Fünf Prozent: Die wichtige Marke für den Nasdaq 100

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VZ Chartanalyse

Trotz der ersten Zinserhöhung seit 2023 legte der Nasdaq 100 rasch wieder zu. Entscheidend war weniger der Fed-Entscheid selbst als die Entwicklung der langfristigen US-Zinsen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zählt derzeit zu den wichtigsten Taktgebern für den Tech-Index.

Publiziert 21. Sep 2026

Autor

Andreas Paciorek

Funktion Anlageexperte

Es ist eine Konstellation, die auf den ersten Blick nicht zusammenpasst: Die US-Notenbank hob am 16. September ihr Zielband für den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an – einstimmig, alle zwölf stimmberechtigten Mitglieder dafür, und es war die erste Erhöhung seit mehr als drei Jahren.

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Die Wall Street schloss am Mittwoch im Minus. Und tags darauf? Der Nasdaq 100 sprang um rund 1,7 Prozent auf gut 29'400 Punkte – just an dem Tag, an dem die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe um mehr als sieben Basispunkte auf 4,93 Prozent nachgab. Die Marktreaktion zeigt, wie stark der Nasdaq 100 derzeit auf Veränderungen der langfristigen Renditen reagiert. 

Eine zentrale Zahl für die Märkte

Die Zehnjährige gilt als globaler Referenzzins für risikofreie Anlagen. An ihr orientieren sich zahlreiche Finanzierungs- und Bewertungsmodelle weltweit, von Hypotheken über Unternehmensanleihen bis zu Aktienbewertungen. Sie dient vielen Investoren auch als zentrale Referenz für die Bewertung anderer Anlageklassen.

Der Weg der letzten Wochen war ungewöhnlich steil: Mitte August lag die Rendite noch bei rund 4,7 Prozent. Am 11. September durchbrach sie nach den August-Inflationsdaten erstmals seit 2024 kurzzeitig die psychologisch wichtige 5-Prozent-Marke, und erreichte am 15. September mit 5,03 Prozent den höchsten Stand seit 2007. 

Charttechnisch ist die Zone um 5,00 bis 5,05 Prozent damit die entscheidende Marke: Sie entspricht dem Hoch aus dem Herbst 2023 und wurde nun mehrfach angelaufen – bislang ohne nachhaltigen Ausbruch. Das kann der Beginn einer Topbildung sein, muss es aber nicht. Aus charttechnischer Sicht würde erst ein Rückfall unter die Zone um 4,70 Prozent (Niveau von Mitte August) das Bild spürbar entspannen. Umgekehrt gilt: Etabliert sich die Rendite über 5,05 Prozent, rückt langfristig das Hoch aus dem Jahr 2007 im Bereich 5,25 bis 5,30 Prozent in den Blick – ein Niveau, auf dem die 30-jährige Rendite bereits notiert. 

Warum das für Aktien zählt, lässt sich ohne Anleihenmathematik erklären: Steigende Renditen machen sichere Zinsanlagen attraktiver und drücken auf die Bewertungen von Aktien. Sinkende Renditen wirken umgekehrt unterstützend. Betroffen sind vor allem Wachstumswerte – und damit insbesondere der Nasdaq 100. Genau deshalb wird derzeit genau beobachtet, ob das Fed bereits im Oktober erneut nachlegt oder bis Dezember wartet. 

Oktober oder Dezember

Das Fed hat klargemacht, dass es den Schritt nicht als einmalige Anpassung versteht. Im Dot-Plot (Punktediagramm der individuellen Zinserwartungen der FOMC-Mitglieder) rechneten 16 von 18 Teilnehmern mit einer weiteren Erhöhung noch in diesem Jahr, vier davon sogar mit zwei. Der Median der individuellen Zinserwartungen der FOMC-Mitglieder liegt für Ende 2026 bei 4,1 Prozent. Im Juni waren es noch 3,8 Prozent. Das spricht dafür, dass die Notenbank weniger rasch zu tieferen Zinsen zurückkehren dürfte als noch vor einigen Monaten erwartet. 

Für die nächste Sitzung am 27./28. Oktober ist der Markt dennoch gespalten: Unmittelbar nach der Medienkonferenz preiste das FedWatch-Tool der CME rund 49 Prozent Wahrscheinlichkeit für einen Oktober-Schritt ein – die Chance auf mindestens eine weitere Erhöhung bis zur Dezembersitzung lag dagegen bei rund 88 Prozent. 

Der Markt diskutiert derzeit weniger über das Ob als über das Wann einer weiteren Zinserhöhung. Gegen Oktober sprechen die zeitliche Nähe zu den Zwischenwahlen vom 3. November und die Möglichkeit, weitere Daten abzuwarten; Marktbeobachter halten Dezember deshalb für den wahrscheinlicheren Termin, weil ein Schritt kurz vor der Wahl als zu politisch wahrgenommen werden könnte. Für einen früheren Schritt sprechen dagegen die hartnäckige Teuerung – 3,4 Prozent im August, die Fed hob ihre Inflationsprognose für 2026 auf 3,7 Prozent an – und die Energiepreise: Der US-Referenzölpreis WTI lag am 16. September bei rund 104 Dollar je Fass und damit deutlich über den Niveaus vom Sommer. Höhere Energiepreise könnten den Rückgang der Inflation bremsen und den Druck auf das Fed erhöhen. 

Warum langfristige Zinsen für das Fed relevant sind

Hohe langfristige Zinsen können die Finanzierungsbedingungen verschärfen und damit einen Teil der Wirkung einer restriktiveren Geldpolitik vorwegnehmen. Deshalb sind die langfristigen Zinsen auch für die Geldpolitik ein wichtiger Faktor. Für Anleger lohnt sich daher der Blick auf die Zehnjährige als zusätzlichen Indikator für das Zinsumfeld.

Die Zehnjährige im Fokus

Warum reagiert ausgerechnet der Technologieindex so empfindlich? Der Wert einer Aktie entspricht vereinfacht den künftigen Gewinnen, abgezinst auf heute (Diskontierung – je höher der Zins, desto weniger ist ein Gewinn wert, der erst in zehn Jahren anfällt). Bei Wachstumsunternehmen liegt ein grosser Teil der erwarteten Gewinne weit in der Zukunft. Genau diese Gewinne reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen der langfristigen Marktzinsen. 

Daraus folgt der Kern dieser Analyse: Ein einzelner Zinsschritt ist für die Börse meist schnell verarbeitet. Die Entwicklung der langfristigen Zinsen beeinflusst die Märkte dagegen täglich. Sie ist zwar nicht der einzige Faktor für den Nasdaq 100, zählt aber zu den wichtigsten Einflussgrössen für Technologie- und Wachstumsaktien.

Was sagt der Nasdaq 100-Chart? 

Der Nasdaq 100 notiert weiterhin in der Nähe seines Rekordhochs von 30'762 Punkten, das am 12. August 2026 erreicht wurde. Nach der kräftigen Erholung seit dem Tief im Frühjahr bewegt sich der Index seit einigen Wochen vor allem seitwärts.

Für die weitere Entwicklung ist vor allem die Zone zwischen 28'200 und 28'600 Punkten wichtig. Dort fand der Markt zuletzt mehrfach Unterstützung. Solange dieser Bereich hält, bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend intakt. 

Auf der Oberseite bleibt das Rekordhoch bei 30'762 Punkten die wichtigste Hürde. Ein Anstieg darüber könnte als Signal für eine Fortsetzung des langfristigen Trends gewertet werden. 

Die jüngste Schwächephase des Nasdaq 100 fiel mit steigenden Ölpreisen und höheren Anleiherenditen zusammen. Als beide wieder zurückkamen, erholte sich auch der Technologieindex. Das unterstreicht, wie stark der Markt derzeit auf Veränderungen im Zinsumfeld reagiert.  


Für den Nasdaq dürfte daher nicht nur der Zeitpunkt des nächsten Fed-Schritts entscheidend sein, sondern auch die Entwicklung der langfristigen US-Renditen. Solange die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen an der 5-Prozent-Marke scheitert, bleibt das Umfeld für Wachstumswerte tendenziell günstiger als bei einem nachhaltigen Ausbruch nach oben.

Einordnung: Für wen ist Charttechnik relevant? 

Charttechnische Analysen wie diese richten sich vor allem an Anlegerinnen und Anleger mit kürzerem Anlagehorizont oder an jene, die ihre Entscheidungen durch zusätzliche Marktsignale ergänzen möchten. Die Interpretation von Kursmustern, Unterstützungszonen oder Indikatoren kann helfen, das kurzfristige Marktverhalten besser einzuordnen – ersetzt jedoch keine fundierte, langfristige Anlagestrategie. Für langfristig orientierte Anleger treten solche Schwankungen in den Hintergrund: Historisch betrachtet haben sich breit diversifizierte Aktienmärkte trotz zwischenzeitlicher Rückschläge über die Zeit nach oben entwickelt. 

Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den aufgezeigten Informationen handelt es sich um Werbung gemäss Art. 68 FIDLEG.