Heizöl und Benzin: Das steckt hinter dem Preisschock
VZ Analyse
Viele Schweizerinnen und Schweizer dürften sich verwundert die Augen reiben: Obwohl die Ölpreise deutlich unter ihren Höchstständen notieren, bleiben die Preise für Heizöl und Treibstoffe hierzulande hartnäckig hoch – und sie könnten weiter steigen.
Publiziert vor 8 Stunden
Autor
Christoph Sax
Funktion Anlagechef
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Insbesondere Hausbesitzerinnen und -besitzer machen sich Gedanken, wann sie ihre Heizöltanks füllen sollen. Heizöl hat sich weiter verteuert, gleichzeitig rückt der Winter näher. Sie fragen sich, ob der Preisanstieg anhält. Die jüngsten Inflationsdaten zeigen, wie kräftig die Preise zuletzt gestiegen sind.
Während der Landesindex der Konsumentenpreise im Juli um 0,1 Prozent zurückging, stieg Heizöl gegenüber dem Vormonat um fast 10 Prozent. Innerhalb eines Jahres hat es sich gar um über 30 Prozent verteuert. Etwas weniger dramatisch zeigt sich die Situation an der Tanksäule. Doch auch hier ist der Trend klar: An vielen Tankstellen kostet Benzin mehr als noch zu Beginn des Sommers.
Für beide Entwicklungen gibt es einen Grund: Nicht die Entwicklung an den Ölmärkten ist entscheidend, sondern der Wasserstand des Rheins.
Rhein als wichtiger Transportweg
Der längste Fluss der Schweiz spielt eine zentrale Rolle, weil die Schweiz weder über eigene Ölquellen noch über einen Zugang zum Meer verfügt. Deshalb ist sie auf funktionierende Importwege angewiesen.
Über die Rheinhäfen in Basel gelangt ein beträchtlicher Teil der benötigten Mineralölprodukte ins Land. Schätzungen zufolge wird rund ein Drittel des Schweizer Treibstoffbedarfs über diesen Weg transportiert.
Doch genau dieser Lebensnerv der Schweizer Energieversorgung bereitet derzeit Probleme. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit führt der Rhein ungewöhnlich wenig Wasser. Frachtschiffe können nur noch einen Teil ihrer normalen Ladung transportieren. Teilweise müssen sie ihre Frachtmenge drastisch reduzieren, um nicht auf Grund zu laufen.
Explodierende Transportkosten
Die Folgen zeigen sich vor allem bei den Transportkosten. Während der Transport von Mineralölprodukten von Rotterdam nach Basel unter normalen Bedingungen nur einen Bruchteil kostet, haben sich die Frachtraten wegen des Niedrigwassers vervielfacht. Die Mehrkosten werden entlang der Lieferkette weitergegeben und landen letztlich bei den Konsumenten.
Branchenvertreter schätzen, dass das Niedrigwasser den Benzinpreis derzeit um bis zu 12 bis 16 Rappen pro Liter verteuert. Damit ist ein beträchtlicher Teil der Preissteigerung in diesem Jahr nicht auf den Ölmarkt, sondern auf die schwierige Logistik zurückzuführen.
Heizöl ebenfalls betroffen
Die Auswirkungen beschränken sich nicht auf Autofahrer. Auch beim Heizöl macht sich die Situation bemerkbar. Zwar orientieren sich die Preise grundsätzlich am internationalen Ölmarkt, doch auch hier bremsen die höheren Transportkosten den Rückgang der Inlandpreise, da auch Heizöl via Rheinschifffahrt ins Land gelangt.
Wer gehofft hatte, von den zuletzt etwas tieferen Rohölnotierungen zu profitieren, wird deshalb enttäuscht. Besonders ärgerlich ist dies für Hauseigentümer, die ihre Tanks vor dem Winter auffüllen möchten.
Dennoch gibt es eine gute Nachricht: Trotz der angespannten Lage besteht derzeit kein Grund zur Sorge. Die Schweiz verfügt über Pflichtlager für Treibstoffe und Heizöl, die im Bedarfsfall angezapft werden können. Zudem werden zusätzliche Transportkapazitäten auf der Schiene und der Strasse genutzt. Die Versorgung des Landes ist damit weiterhin gewährleistet.
Wann ist Entspannung in Sicht?
Eine nachhaltige Entspannung dürfte erst einsetzen, wenn im Einzugsgebiet des Rheins wieder genügend Niederschläge fallen. Höhere Pegelstände würden eine bessere Auslastung der Frachtschiffe ermöglichen und die Transportkosten senken.
Für Konsumenten bedeutet das: Der Blick auf die Wetterkarte ist in den kommenden Wochen mindestens so wichtig wie jener auf den Ölpreis.
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