter Druck gerieten, schnitten Hochzinsanleihen etwas besser ab: Sie verloren zwischenzeitlich knapp 15 Prozent, die Mischung gut 18 Prozent. Ein echter Stabilitätsanker waren sie aber auch damals nicht.
Warum Hochzinsanleihen in Krisen besonders leiden
Der Grund liegt im höheren Kreditrisiko der Schuldner. Hochzinsanleihen werden von Unternehmen mit schwächerer Bonität ausgegeben. Gerät die Wirtschaft unter Druck, befürchten Anleger häufiger Zahlungsausfälle und verlangen höhere Risikoprämien. Dadurch fallen die Kurse von Hochzinsanleihen oft gleichzeitig mit den Aktienmärkten.
Genau deshalb verhalten sich Hochzinsanleihen in Krisenzeiten häufig eher wie Aktien als wie klassische Anleihen. Zwar erhalten Anleger einen höheren Zins als bei Anleihen guter Schuldner.
Dafür tragen sie aber einen erheblichen Teil des Unternehmensrisikos mit. Die zusätzliche Rendite entschädigt langfristig nicht für dieses höhere Risiko.
Fazit: Die bessere Mischung
Hochzinsanleihen versprechen mehr Zins, bringen im Depot aber keinen Mehrwert: Sie verstecken aktienähnliche Risiken, sind teurer in der Umsetzung und schützen in Krisen nicht.
Sinnvoller ist eine klare Aufgabenteilung im Portfolio: Anleihen von Schuldnern mit guter Bonität sorgen für Stabilität, Aktien für Rendite. Die Auswertung zeigt, dass diese Kombination in den vergangenen knapp 28 Jahren mehr Rendite bei geringeren Schwankungen erzielte. Zudem lässt sie sich kostengünstiger und transparenter umsetzen.
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