Fünf Strategien für unruhige Börsenzeiten im Vergleich

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Schuldenorgie, Ölkrise, steigende Volatilität, Rekordstände: Wenn es an den Börsen unruhiger wird, fragen sich viele Anlegerinnen und Anleger, wie sie ohne grössere Schäden durch stürmische Zeiten kommen. Fünf Absicherungsstrategien und deren Vor- und Nachteile.

Publiziert 26. Aug 2026

Autor

Robert Leitner

Funktion Anlageexperte

Vielen Anlegern ist in den vergangenen Wochen bewusst geworden, dass die Börsen keine Einbahnstrasse sind. Erst sorgten Halbleiterwerte für neue Rekordstände bei den globalen Aktienindizes und später für eine erstaunliche Volatilität. Gleichzeitig wurden die Warnungen vor unkontrollierbaren Schuldenständen lauter. 

Investieren wie eine Pensionskasse

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Angehende Pensionierte sind darauf angewiesen, dass ihr Vermögen langfristig ertragreich angelegt ist. Für sie kann die Strategie von erfolgreichen Pensionskassen eine Orientierung sein.

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Gerade in diesen Phasen hilft es, Strategien zu kennen, mit denen man das Vermögen schützen kann. Wem die Bewertungen an der Börse ungemütlich werden und darauf zurückgreifen möchte, sollte jedoch auch deren Nachteile kennen. Diese fünf Massnahmen geben Anleger eine Orientierung. So viel sei jedoch vorweggesagt: Strategietreue kostet nichts und ist langfristig am vielversprechendsten. 

1. Aktien reduzieren 

Eine einfache und vermeintlich offensichtliche Möglichkeit, Risiken zu senken, ist die Verringerung der Aktienquote im Depot. Durch den Verkauf von schwankungsreichen Titeln lässt sich die Abhängigkeit vom Aktienmarkt reduzieren. So bringt man sprichwörtlich einen Teil der Gewinne in trockene Tücher. Allerdings fällt es den meisten Anlegern schwer, an der Seitenlinie zu stehen und zu warten, bis sich die Lage entspannt. Es muss ausserdem nicht nur der richtige Zeitpunkt für die Aktienreduktion gefunden werden, sondern auch der richtige Zeitpunkt für den Wiedereinstieg. Das ist leichter gesagt als getan. Deshalb wird diese Strategie meist nur dann empfohlen, wenn es auch einen Plan gibt, was man mit den freigewordenen Mitteln machen möchte. Sonst ist es nämlich langfristig betrachtet besser, an der Strategie festzuhalten. 

2. Stop-Loss setzen 

Stop-Loss-Orders sind ein bewährtes Instrument, um Verluste zu begrenzen. Anleger legen dabei ein Kursniveau fest, bei dessen Erreichen die Aktie oder der ETF automatisch verkauft wird. So lassen sich emotionale Entscheidungen vermeiden und das Risiko plötzlicher Verluste kontrollieren. Diese Massnahme empfiehlt sich, wenn man auf einen Teil des investierten Vermögens angewiesen ist und es schützen möchte. Die Strategie eignet sich aber auch für technisch versierte Anleger, wenn der Stop-Loss als Unterstützungsmarke gesetzt wird. Ziel ist es dann, während eines allgemeinen Verkaufsdrucks am Markt rechtzeitig auszusteigen. Ein Stop-Loss kann aber auch nach hinten losgehen. Das zeigte beispielsweise die Corona-Krise. Nach dem kurzen, aber heftigen Einbruch wurden reihenweise Verkäufe von Privatanlegern ausgelöst. Die anschliessende rasche Erholung liess diese mit Verlusten an der Seitenlinie zurück. 

3. Defensive Aktien einsetzen 

Defensive Titel wie Versorger, Nahrungsmittel- oder Gesundheitsunternehmen gelten als weniger anfällig für Konjunkturschwankungen. Typische Beispiele für Schweizer Titel sind Nestlé, Roche oder Novartis. Sie bieten stabile Umsätze und Dividenden, selbst wenn die Märkte korrigieren. Wer auf defensive Aktien setzt, kann sein Portfolio robuster gegen plötzliche Rückschläge machen. Verluste lassen sich damit aber nicht gänzlich vermeiden, lediglich die Marktsensitivität wird reduziert. Diese Strategie eignet sich besonders für einkommensorientierte Anleger, denen ein stabiles laufendes Einkommen wichtiger ist als kurzfristige Wertschwankungen. Nachteil: Defensivere Titel haben typischerweise langfristig tiefere Wachstumschancen und steigen damit nicht so stark im Wert an. 

4. Absicherungsgeschäfte, z.B. Puts kaufen 

Der Kauf von Put-Optionen ermöglicht es, sich gegen fallende Kurse abzusichern. Sie wirken wie eine Versicherung: Sinkt der Kurs unter einen bestimmten Wert, steigt der Wert der Option. Zwar kosten solche Absicherungen eine Prämie, doch sie können in turbulenten Marktphasen Sicherheit bieten. Sie sollten jedoch nur situativ in Betracht gezogen werden. Wird das Portfolio regelmässig abgesichert, fressen die Prämienkosten grosse Stücke der Marktrendite auf. Letztlich gilt der Grundsatz: Ohne Risiko keine Rendite. Optionen sind gerade dann besonders teuer, wenn die Volatilität schon gestiegen ist und erste Verluste eingefahren wurden. Zwar scheint in diesem Fall der Kauf von Put-Optionen intuitiv sinnvoll, aus finanztechnischer Sicht aber selten rentabel. 

5. Auf Alternative Anlagen setzen 

Neben Aktien gibt es zahlreiche andere Anlageklassen, die zur Diversifikation beitragen können. Immobilienfonds, Rohstoffe wie Gold oder Infrastrukturinvestments gelten als Alternativen, deren Wertentwicklung weniger vom Aktienmarkt abhängig ist. Wer breit streut, senkt das Risiko und schafft Stabilität im Portfolio. 

Der langfristige Einsatz von Alternativen Anlageklassen ist jedoch ebenso umstritten wie derjenige von Put-Optionen. Viele Alternative Anlagen verfügen langfristig über keine attraktive risikoadjustierte Rendite oder sind mit hohen Kosten verbunden. Auch hier gilt: Situativ und abhängig von der Zielsetzung kann es sinnvoll sein. 

Gerade im Zusammenhang mit der Desinvestition von amerikanischen Staatspapieren aufgrund der steigenden Schuldenlast scheint der Wechsel auf alternative Wertpapiere attraktiv. Bei diversen Anlegern stehen Unternehmensanleihen oder Gold hoch im Kurs. Jedoch werden dabei kausale Zusammenhänge ausser Acht gelassen: Steigen die Zinsen von US-Papieren, steigen auch diejenigen von Unternehmensanleihen und die Opportunitätskosten von Gold. 

Strategietreue kostet nichts 

Ein Allheilmittel gegen Bewertungssorgen existiert am Finanzmarkt nicht. Die Entscheidung zur Absicherungsstrategie sollte vielmehr von den persönlichen und finanziellen Umständen abhängig gemacht werden. Sogenanntes Markt-Timing sollte dabei jedoch kein Grund sein. Wissenschaftliche Studien zeigen nämlich unstrittig, dass dies den wenigsten Anlegern gelingt. 

Was dann noch bleibt, ist das Festhalten an der bewährten langfristigen Anlagestrategie. Wer breit diversifiziert, langfristig orientiert handelt und auch in stürmischen Zeiten die Ruhe bewahrt, konnte historisch gesehen immer sein Vermögen wahren und mehren. Kurzfristige Kursrückgänge gehören zum Investieren dazu wie Turbulenzen zu einem Langstreckenflug. Wer aus dem Flugzeug aussteigt, kommt nämlich gar nicht ans Ziel. So ähnlich ist es beim Anlegen: Für den langfristig orientierten Anleger bedeuten Kursrückgänge oftmals nur die Abgabe zuvor aufgelaufener Kursgewinne, und keine Verluste im eigentlichen Sinne. 

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