VZ Analyse
Der schwächelnde Dollar lenkt die Blicke zunehmend auf Gold. Nicht nur Investoren, sondern auch Staaten und Zentralbanken setzen verstärkt auf das Edelmetall.
30. Okt 2025
Beschreibung
Gold gilt heute nicht nur als Diversifikationsinstrument, sondern als strategisches Mittel, um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern. Im letzten Jahr hat besonders China seine Goldreserven stark erhöht – ebenso wie Polen, Indien und die Türkei.
Europa und USA: die grössten Goldbesitzer
Mit Abstand am meisten Gold besitzen jedoch nach wie vor die USA, mit 8133 Tonnen. Das ist mehr als doppelt so viel wie das zweitplatzierte Deutschland mit 3350 Tonnen, auch die Schweiz gehört mit ihren 1040 Tonnen Gold zu den grössten Besitzern.
Doch während das amerikanische Gold vollumfänglich in den USA gelagert wird, befindet sich etwa die Hälfte der Goldreserven Deutschlands in den USA und Grossbritannien. Auch die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) werden nicht vollumfänglich im Inland aufbewahrt: Etwa 30 Prozent lagern in Grossbritannien und Kanada.
Bei den grossen Goldinvestoren haben China, Indien und die Türkei ihre Reserven in den letzten 3 Jahren erhöht. Währenddessen haben sich die Investments der anderen grossen Goldnationen kaum verändert.
Goldreserven gemessen am BIP
Betrachtet man die Goldreserven im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt , ergibt sich ein anderes Bild: Vor allem ölproduzierende Staaten dominieren die Spitzenplätze. Ein möglicher Grund dafür ist, dass Öl in US-Dollar gehandelt wird, wodurch diese Länder einer zusätzlichen Währungsabhängigkeit ausgesetzt sind. Gold bietet eine Lösung, da der Rohstoff grundsätzlich negativ mit dem US-Dollar korreliert. Zudem kann Gold nicht sanktioniert werden, was für Staaten von Vorteil ist, die ihre Abhängigkeit vom westlichen Finanzsystem verringern wollen. Hinzu kommt der Mangel an Alternativen: Die Währungen der Schwellenländer sind als Reserven zu wenig stabil. Besonders auffällig ist der Libanon, dessen Goldreserven rund 140 Prozent seines BIP ausmachen.
Im Jahr 1949 legte Libanon gesetzlich fest, dass mindestens 50 Prozent der Währung durch Gold gedeckt werden müssen. Zehn Jahre später erreichte diese Abdeckung 92 Prozent. Diese Käufe wurden durch Währungsreserven und staatliche Mittel finanziert. In den Jahren 1970/1980 während des Bürgerkrieges wurde ein grosser Teil dieses Goldes in die USA verlagert. Im Jahr 1986 wurde per Gesetz festgelegt, dass ein Parlamentsbeschluss erforderlich ist, um das Gold zu verkaufen. So wurde verhindert, dass die Zentralbank eigenständig auf dieses zugreift. Das libanesische Gold gilt seither als unantastbar und die Goldreserven wurden bis heute nicht angerührt, auch wenn es in Krisenzeiten immer wieder vorgeschlagen oder verlangt wurde. Die Gold-Deckung konnte indessen nicht eingehalten werden. Das libanesische Pfund hat seit der Wirtschaftskrise 2022 massiv an Wert verloren. Das Gold dient heute eher als strategische Reserve.
In Europa haben die Schweiz und Portugal die grössten Goldreserven gemessen am BIP. Portugal, das im Zweiten Weltkrieg offiziell neutral blieb, baute Anfang der 40er-Jahre grosse Goldreserven auf. Die Regierung wollte damit Auslandsschulden vermeiden, die Währung stabil halten und die internationale Zahlungsfähigkeit garantieren. Ein Grossteil des Goldes stammte aus dem Wolframhandel mit Deutschland. In den letzten Jahren blieben die Goldreserven stabil, wie auch bei den anderen grossen europäischen Goldnationen.
Goldreserven und Staatsschulden
Die Goldreserven gemessen an den Staatsschulden zeigen ein ähnliches Bild: Das Ranking wird durch ölproduzierende Staaten angeführt. Aber auch die Schweiz deckt mit Gold aktuell ein Drittel ihrer Staatsschulden ab.
Schweizer Gold wird immer weniger
Die staatlichen Goldbestände erfüllen unterschiedliche Funktionen. In vielen Ländern sind sie Teil der Währungsreserven der Zentralbank und sind somit ein gelpolitisches Instrument. In anderen Staaten wiederum werden die Goldbestände von anderen Staatsstellen (meiste dem Finanzministerium) verwaltet.
Die Schweizer Reserven sind im Besitz der SNB, welche sie als Währungsreserve nutzt. Doch ihn ihren Entscheidungen ist die SNB nicht völlig frei. Vor zehn Jahren stimmte die Schweiz über die Erhöhung der Goldbestände auf 20 Prozent der Aktiva der SNB ab, allerdings wurde die Initiative deutlich mit 77 Prozent Nein abgelehnt. Bis 1999 musste die SNB gesetzlich 40 Prozent des Notenumlaufes durch Gold gedeckt haben. Dies wurde aber mit der neuen Bundesverfassung aufgehoben. Wodurch die SNB zwischen 2000 und 2005 1300 Tonnen Gold für insgesamt 21 Milliarden Franken verkaufte.
Über mögliche Verwendungen des Erlöses stimmte das Schweizer Volk ab. Einerseits die sogenannte Goldinitiative, die den gesamten Erlös in die AHV einzahlen wollte und andererseits über den Gegenvorschlag, der 1/3 an die AHV, 1/3 an die Kantone und 1/3 in Stiftung Solidarische Schweiz einzahlen wollte. Die Stiftung sollte national und international gegen Armut, Gewalt und soziale Ausgrenzung kämpfen. Beide Initiativen erhielten aber jeweils 46 Prozent Ja-Stimmen und waren damit abgelehnt. Am Ende ging der Ertrag mit 2/3 an die Kantone und 1/3 an den Bund.
Zwischen 2007 und 2009 veräusserte die SNB weitere 250 Tonnen. Der Goldbestand ist seither unverändert bei 1040 Tonnen. Sie machen nur noch einen vergleichsweise kleinen Teil der Aktiven der SNB aus, weil die Devisenreserven (vor allem in Euro und Dollar) in der Zwischenzeit stark zugenommen haben.
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