Erfolgreich investieren: Warum die Anlagestrategie wichtiger ist als die Wahl einzelner Titel
VZ Analyse
Wer sein Vermögen investieren möchte, fängt üblicherweise auf einem leeren Blatt Papier an und beschäftigt sich dann in einem ersten Schritt mit einzelnen Aktien oder ETF. Doch diese Herangehensweise führt meist nicht zum gewünschten Erfolg.
Publiziert 7. Aug 2026
Autor
Robert Leitner
Funktion Anlageexperte
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Viele Anlegerinnen und Anleger kennen das Problem: Sie haben etwas Geld auf dem Konto liegen und möchten es investieren – doch sie wissen nicht wie. Oft fragen sie sich: Soll es eine Aktie sein? Ein ETF? Oder doch ein aktiver Fonds? Und so kaufen sich die Anleger über Zeit einzelne Positionen ins Depot. Sie kaufen und verkaufen, je nachdem, was sie gerade als attraktiv betrachten.
Das klingt nachvollziehbar, führt aber häufig nicht zum gewünschten Erfolg. Denn so wachsen typischerweise über Zeit die Anzahl der Positionen, die das Depot enthält. Doch je mehr Positionen, desto weniger relevant werden einzelne Titel für das Gesamtergebnis. Entscheidend ist vielmehr, wie das Vermögen insgesamt auf verschiedene Anlageklassen verteilt ist.
Dazu gehören beispielsweise die Aktienquote oder die Aufteilung auf Regionen, Sektoren und Währungen. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, den Überblick zu behalten. Wissenschaftliche Studien sind sich nämlich einig: Menschen können lediglich rund 3 bis 5 Positionen gleichzeitig im Überblick behalten.
"Absolute Return"
Die beschriebene Herangehensweise wird als «absolute return»-Strategie bezeichnet. Ziel des Anlagestils ist die Optimierung jeder einzelnen Position, losgelöst von Marktfaktoren. Dafür muss aber der richtige Zeitpunkt für die Käufe und Verkäufe jeder Position gefunden werden. Vor Kursanstiegen muss investiert und vor Kursrückgängen ausgestiegen werden. Dafür sind gleich zwei taktische Entscheide pro Position notwendig – die der Kaufentscheidung für jeden Titel und die der Verkaufsentscheidung. So müssen über Zeit Unmengen an Entscheidungen getroffen werden. Das verringert die Erfolgswahrscheinlichkeit für das Gesamtdepot jedoch stark.
Die Erfahrung zeigt deshalb, dass diese Herangehensweise im Depot nur selten zum gewünschten Erfolg führt. Hinzukommt: Wer häufig umschichtet, verursacht zusätzliche Kosten, die die Rendite schmälern. Deshalb hat sich in der Vermögensanlage ein anderer Ansatz durchgesetzt: Es wird zuerst eine langfristige Anlagestrategie definiert und konsequent umgesetzt, bevor es um die Titelselektion geht.
Die Anlagestrategie als Fundament
Als erster Schritt sollte im Zentrum die Frage stehen, wie das Vermögen grundsätzlich auf verschiedene Anlageklassen verteilt werden soll. Diese langfristige Aufteilung wird als Anlagestrategie bezeichnet.
Sie legt unter anderem fest:
- Wie hoch der Aktienanteil sein soll
- Welcher Anteil in Obligationen investiert wird
- Ob Gold, Immobilien oder weitere Anlageklassen Einzug ins Depot finden sollen
- Wie viel Liquidität gehalten wird
- Wie das Vermögen auf Regionen und Währungen verteilt wird
Die Anlagestrategie orientiert sich an den persönlichen Zielen, dem Anlagehorizont und der Risikofähigkeit eines Anlegers. Sie ist auf viele Jahre ausgerichtet und bildet das Fundament jeder Vermögensanlage.
Spielraum für Anpassungen
Auf Basis der langfristigen Strategie können Anleger gezielt kleinere Anpassungen vornehmen. Sie können beispielsweise den Aktienanteil vorübergehend leicht erhöhen oder reduzieren, wenn sie Chancen oder Risiken an den Märkten erkennen. Wichtig dabei ist jedoch, die Aktienquote, das Währungsexposure oder die Sektorgewichtung immer genau im Blick zu haben.
Die Titelauswahl kommt zum Schluss
Erst nachdem die Strategie festgelegt ist, werden die konkreten Anlagen ausgewählt. Dabei geht es beispielsweise darum, welche Aktien gekauft werden oder welcher ETF für eine bestimmte Anlageklasse am geeignetsten ist.
Viele Anleger überschätzen die Bedeutung dieser Entscheidungen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der Anlageerfolg deutlich stärker von der Vermögensaufteilung abhängt als von der Auswahl einzelner Titel – besonders dann, wenn das Depot sehr viele Einzeltitel enthält. Als Beispiel: Bereits bei zehn Einzelaktien im Depot ist die Rendite zu rund zwei Dritteln auf Marktfaktoren (z.B. Sektorzugehörigkeit, Marktsensitivität, etc.) zurückzuführen und lediglich nur noch rund ein Drittel auf die ausgewählten Unternehmen selbst.
Die wichtigste Entscheidung
Ob ein Portfolio langfristig erfolgreich ist, entscheidet sich daher nicht in erster Linie bei der Auswahl einzelner Aktien oder ETFs. Viel wichtiger ist die Frage, wie das Vermögen insgesamt strukturiert ist.
Wer zuerst eine passende Anlagestrategie definiert und diese konsequent umsetzt, schafft die Grundlage für einen langfristigen Anlageerfolg. Die Wahl einzelner Anlagen bleibt wichtig, steht jedoch erst an zweiter Stelle.
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