ETF mit wöchentlicher Ausschüttung: Was Anleger davon haben

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Ein neuer ETF zahlt seinen Anlegern jede Woche Geld aus und verspricht eine Ausschüttungsrate von rund 8 Prozent. Das klingt für Pensionierte und Sparer attraktiv. Doch hohe Ausschüttungen bedeuten nicht automatisch eine hohe Rendite.

Autor

Florian Estermann

Funktion Anlageexperte

Seit September gibt es in Europa erstmals einen ETF mit wöchentlichen Ausschüttungen. Das kann vor allem für Anleger attraktiv sein, die ihr Einkommen regelmässig mit Erträgen aus ihrem Vermögen ergänzen möchten. Doch bringt es tatsächlich einen Vorteil, wenn ein ETF jede Woche ausschüttet?

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Komplett neu ist diese Idee nicht: In den USA gibt es solche Anlageprodukte schon länger, nun ist die Welle auch nach Europa übergeschwappt. In der Schweiz hat der ETF noch keine Finma-Zulassung. Ob eine solche geplant ist, bleibt offen.
Um Woche für Woche hohe Beträge ausschütten zu können, müssen solche Produkte entsprechende Erträge erzielen. So strebt der neue ETF eine Ausschüttungsrate von rund 8 Prozent an.

Das ermöglicht, Woche für Woche um die 0,2 Prozent des investierten Kapitals auszuzahlen. Ein Zahlenbeispiel zeigt die Grössenordnung: Hat man 10'000 Franken investiert, erhält man wöchentlich 20 Franken, bei 50'000 Franken sind es entsprechend 100 Franken.

Hinter den regelmässigen Zahlungen steckt eine vergleichsweise komplexe Strategie. Der ETF hält Aktien und verkauft gleichzeitig Kaufoptionen, sogenannte Covered Calls. Dafür erhält er Optionsprämien, die für die Ausschüttungen verwendet werden. Es handelt sich damit nicht um einen klassischen passiven ETF, der einfach einen Index nachbildet, sondern um ein aktiv verwaltetes Anlageprodukt. Die laufenden Kosten sind mit 0.50 Prozent entsprechend hoch.

Ausschüttung ist nicht gleich Rendite

Solch hohe Ausschüttungsraten scheinen interessant, sagen aber noch wenig darüber aus, wie erfolgreich die Anlage tatsächlich ist. Entscheidend ist die Gesamtrendite, also die Ausschüttungen und die Wertentwicklung des ETF zusammen.

Hier zeigt sich, welchen Preis solche Optionsstrategien haben. Steigen die Aktienkurse kräftig, kann der ETF wegen der verkauften Kaufoptionen nur begrenzt von den Kursgewinnen profitieren.

Fallen die Kurse, können die eingenommenen Optionsprämien die Verluste etwas abfedern, aber nicht verhindern. Anleger können also Woche für Woche Geld erhalten, während gleichzeitig der Wert ihrer Anlage sinkt.

Hinzu kommt die höhere Komplexität. Anleger sollten deshalb verstehen, woher die Ausschüttungen stammen und wie sich die Optionsstrategie in unterschiedlichen Marktphasen auswirkt.

Nicht benötigte Ausschüttungen besser wieder anlegen

Für Anleger, die ihr Einkommen mit regelmässigen Zahlungen aus dem Vermögen ergänzen möchten, können Ausschüttungen durchaus sinnvoll sein. Ob das Geld dafür jede Woche statt monatlich oder quartalsweise auf dem Konto eingehen muss, ist allerdings eine andere Frage.

Wer dagegen noch Vermögen aufbaut und die Ausschüttungen nicht wieder anlegt, verschenkt einen wichtigen Vorteil. Bleibt das ausbezahlte Geld auf dem Konto liegen, kann es keine weiteren Erträge erwirtschaften. Der Zinseszinseffekt wird dabei häufig unterschätzt: Über viele Jahre kann es einen grossen Unterschied machen, ob Erträge laufend entnommen oder wieder angelegt werden.

Bei einem thesaurierenden ETF geschieht diese Wiederanlage automatisch. Wer die Ausschüttungen ohnehin wieder investieren würde, kann sich diesen zusätzlichen Schritt somit sparen.

Wöchentliche Ausschüttungen können also ein nachvollziehbares Bedürfnis erfüllen, wenn Anleger regelmässig Geld aus ihrem Vermögen beziehen möchten. Für den langfristigen Vermögensaufbau bieten sie dagegen keinen Vorteil. Entscheidend ist nicht, wie oft Geld auf dem Konto landet, sondern ob der ETF zur eigenen Anlagestrategie passt.

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