VZ Analyse
Der Goldpreis hat sich nach der Korrektur stabilisiert. Für Goldminenbetreiber bleibt das Umfeld attraktiv: Hohe Goldpreise sorgen für komfortable Margen und steigende Gewinne.
Publiziert 19. Aug 2026
Beschreibung
Nach der Kursrally zu Jahresbeginn und der anschliessenden Korrektur hat sich der Goldpreis wieder stabilisiert. Eine Unze Gold kostet aktuell rund 4400 Dollar. Damit liegt der Goldpreis seit Jahresbeginn 1,9 Prozent im Plus.
Mehrere Faktoren sprechen mittelfristig für einen weiterhin hohen Goldpreis. Dazu zählen insbesondere die anhaltenden Goldkäufe der Zentralbanken, die zunehmende De-Dollarisierung sowie die geopolitischen Unsicherheiten. Gleichzeitig hat die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Federal Reserve im September zuletzt wieder abgenommen. Das macht Gold als zinslose Anlage vergleichsweise attraktiver.
Goldminen als Profiteure
Von einem langfristig hohen Goldpreis profitieren insbesondere die Goldminenbetreiber. Ihre Profitabilität hängt massgeblich von der Differenz zwischen dem Verkaufspreis des Goldes und den Kosten für dessen Förderung ab.
Die gesamten Förderkosten je Unze sind aufgrund höherer Energiepreise zwar leicht gestiegen. Laut dem World Gold Council liegen sie derzeit im Durchschnitt bei rund 1700 Dollar. Beim aktuellen Goldpreis bleibt damit eine komfortable Gewinnmarge.
Entsprechend konnten die grossen Minenbetreiber ihre Margen deutlich steigern. Für Agnico-Eagle wird für das laufende Jahr eine Gewinnmarge von über 40 Prozent erwartet. Bei Newmont sind es rund 37 Prozent und bei Barrick etwa 28 Prozent.
Auch für die kommenden zwei Jahre sind die Aussichten positiv. Die Gewinnmargen dürften auf einem ähnlich hohen Niveau bleiben, sofern der Goldpreis nicht deutlich nachgibt und die Förderkosten unter Kontrolle bleiben.
Goldminenaktien wieder gefragt
Als der Goldpreis nach seinen Höchstständen zurücksetzte, gerieten auch die Minenaktien vorübergehend unter Druck. Inzwischen haben sich die Titel jedoch wieder erholt und setzen seit August ihre Aufwärtsbewegung fort.
Der Solactive Global Pure Gold Miners Index, der Unternehmen mit mindestens 90 Prozent Umsatz aus der Goldförderung abbildet, liegt seit Jahresbeginn rund 6 Prozent im Plus. Einzelne Förderer wie Agnico-Eagle und Newmont entwickelten sich mit Kursgewinnen von 13 beziehungsweise 20 Prozent noch besser.
Einzig Barrick liegt derzeit unter dem Kursniveau zu Jahresbeginn. Die Aktie geriet nach den jüngsten Quartalszahlen unter Druck. Der Grund dafür war jedoch nicht das operative Ergebnis, sondern eine Einigung mit Newmont im Streit um Minen in Nevada. Im Rahmen der Vereinbarung erhält Barrick 1,95 Milliarden Dollar für seine Beteiligung am Joint Venture. Die Zahlung fiel aus Sicht der Investorinnen und Investoren jedoch tiefer aus als erwartet.
Hohe Gewinne machen Bewertung attraktiv
Dank der hohen Gewinnmargen bleibt den Minenbetreibern viel Geld für Investitionen und Ausschüttungen. Eine mögliche Gefahr für Anleger besteht darin, dass die Unternehmen bei hohen Goldpreisen ihre Produktionskapazitäten zu stark ausbauen. Ein höheres Angebot könnte den Goldpreis unter Druck setzen.
Bislang halten sich die Kapitalausgaben jedoch in Grenzen. Stattdessen setzen die Unternehmen auf Ausschüttungen an die Aktionäre und Aktienrückkäufe.
Das zeigt sich auch bei der Gewinnentwicklung. Die Minenbetreiber konnten ihren Gewinn pro Aktie in den vergangenen Jahren kontinuierlich steigern. Auch hier profiliert sich Agnico-Eagle: Für das laufende Jahr wird ein Gewinn pro Aktie von 9.80 Franken erwartet. Newmont und Barrick haben noch etwas Aufholpotenzial. Bei beiden Unternehmen wird jedoch ebenfalls mit einer kontinuierlichen Steigerung des Gewinns pro Aktie bis 2028 gerechnet. Bei Agnico-Eagle dürfte der Gewinn pro Aktie ab 2028 dagegen leicht zurückgehen.
Die höheren Gewinne und die zwischenzeitliche Kurskorrektur haben zudem die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Minenbetreiber reduziert. Die Bewertungen erscheinen damit nicht übermässig hoch.
Dies zeigt sich auch in den Analysteneinschätzungen. Laut Bloomberg empfehlen mehr als 80 Prozent der Analysten, welche die jeweiligen Aktien abdecken, die Titel zum Kauf. Eine Verkaufsempfehlung gibt es bei keinem der drei Unternehmen.
Goldminenaktien bieten Anlegern damit einen zusätzlichen Hebel auf den Goldpreis. Steigt das Edelmetall, können die Gewinne der Minenbetreiber überproportional zulegen, solange die Förderkosten nicht im gleichen Ausmass steigen. Gleichzeitig sorgen die hohen Margen für steigende Gewinne, Aktienrückkäufe und Ausschüttungen.
Für Investoren, die über den blossen Werterhalt hinaus Renditechancen suchen, bieten Goldminenaktien eine spannende Alternative oder Ergänzung zum direkten Goldinvestment.
Das höhere Gewinnpotenzial geht allerdings auch mit einem höheren Unternehmens- und Aktienrisiko einher. Gerade bei Goldminen ist der operative Hebel zwar attraktiv, funktioniert aber in beide Richtungen: Fällt der Goldpreis, können die Margen deutlich schneller schrumpfen als der Goldpreis selbst.
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