Digitales Zentralbanken-Geld: Wo steht die Schweiz?

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Digitales Zentralbankgeld kommt weltweit voran: Der digitale Euro steht vor der politischen Einigung, China testet den E-Yuan im grossen Stil, die USA bremsen. Die SNB geht wiederum einen anderen Weg. Was das für Ihr Geld bedeutet.

Publiziert 31. Aug 2026

Autor

Luca Liebi

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Während die meisten Menschen heute mit Karte, Handy oder Twint bezahlen, arbeiten Zentralbanken weltweit bereits am nächsten Schritt des Geldes - einer digitalen Version. Auch in Europa wird es konkret: Die Europäische Zentralbank treibt die Vorbereitungen für einen digitalen Euro voran und plant ab 2027 einen gross angelegten Praxistest. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) mischt hier vorne mit, wenn auch auf eine andere Art.

Die Idee dahinter: Geld soll künftig nicht nur digital, sondern auch direkt von der Zentralbank verfügbar sein. Fachleute sprechen von "Central Bank Digital Currency" (CBDC), auf Deutsch: digitales Zentralbankgeld. Vereinfacht gesagt ist es eine elektronische Form von Bargeld. Der entscheidende Unterschied zum Guthaben auf dem Bankkonto: Während Kontogeld eine Forderung gegenüber einer Geschäftsbank ist, wäre ein CBDC eine direkte Forderung gegenüber der Notenbank und damit so sicher wie Bargeld.

CBDC werden von Zentralbanken herausgegeben, sind wertstabil und werden zentral verwaltet. Fachleute unterscheiden dabei zwei Formen:

  • Retail-CBDC: für Privatpersonen und Unternehmen, für Zahlungen im Alltag.
  • Wholesale-CBDC: ausschliesslich für Banken, für die Abwicklung grosser Finanzgeschäfte im Hintergrund.

Weltweit: viel Bewegung, wenig Alltag

Gemäss dem CBDC-Tracker des Atlantic Council (Stand Mai 2026) beschäftigen sich 146 Länder und Währungsräume mit digitalem Zentralbankgeld, 77 davon in einem fortgeschrittenen Stadium und 41 mit einem laufenden Pilotprojekt.

Tatsächlich eingeführt haben es aber erst drei Länder: die Bahamas, Jamaika und Nigeria. Bis heute wird es dort aber wenig genutzt.

Der grösste Test läuft in China: Bis Ende 2025 wurden mit dem digitalen Yuan (e-CNY) kumuliert rund 16,7 Billionen Yuan (etwa 2300 Milliarden US-Dollar) bewegt. 

Ganz anders die USA: Präsident Trump untersagte den Bundesbehörden im Januar 2025 die Arbeit an einem digitalen Dollar, das Repräsentantenhaus beschloss im Juli 2025 ein Verbot. Im Senat ist das Gesetz bislang allerdings nicht endgültig verabschiedet. Washington setzt stattdessen auf privat herausgegebene Dollar-Stablecoins.

Digitaler Euro: Der Countdown läuft

Für die Schweiz am relevantesten ist das Projekt vor der Haustür. Der digitale Euro hat 2026 einen grossen Schritt gemacht: Am 9. Juli legte das EU-Parlament seine Verhandlungsposition fest, am 13. Juli startete die entscheidende Verhandlungsrunde zwischen Parlament, Rat und Kommission. Ziel ist eine politische Einigung bis Ende 2026.

Danach ist der Fahrplan der Europäischen Zentralbank klar: Ein Pilotbetrieb mit 36 ausgewählten Zahlungsdienstleistern ab Herbst 2027, eine mögliche erste Ausgabe im Jahr 2029. 

Umstritten sind vor allem drei Punkte: Die Obergrenze, wie viele digitale Euro eine Person halten darf, die Entschädigung der Banken für den Vertrieb und der Datenschutz. Die EZB betont, dass Bargeld nicht ersetzt, sondern ergänzt wird und dass Offline-Zahlungen ähnlich anonym funktionieren sollen wie Bargeld. 

Das Hauptmotiv der EU ist strategischer Natur. Weniger Abhängigkeit von amerikanischen Kartenanbietern, Zahl-Apps und Dollar-Stablecoins.

Schweiz: Nein zum digitalen Franken für Private

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihre Haltung im Juni 2026 erneut bestätigt. Ein digitaler Franken für Privatkunden ist kein Thema. 

Die Begründung ist nachvollziehbar: Der Nutzen wäre klein, die Risiken wären gross. Könnten Haushalte ihr Geld direkt bei der Nationalbank halten, würden den Banken Einlagen abfliessen - Kredite würden teurer, die Geldpolitik schwieriger. Zudem verfügt die Schweiz mit Debitkarte, Twint und dem Zahlungssystem der Banken bereits über eine funktionierende Infrastruktur.

Im Hintergrund ist die SNB dagegen sehr aktiv. Im Projekt "Helvetia" gibt sie seit Dezember 2023 einen echten digitalen Franken für Finanzinstitute aus.

Und der Privatsektor bewegt sich ebenfalls: Seit April 2026 testen Schweizer Banken in einer Sandbox, einer geschützten Testumgebung für Banken und Finanzinstitute, einen Franken-Stablecoin. Der Bundesrat schafft mit der Revision des Finanzinstitutsgesetzes die Rechtsgrundlage. Das Inkrafttreten wird auf Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet.

Was das für Sie bedeutet

  • Kurzfristig ändert sich nichts. Einen digitalen Franken für Privatpersonen wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Bargeld bleibt - und die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung will es behalten.
  • Der digitale Euro betrifft Sie nur indirekt. Frühestens 2029, mit einer Obergrenze pro Person und ohne Zinsen. Er ist ein Zahlungsmittel, keine Anlage.
  • Betroffen sind vor allem Banken (Einlagen und Erträge im Zahlungsverkehr) sowie Kartenanbieter. 
  • Verwechseln Sie Stablecoins nicht mit Zentralbankgeld. Stablecoins werden privat herausgegeben. Ihre Sicherheit hängt vom Emittenten und seinen Reserven ab. Die Einlagensicherung greift bei Stablecoins nicht.

Das Tempo ist deutlich unspektakulärer, als es manche Schlagzeilen vermuten lassen. Beim digitalen Geld für Privatkunden bleibt vieles Absichtserklärung.
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