Galderma: Rekordzahlen – doch das Chartbild bekommt Falten

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VZ Chartanalyse

Am 21. September steigt Galderma in den SMI auf, der Konzern vermeldet Rekordzahlen. Trotzdem hat die Aktie seit Ende Juni deutlich an Schwung verloren. Warnsignal oder Kaufchance?

Publiziert 3. Sep 2026

Autor

Andreas Paciorek

Funktion Anlageexperte

Viele Anleger nehmen Galderma vor allem als Anbieter von Produkten für die ästhetische Dermatologie und Hautpflege wahr. Das Wachstum kommt inzwischen aber zunehmend aus der therapeutischen Dermatologie. 

Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Konzernumsatz währungsbereinigt um 24,6 Prozent auf 3,13 Milliarden Dollar; die therapeutische Sparte wuchs um 67,9 Prozent. Treiber ist dabei vor allem Nemluvio, ein Medikament gegen chronische Hauterkrankungen, das allein 433 Millionen Dollar umsetzte und auf dem Weg zum Blockbuster ist. Bereinigter Betriebsgewinn und Gewinn je Aktie stiegen um 42,8 beziehungsweise 68,5 Prozent, und das Management hob die Prognose für das Umsatzwachstum 2026 auf 19 bis 21 Prozent an.

 Kaum ein anderer Schweizer Grosskonzern wächst derzeit in diesem Tempo. 

Bemerkenswert ist zudem, dass Analysten ihre Gewinnschätzungen seit den Halbjahreszahlen weiter nach oben angepasst haben. Für 2026 wird derzeit ein Gewinnwachstum von rund 27 Prozent erwartet. Der jüngste Kursrückgang geht somit nicht mit einer Verschlechterung der Geschäftsaussichten einher. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die Aktie nach der starken Kursrally der vergangenen Jahre den hohen Erwartungen noch gerecht werden kann. 

Warum der Kurs trotzdem stockt 

Dass die Aktie seit dem Sommer dennoch nachgibt, hat vor allem zwei Gründe. Erstens die Bewertung: Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von aktuell rund 44 für 2026 ist viel Wachstum bereits eingepreist, deutlich mehr als beim Schweizer Gesamtmarkt. Jede Wachstumsverlangsamung würde entsprechend hart bestraft. 

Zweitens ein regulatorischer Dämpfer: Anfang Juli erhielt Galderma von der US-Arzneimittelbehörde FDA für das Faltenmittel Relfydess zum zweiten Mal einen sogenannten Complete Response Letter (eine Aufforderung zur Nachbesserung, diesmal wegen Beanstandungen am Produktionsstandort). Die US-Zulassung verzögert sich damit weiter. 

Die Analysten bleiben gleichwohl konstruktiv: 15 von 17 raten zum Kauf, keiner zum Verkauf, das mittlere Kursziel liegt bei knapp 198 Franken. Der Kursrückgang deutet somit weniger auf Zweifel an der Geschäftsentwicklung hin als auf die Frage, ob die bereits hohen Erwartungen noch Spielraum für weitere positive Überraschungen lassen. 

Was sagt der Chart? 

Für das grosse Bild kommt diesmal ein selten gezeigtes Werkzeug zum Einsatz: die Andrews-Pitchfork («Heugabel»). Das Instrument nutzt markante Wendepunkte, um den übergeordneten Trend und mögliche Unterstützungs- sowie Widerstandszonen sichtbar zu machen. Die Mittellinie dient dabei als Orientierungspunkt, während die äusseren Begrenzungen den Trendkanal markieren. 

Galderma hält sich seit anderthalb Jahren erstaunlich präzise an dieses Raster: Das März-Tief bei 136 Franken lag exakt auf der unteren Zwischenlinie, das Allzeithoch Ende Juni scheiterte am oberen Zinken. Zudem notiert der Kurs aktuell noch über der 200-Tage-Linie bei 161 Franken. Das langfristige Bild bleibt damit konstruktiv. 

Anders sieht es aus kurzfristiger Sicht aus. Seit dem Allzeithoch vom 30. Juni bei gut 188 Franken gab es kein neues Hoch mehr – im Gegenteil: Anfang August scheiterte die Erholung bei rund 183 Franken an der oberen Zwischenlinie, seit Mitte August wurde sogar um die Mittellinie gerungen, die diese Woche aufgegeben wurde. Jede Erholung erreicht nur noch eine tiefere Linie der Gabel – das klassische Muster nachlassender Dynamik. 

Die Indikatoren bestätigen das: Der Relative-Stärke-Index liegt bei rund 38. Kein Paniksignal, aber klar unter der neutralen 50er-Marke. Der MACD ist negativ. Kurzfristig ist das Bild neutral bis leicht vorsichtig. 

Die nächsten wichtigen Zonen: 160/162 und 147 Franken 

Um 160/162 Franken bündeln sich die 200-Tage-Linie, das 50-Prozent-Fibonacci-Retracement der Aufwärtsbewegung vom März-Tief bis zum Allzeithoch sowie die untere «Heugabel»-Zwischenlinie. Darunter würde der Kurs erstmals seit der Frühjahrsrally in die untere Pitchfork-Zone mit dem potenziellen Anlaufziel 147 Franken eintauchen. 

Dort treffen der untere Zinken der «Heugabel» und das 78,6-Prozent-Retracement zusammen. Spätestens von diesem Punkt aus könnte es aber zu einer technischen Gegenreaktion und eventuell auch einer Wiederaufnahme des Aufwärtstrends – präferiert innerhalb der «Heugabel» – kommen. 

Was für eine Erholung nötig wäre – und wo das Risiko liegt 

Auf der Oberseite gilt es vor allem die Mittellinie der «Heugabel» – aktuell bei rund 173 Franken und steigend – zurückzuerobern. Dort liegt auch das Zwischenhoch von Ende August. Ein stärkeres bullisches Signal entstünde aber erst mit einem nachhaltigen Ausbruch über die Sommerhochs bei 185 bis 188 Franken: Erst dann wäre die Serie tieferer Hochs gebrochen. Ob die SMI-Aufnahme dabei hilft ist offen. SMI-Indexfonds werden ihre Portfolios rund um die Umsetzung am 18. September entsprechend anpassen. Solche Ereignisse sind lange bekannt und werden oft im Voraus gehandelt. 

Ein Vorbehalt: Die Gabel ist steil und steigt um rund 4 Franken pro Monat. Schon eine mehrmonatige Seitwärtsbewegung würde den Kurs mechanisch unter ihre untere Linie drücken – ein solcher Bruch wäre dann weniger Alarmsignal als das Ende des aussergewöhnlichen Rally-Tempos. Eine abwartende Haltung ist damit nachvollziehbar. Den nächsten fundamentalen Impuls liefert der Zwischenbericht von Galderma zum dritten Quartal am 22. Oktober. 

Einordnung: Für wen ist Charttechnik relevant? 

Charttechnische Analysen wie diese richten sich vor allem an Anlegerinnen und Anleger mit kürzerem Anlagehorizont oder an jene, die ihre Entscheidungen durch zusätzliche Marktsignale ergänzen möchten. Die Interpretation von Kursmustern, Unterstützungszonen oder Indikatoren kann helfen, das kurzfristige Marktverhalten besser einzuordnen – ersetzt jedoch keine fundierte, langfristige Anlagestrategie. Für langfristig orientierte Anleger treten solche Schwankungen in den Hintergrund: Historisch betrachtet haben sich breit diversifizierte Aktienmärkte trotz zwischenzeitlicher Rückschläge über die Zeit nach oben entwickelt. Wer den SMI über einen ETF hält, ist ab dem 21. September ohnehin dabei. 

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