Euro-Sturm: Sieben Schweizer Anlagen mit Wetterschutz

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Der Euro hat gegenüber dem Franken innert weniger Tage rund zwei Rappen verloren, und die Sorgen um Europas Schulden nehmen wieder zu. Die Erinnerung an die Euro-Krise kehrt zurück. Welche Anlagen jetzt Schutz bieten könnten.

Publiziert vor 9 Stunden

Autor

Andreas Paciorek

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Für Schweizer Anleger stellt sich die Frage, welche Anlagen sich bei einem stärkeren Franken und neuen Euro-Sorgen als besonders robust erweisen könnten. Historische Vergleiche liefern zwar keine Garantie für die Zukunft, geben aber Anhaltspunkte. 

Sieben Titel, die dem Euro-Sturm trotzen könnten 

Aus dem historischen Rückblick lässt sich kein einfaches Erfolgsrezept ableiten. Die folgenden sieben Anlagen sind daher nicht als abschliessende Liste zu verstehen, sondern als Beispiele für unterschiedliche Schutzmechanismen – von defensiven Qualitätsaktien über Binnenwerte bis hin zu Gold. 

Roche

Der Krisengewinner von 2011. Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Umsatz zu konstanten Wechselkursen um 6 Prozent, auch in den USA, dem wichtigsten Markt. Den Ausblick hat der Konzern bestätigt, die Dividende soll erneut steigen. Die Nachfrage nach Medikamenten hängt kaum an der Konjunktur. Risiko: Der starke Franken drückt die ausgewiesenen Zahlen, zudem bleibt der politische Druck auf die US-Medikamentenpreise. 

Nestlé

Defensiver Konsum, der sich 2011 deutlich besser hielt als der Markt. Europa steuert nur rund ein Fünftel zum Konzernumsatz bei (2025: 17,6 von 89,5 Milliarden Franken). Unter CEO Philipp Navratil zieht das organische Wachstum wieder an (erstes Halbjahr: 3,6 Prozent). Allerdings ist die Bilanz weniger komfortabel als noch vor einigen Jahren: Die Nettoverschuldung lag Ende Juni bei 56,3 Milliarden Franken. Höhere Zinsen würden die Refinanzierung zwar nur schrittweise verteuern, bleiben aber ein Risikofaktor. 

Galenica

Reine Binnenwirtschaft. Der Apotheken- und Gesundheitslogistiker erzielt seinen Umsatz praktisch vollständig in der Schweiz und in Franken. Im ersten Halbjahr wuchs er um 7,1 Prozent, fast doppelt so stark wie der Schweizer Pharmamarkt, der Ausblick ist bestätigt, die Dividende soll mindestens stabil bleiben. Risiko: regulatorischer Preisdruck im Gesundheitswesen. 

Swiss Prime Site

Schweizer Immobilien, Mieten in Franken – und vergleichsweise wenig direkte Euro-Abhängigkeit. Im ersten Halbjahr stieg der Reingewinn um gut 17 Prozent, der Leerstand liegt bei tiefen 3,7 Prozent. Zehnjährige Eidgenossen rentieren nur rund 0,6 Prozent. Sollte die SNB auf einen stärkeren Franken mit einer lockereren Geldpolitik reagieren, könnte das Immobilienanlagen zusätzlich stützen. Risiko: Ein globaler Zinsanstieg würde auch hierzulande auf die Bewertungen drücken. 

Kantonalbanken (z.B. BCV)

Während die Grossbanken 2011 kräftig verloren, erwiesen sich die Kantonalbanken dank ihres lokalen Geschäfts als krisenresistent. Die BCV steigerte den Reingewinn im ersten Halbjahr um 5 Prozent und schüttete im Mai erneut 4,40 Franken je Aktie aus. Risiko: Müsste die SNB die Zinsen in den negativen Bereich senken, käme das Zinsgeschäft unter Druck. 

Glencore

Der Rohstoffkonzern mit Sitz in Baar (kotiert in London) verdient in Dollar und profitiert von hohen Preisen für Kupfer, Kohle und Öl. Im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz um 49 Prozent. Glencore ist damit weniger ein klassischer Krisenschutz als vielmehr eine Absicherung gegen ein Szenario, in dem geopolitische Spannungen und hohe Rohstoffpreise die Inflation hochhalten, die Anleiherenditen steigen und der Euro zusätzlich unter Druck gerät. Sollten sich dagegen die Rohstoffpreise normalisieren und die Inflation zurückgehen, dürfte auch der Zins- und Schuldendruck in Europa nachlassen – dann wäre ein Teil des Krisenszenarios bereits entschärft. 

Gold

Der klassische Profiteur von 2011, eine Krisenwährung ohne Gegenparteirisiko (also ohne Abhängigkeit von der Zahlungsfähigkeit eines Schuldners), etwa über einen physisch hinterlegten ETF in Franken. Aktuell notiert die Unze bei rund 4160 Dollar und damit rund 25 Prozent unter dem Rekordhoch von knapp 5600 Dollar Anfang 2026. Hohe Zinsen und ein starker Dollar bremsen. Als Versicherung fürs Depot hat Gold dennoch seinen Platz. 

Einordnung

Ob aus dem Euro-Sturm ein Orkan wird, ist offen – und es gibt auch beruhigende Faktoren: Die Weltwirtschaft läuft, KI bleibt eine treibende Kraft, und sollte der Iran-Konflikt eingehegt werden, könnte auch die Inflation schneller sinken und den Notenbanken mehr Handlungsspielraum geben. Die EZB verfügt zudem mit dem TPI (Transmission Protection Instrument, ein Programm für gezielte Anleihekäufe gegen ungerechtfertigte Renditeausweitungen) über ein Notfallwerkzeug. 

Für Anleger gilt: Wer bereits breit diversifiziert investiert ist, braucht sein Depot deshalb nicht umzukrempeln. Wer die Euro-Sorgen gezielt absichern möchte, findet bei defensiven Schweizer Qualitätswerten, Binnenwerten und Gold einige mögliche Schutzschilde. Historisch haben sich breit diversifizierte Aktienmärkte trotz zwischenzeitlicher Krisen über die Zeit nach oben entwickelt. 

Was die Märkte beunruhigt 

Zwischen dem 30. September und dem 2. Oktober fiel der Euro gemäss EZB-Referenzkurs von 94.78 auf 92.79 Rappen. Am 5. Oktober notierte er mit 93.11 Rappen nur leicht höher. 

Noch deutlicher spricht ein anderer Gradmesser. Die Kosten für die Absicherung französischer Staatsanleihen gegen einen Zahlungsausfall (Credit Default Swaps, kurz CDS) sind in den vergangenen Tagen stark gestiegen. Anfang Oktober erreichten die fünfjährigen CDS je nach Datenanbieter rund 80 bis 84 Basispunkte und damit den höchsten Stand seit 2013. Der Brandherd liegt diesmal nicht in Athen, sondern in Paris. 

Frankreichs Staatsverschuldung lag bereits im ersten Quartal bei rund 117,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die EU-Kommission erwartet für 2026 rund 118,1 Prozent und für 2027 mehr als 120 Prozent. Vor den Präsidentschaftswahlen 2027 ist die Politik weitgehend blockiert. 

Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen stieg zeitweise auf knapp 5 Prozent, den höchsten Stand seit 2002. Der Renditeaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen weitete sich zeitweise zuletzt auf knapp 1,6 Prozentpunkte aus und erreichte damit den höchsten Stand seit der Euro-Schuldenkrise. 

Eine zusätzliche Hürde ist die Inflation: Sie lag im Euroraum im September bei 3,8 Prozent, getrieben von den Energiepreisen. Die EZB hat deshalb weniger Spielraum, mit tieferen Zinsen zu stützen, und hob den Einlagesatz im September sogar auf 2,5 Prozent an. Kapital sucht derweil sichere Häfen – auch den Franken. Für Schweizer Exporteure mit Kosten in Franken und Erlösen in Euro ist das eine Belastung. 

Rückblick: So lief die Euro-Krise 2011 

2011 wertete sich der Franken von rund 1.20 Franken pro Euro Ende Juni bis fast auf Parität am 9. August auf, bis die SNB am 6. September einen Mindestkurs von 1.20 Franken festlegte. Der SMI verlor im Gesamtjahr rund 8 Prozent, der DAX rund 16 Prozent, der französische CAC 40 noch mehr – jeweils in Lokalwährung. Für Schweizer Anleger fiel das Minus bei den Euro-Indizes wegen des schwächeren Euro sogar noch etwas grösser aus. Während sich defensive Schwergewichte wie Roche, Novartis und Nestlé vergleichsweise gut hielten, gerieten konjunktursensible Titel wie ABB, Holcim und Logitech deutlich stärker unter Druck. Gold markierte im September 2011 ein damaliges Rekordhoch von gut 1900 Dollar je Unze. 

Seit der Eurokrise hat sich allerdings vieles verändert. Gerade ABB und Logitech haben heute mit den KI-Investitionen einen starken Treiber im Rücken: ABB meldete im zweiten Quartal Rekordaufträge, im Geschäft mit Rechenzentren stiegen die Bestellungen dreistellig. Logitech profitiert von der KI-Fantasie rund um neue Geräte. Holcim wiederum ist seit der Abspaltung des US-Geschäfts (Amrize) stärker auf Europa und Lateinamerika ausgerichtet. 

Ein weiterer Unterschied: 2011 standen Deflationsängste und eine schwache Konjunktur im Vordergrund, heute sorgen hohe Energiepreise, Inflation und steigende Zinsen für Unruhe. Deshalb dürfte sich das Muster von damals nicht eins zu eins wiederholen. 

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