Drei Schweizer Aktien für den KI-Stromboom
VZ Analyse
Der KI-Boom braucht längst nicht mehr nur Chips, sondern vor allem Strom. Davon profitieren auch Schweizer Spezialisten, die an unterschiedlichen Stellen der Stromversorgung von Rechenzentren ansetzen.
Publiziert 17. Sep 2026
Autor
Christian Huber
Funktion Anlageexperte
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Der KI-Boom prägt die Aktienmärkte seit mehreren Jahren. Zunächst profitierten vor allem die grossen Technologiekonzerne, danach rückten die Halbleiterhersteller in den Fokus. Denn mehr Rechenleistung braucht mehr Chips – und diese sind teilweise bis heute knapp. Inzwischen weitet sich der Boom auf die Infrastruktur rund um die Rechenzentren aus.
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Besonders wichtig wird die Energieversorgung. KI-Rechenzentren benötigen enorme Mengen an Energie, die zuverlässig bereitgestellt, verteilt und überwacht werden muss. Davon profitieren nicht nur bekannte Elektrifizierungskonzerne.
Auch Schweizer Spezialisten wie R&S Group, Accelleron und LEM sind an entscheidenden Stellen der Stromversorgung tätig.
R&S Group: Elektrizität ins Rechenzentrum bringen
R&S produziert Transformatoren und weitere Komponenten für die Stromverteilung. Das Unternehmen sitzt damit zwischen Stromnetz und Verbraucher. Seine Produkte sorgen dafür, dass elektrische Energie auf die benötigte Spannung gebracht und anschliessend verteilt werden kann.
Eine attraktive Nische sind Trockentransformatoren. Sie eignen sich wegen ihrer hohen Sicherheit und des geringen Wartungsbedarfs besonders für Rechenzentren. R&S baut die Kapazitäten in diesem Bereich derzeit kräftig aus. Das ist auch nötig, weil einzelne Produktionsstandorte bereits stark ausgelastet sind.
Die hohe Nachfrage zeigt sich im Auftragsbestand. Zur Jahresmitte erreichte dieser einen Rekordwert. R&S bewegt sich damit grundsätzlich in einem strukturell attraktiven Markt. An der Börse sorgte das zuletzt aber nicht für Rückenwind.
Denn abgesehen vom Auftragsbestand enttäuschten die jüngsten Zahlen. Ein Teil des hohen Bestands ist darauf zurückzuführen, dass R&S Bestellungen nicht schnell genug in Umsatz umwandeln konnte. Gleichzeitig verschiebt sich das Geschäft stärker in Richtung Leistungstransformatoren, deren Produktion deutlich mehr Zeit benötigt.
Auch an der Unternehmensspitze fehlt derzeit Kontinuität. Eduardo Terzi wurde erst im vergangenen Jahr als CEO vorgestellt und verliess R&S Anfang September bereits wieder. Das Unternehmen muss deshalb operative Probleme lösen und gleichzeitig für Stabilität in der Führung sorgen. Gelingt dies, bleibt das langfristige Potenzial aufgrund der hohen Nachfrage nach Strominfrastruktur attraktiv.
Accelleron: Stromversorgung absichern
Deutlich ruhiger und erfolgreicher verliefen die vergangenen Monate bei Accelleron. Das Unternehmen wurde 2022 von ABB abgespalten und als eigenständige Gesellschaft an die Börse gebracht. Seine Turbolader steigern die Leistung und Effizienz grosser Verbrennungsmotoren. Sie kommen vor allem in der Schifffahrt, aber auch bei der Energieerzeugung zum Einsatz.
Genau dort entsteht durch den Ausbau der Rechenzentren ein neuer Wachstumstreiber. Grosse Motoren können zusätzlichen Strom erzeugen oder die Versorgung absichern. Reicht die Netzkapazität für ein neues Rechenzentrum zunächst nicht aus, können beispielsweise Gasmotoren einen Teil der benötigten Energie bereitstellen. Gleichzeitig dienen solche Anlagen als Absicherung bei einem Stromausfall.
Accelleron spürt diese zusätzliche Nachfrage bereits deutlich. Anwendungen rund um Rechenzentren tragen inzwischen rund zehn Prozent zum Konzernumsatz bei. Davon profitiert nicht nur das Geschäft mit neuen Turboladern. Die installierten Systeme müssen über Jahre gewartet werden und schaffen damit zusätzliches Potenzial für das lukrative Servicegeschäft.
Die gute Entwicklung stärkt auch die Zuversicht des Managements. Im Rahmen der Halbjahreszahlen erhöhte Accelleron die Ziele für das Gesamtjahr 2026.
LEM Holding: Stromflüsse überwachen
Bei Rechenzentren reicht es nicht, genügend Strom bereitzustellen. Die Energie muss auch präzise gesteuert und überwacht werden. Genau hier setzt LEM Holding an. Das Unternehmen entwickelt Sensoren zur Messung von Stromstärke und Spannung.
Diese Sensoren übernehmen innerhalb eines Rechenzentrums zahlreiche Aufgaben. Sie kontrollieren beispielsweise die Umwandlung von Wechsel- in Gleichstrom, messen die Spannung und helfen dabei, empfindliche Komponenten vor Überlastung zu schützen. Auch bei der Stromversorgung der Server-Racks und der Kühlung kommen sie zum Einsatz.
Je leistungsfähiger und komplexer Rechenzentren werden, desto wichtiger wird diese Überwachung. Mit steigender Leistungsdichte wächst nicht nur der Stromverbrauch, sondern auch die Zahl der Stellen, an denen Stromflüsse präzise gemessen und gesteuert werden müssen. Das spielt LEM in die Karten.
Die höhere Nachfrage zeigt sich bereits in den Zahlen. Im vergangenen Quartal verbesserte das Unternehmen dank höherer Effizienz seine Marge, während der Auftragseingang 17 Prozent über dem Vorjahr lag. Der neue Wachstumstreiber kommt für LEM zur richtigen Zeit. Das Geschäft mit Rechenzentren kann dazu beitragen, die anhaltende Schwäche in der Automobilindustrie abzufedern.
Fazit
Der steigende Strombedarf durch KI-Rechenzentren schafft damit neue Wachstumsfelder weit über die klassischen Chipanbieter hinaus. R&S bringt den Strom auf die richtige Spannung, Accelleron sichert die Versorgung ab und LEM überwacht die Energieflüsse. Alle drei profitieren vom gleichen Trend – aber an unterschiedlichen Stellen der Infrastruktur.
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