Heisse Aktien aus dem kühlen Norden

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Immer mehr Reisende fliehen vor der Sommerhitze in den hohen Norden. Diese Entwicklung bietet auch für Anleger Chancen. Wir analysieren den "Coolcation"-Boom und präsentieren sechs Unternehmen, die langfristig davon profitieren könnten.

Publiziert 27. Jul 2026

Autor

Pascal Meisser

Funktion Anlageexperte

Wer in diesen Tagen nach Nordnorwegen über den Polarkreis hinaus reist, braucht sich nicht vor warmen Temperaturen zu fürchten. In Tromsö, einem der bedeutendsten touristischen Zentren der Region und der selbsternannten "Hauptstadt der Arktis", werden derzeit tagsüber bestenfalls 15 Grad erreicht. Aber auch in Lappland oder in Trondheim an Norwegens Westküste herrschen derzeit Temperaturen unter 20 Grad. 

Genau aus diesem Grund ziehen immer mehr Feriengäste aus Mittel- und Südeuropa während den Sommerferien in den hohen Norden. Norwegen verzeichnete 2025 mit 7,2 Millionen Besuchern ein Rekordjahr – ein Plus von 75 Prozent gegenüber dem Vor-Coronajahr 2019. In Schweden wurden 2025 erstmals über 70 Millionen Gesamtübernachtungen verzeichnet, und auch in Dänemark und Finnland begrüsste man so viele Besucher wie noch nie. 

Dieser massive Ansturm auf Skandinavien sorgt jedoch für weit mehr als nur gefüllte Kassen bei den lokalen Tourismusbetrieben. Die wachsende Nachfrage treibt die gesamte Wirtschaft des Nordens an – von der Infrastruktur über die Gastronomie bis hin zur Logistik. Diese Entwicklung hat die ganze Region aus seinem Nischendasein gelöst und rückt nun zunehmend spannende Unternehmen in den Fokus von Anlegerinnen und Anleger.

Noch wird der nördliche Trend längst nicht in den Zahlen der kotierten Gesellschaften, die davon profitieren könnten, reflektiert. Das kann daran liegen, dass diese Unternehmen weit über Skandinavien heraus tätig sind – oder aber Altlasten mittragen, die erst noch bereinigt werden müssen. Ebenfalls spielt mit ein, dass klimatisch bedingt die Sommersaison für den Tourismus relativ kurz ist. Längst nicht alle Regionen haben sich schon heute auf ganzjährige Besuche von ausländischen Besuchern eingerichtet.

Hier eine kleine Auswahl an Titeln, die längerfristig vom "Coolcation"-Trend profitieren könnten:

Scandic Hotels Group 

Als grösste Hotelkette Skandinaviens ist Scandic der direkteste Profiteur der Tourismus-Zunahme. Die starke Sommernachfrage in den Hauptstädten treibt die Auslastung. Mit der Übernahme der irischen Dalata-Gruppe wird zudem die Expansion vor allem in Richtung Irland und Grossbritannien forciert. Bei den kürzlich publizierten Halbjahreszahlen legte der Hotelbetreiber eine spürbar verbesserte Profitabilität vor. Allerdings riss das eingebrochene Finnland-Geschäft ein Loch in die Bilanz. Nach einer Kurskorrektur notieren die Titel nun nahe des Jahrestiefs, was aber ein guter Einstiegszeitpunkt sein könnte.

Thule Group 

Der schwedische Weltmarktführer für Dachboxen und Fahrradträger sollte ebenfalls von der Welle des nordischen Aktiv- und Campingtourismus profitieren können. Thule überzeugt regelmässig mit starken Bruttomargen. Die Aktie gilt als robuster Wert, der vom anhaltenden Outdoor-Trend profitieren könnte. Mit seinem Premium-Standard profitiert Thule von einer Preissetzungsmacht, was wiederum die Margen schützt. Diese liegen mit knapp 45 Prozent für einen Sachgüterhersteller auf sehr hohem Niveau.

Viking Line 

Die finnische Traditionsreederei meldet eine signifikante Zunahme von internationalen Fahrgästen auf den Ostseerouten. Da viele Coolcation-Reisende mit dem eigenen Camper oder Auto anreisen, erweisen sich die Fährverbindungen als hochrentable Strecken im nordischen Urlaubsverkehr. Für die Aktie spricht unter anderem die hohe Dividendenrendite von 4,9 Prozent und die Aussichten auf weiteres Wachstum. Allerdings ist das Handelsvolumen an der Börse von Helsinki relativ gering.

Norwegian Air Shuttle 

Die Fluggesellschaft hat ihre Sommerkapazitäten im Norden massiv aus ausgeweitet. Mit der Übernahme von Nordic Leisure Travel Group kann das Unternehmen eine integrierte Reiseplattform mit eigenen Hotelmarken anbieten. Ein strategischer Schwenk durch die Milliarden-Übernahme der Nordic Leisure Travel Group macht die Airline zudem zur integrierten Reiseplattform samt eigenen Hotelmarken und sorgt für Fantasie.

Fenix Outdoor 

Das schwedische Unternehmen hinter Marken wie Fjällräven stattet Individualurlauber für den Norden aus. Wer Skandinavien abseits der Städte entdeckt, braucht wetterfeste Ausrüstung. Das solide Geschäftsmodell profitiert direkt von der Verlängerung der nordischen Outdoor-Saison. Das Unternehmen, das seinen Sitz in Zug hat, schaut auf eine längere Schwächephase zurück. Operativ zeigt sich im Jahr 2026 jedoch eine starke Trendwende, was die Aktie für antizyklische Anleger kaufenswert macht.

Tivoli 

Kopenhagens weltberühmter Tivoli-Freizeitpark bricht dank des Tourismusbooms Umsatzrekorde. Es ist nicht nur Nordeuropas meistbesuchte Attraktion, sondern wandelt sich dank kulinarischen Konzepten zur Ganzjahresdestination. Das Unternehmen investiert massiv in neue Themenbereiche. So soll das zukünftige Wachstum gesichert werden. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Aktie ziemlich illiquide ist und sich deshalb oft über längere Zeit kaum von der Stelle bewegt. Auch die Dividendenrendite fällt mit 0,9 Prozent ziemlich mager aus.

Der "Coolcation"-Trend dürfte mehr als nur eine kurzfristige Erscheinung sein, sondern der Beginn einer strukturellen Verschiebung im internationalen Reiseverhalten. Dennoch sollten Anleger bei der Auswahl der Titel Vorsicht walten lassen. Die skandinavischen Märkte erfordern jedoch aufgrund der vielfach geringen Handelsvolumen und saisonaler Abhängigkeiten mehr Geduld als andere Märkte.

Wer den Norden als Depot-Beimischung wählt, setzt auf eine Region, die zunehmend durch ihre klimatische Attraktivität und politische Stabilität überzeugt – eine Kombination, die weit über den nächsten Sommer hinaus Bestand haben könnte.

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