EMS-Chemie: Woher kommt das nächste Wachstum?

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EMS-Chemie verzeichnet seit Jahren einen rückläufigen Umsatz, steigert aber gleichzeitig den Gewinn. Nun zeichnet sich beim Umsatz eine Trendwende ab. Neue Anwendungen und Zukunftstechnologien könnten dem Bündner Unternehmen zusätzlichen Schub verleihen.

Publiziert vor 3 Stunden

Autor

Christian Huber

Funktion Anlageexperte

Seit drei Jahren sinkt der Umsatz von EMS-Chemie. Die schwache Automobilindustrie und der starke Franken belasten den Bündner Hersteller von Hochleistungskunststoffen. Hinzu kommen hohe Kosten aufgrund geopolitischer Spannungen. Dennoch gelang es dem Unternehmen, die Gewinne in den vergangenen beiden Jahren dank Preiserhöhungen und einer stärkeren Ausrichtung auf margenreiche Produkte zu steigern.

Die jüngsten Zahlen für die ersten neun Monate des laufenden Jahres wecken nun Hoffnung auf eine Trendwende beim Umsatz. Die Einnahmen stiegen um 1,2 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Franken. Zwar verlor das Wachstum im dritten Quartal etwas an Tempo, doch EMS-Chemie bleibt zuversichtlich und hat die Prognose für das Gesamtjahr 2026 leicht angehoben.

Gelingt es dem Unternehmen, den Umsatz wieder nachhaltig zu steigern und gleichzeitig die hohen Margen zu halten, stehen die Chancen für weiteres Gewinnwachstum gut. Ein Blick auf das Geschäftsmodell und mögliche Zukunftsfelder zeigt, wo trotz vieler Herausforderungen auch grosse Chancen liegen.

Kunststoff in allen Formen und Farben

EMS-Chemie unterteilt ihr Geschäft in die beiden Bereiche Hochleistungspolymere und Spezialchemikalien. Mit einem Umsatzanteil von rund 90 Prozent ist der Bereich der Hochleistungspolymere deutlich wichtiger. Er umfasst die beiden Geschäftsfelder EMS-Grivory und EMS-Eftec.

Mit EMS-Grivory entwickelt das Unternehmen spezielle Kunststoffe, insbesondere Polyamide. Diese zeichnen sich durch ihr geringes Gewicht, ihre hohe Festigkeit und ihre einfache Verarbeitbarkeit aus. Zudem sind sie hitzebeständig und widerstehen zahlreichen Chemikalien. Dank dieser Eigenschaften können sie in vielen Anwendungen Bauteile aus Metall ersetzen.

EMS-Chemie verkauft die Kunststoffe als Granulat an ihre Kunden, die daraus die gewünschten Bauteile herstellen. Die eigentliche Stärke des Unternehmens liegt jedoch in der Entwicklung neuer Materialien. EMS-Chemie passt ihre Kunststoffe gezielt an die Bedürfnisse der Kunden an und löst damit konkrete technische Probleme. Diese Spezialisierung ermöglicht es dem Unternehmen, hohe Margen zu erzielen.

Das zweite Geschäftsfeld EMS-Eftec beliefert vor allem die Automobilindustrie mit Klebstoffen, Dichtungsmaterialien und Beschichtungen. Im deutlich kleineren Bereich Spezialchemikalien stellt EMS-Griltech unter anderem Fasern, Schmelzklebstoffe und Klebgarne für technische und textile Anwendungen her. Hinzu kommen Zusatzstoffe für Beschichtungen und Hochleistungsreifen. Auch hier setzt EMS-Chemie nicht nur auf die Produktion, sondern vor allem auf die Entwicklung spezialisierter Lösungen.

Neue Anwendungen schaffen Chancen

Die starke Ausrichtung auf spezialisierte Produkte hat sich bewährt. Trotz rückläufiger Umsätze konnte EMS-Chemie ihre Gewinne zuletzt steigern. Dennoch bleiben die geschäftlichen Rahmenbedingungen mit der verhaltenen Autonachfrage, den ungünstigen Wechselkursen und den hohen Kosten anspruchsvoll.

Immerhin gibt es erste Anzeichen, dass die Industrie ihre Talsohle durchschritten hat. Eine konjunkturelle Erholung allein dürfte jedoch kaum ausreichen, um langfristig wieder stärker zu wachsen. Deshalb will EMS-Chemie zusätzliche Anwendungen erschliessen und neue Kunden gewinnen.

Ein wichtiger Wachstumsmarkt bleibt die Automobilindustrie selbst. EMS-Chemie arbeitet verstärkt mit Herstellern von Elektroautos zusammen, darunter auch aufstrebende Unternehmen aus China. Gerade bei Elektrofahrzeugen spielt das Gewicht eine wichtige Rolle. Die leichten und gleichzeitig widerstandsfähigen Polyamide eignen sich deshalb besonders gut, um Metallteile zu ersetzen. Damit lassen sich nicht nur Gewicht, sondern je nach Anwendung auch Produktionskosten sparen. Auch bei Klebstoffen und Beschichtungen entwickelt EMS-Chemie Lösungen, die den Herstellern Kostenvorteile bieten können.

Neue Chancen eröffnen sich aber auch ausserhalb der Automobilindustrie. EMS-Chemie hat angekündigt, unter anderem in Rechenzentren und der Robotik zusätzliche Anwendungen erschliessen zu wollen. Gerade bei Robotern sind leichte, stabile und präzise gefertigte Bauteile gefragt. Auch die Medizinaltechnik und andere Industriezweige bieten Potenzial für spezialisierte Kunststoffe. Damit könnte EMS-Chemie ihre Abhängigkeit von der Automobilindustrie schrittweise reduzieren.

Innovation als Erfolgsformel

Die grösste Stärke von EMS-Chemie liegt in ihrer Innovationskraft und der Spezialisierung auf hochwertige Kunststoffe. Statt mit standardisierten Massenprodukten über den Preis zu konkurrieren, entwickelt das Unternehmen gemeinsam mit seinen Kunden Lösungen für konkrete Anwendungen. Dabei konzentriert es sich auf Bereiche, in denen die Materialien einen klaren Mehrwert bieten.

Die Argumente dafür sind überzeugend. Kunststoffteile können leichter und günstiger sein als vergleichbare Metallbauteile. Die Verarbeitung benötigt je nach Herstellungsverfahren zudem weniger Energie. Für Unternehmen, die ihre Produktionskosten senken und ihre Produkte effizienter gestalten wollen, sind dies wichtige Vorteile.

Gelingt es EMS-Chemie, in zusätzlichen Branchen Fuss zu fassen und die Abhängigkeit von der Automobilindustrie zu verringern, könnte der Umsatz wieder nachhaltig wachsen. Hält das Unternehmen gleichzeitig seine hohen Margen oder baut diese weiter aus, wird auch der Gewinn weiter steigen. Das würde der Aktie zusätzlichen Auftrieb geben.

Ganz von äusseren Einflüssen wie der Konjunktur, den Wechselkursen und den Produktionskosten kann sich EMS-Chemie allerdings nicht lösen. Mit seiner Innovationsstrategie und der Erschliessung neuer Anwendungsfelder hat das Unternehmen jedoch die Grundlage geschaffen, um von einer wirtschaftlichen Erholung besonders stark zu profitieren.

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