Die Rekordjagd an den Börsen geht weiter

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Neue Bestmarken an den Aktienmärkten sorgen regelmässig für Aufmerksamkeit. Die jüngsten Rekorde sind jedoch kein aussergewöhnliches Phänomen. Dahinter stehen vor allem zwei Faktoren.

Publiziert vor 7 Stunden

Autor

Robert Leitner

Funktion Anlageexperte

In vielen Regionen erreichten die Aktienmärkte im vergangenen Quartal zwischenzeitliche Rekordstände, insbesondere in den USA, in Europa und in der Schweiz. Dafür verantwortlich sind weniger übertriebene Erwartungen der Anlegerinnen und Anleger als vielmehr steigende Unternehmensgewinne. Solange die Wirtschaft wächst und die Gewinne zunehmen, sind die hohen Bewertungen der Aktien fundamental gut abgestützt. 

Der Swiss Performance Index (SPI) umfasst nahezu alle kotier­ten Schweizer Aktien und gilt deshalb als Gesamt­markt-Index. Mitte August erreichte der SPI einen neuen Rekord von 20’636 Punkten. Nachdem er seither einen Teil seiner Kursgewinne wieder abgegeben hatte, schloss er Ende September 5 Prozent unter diesem Höchststand. 

Damit notiert der SPI wieder ungefähr auf dem Stand von Ende Juni. Seit Jahresbeginn verzeichnet der Index jedoch ein Plus von 7,6 Prozent. 

Mit dieser Entwicklung ist die Schweizer Börse in guter Gesellschaft. Auch andere wichtige Aktienmärkte wie der S&P 500 oder der Eurozonen-Index Euro Stoxx 50 erreichten Mitte des Jahres neue Höchststände. Rekorde verzeichneten aber nicht nur wachstums­orientierte Märkte wie der MSCI Emerging Markets Index, der Unternehmen aus Schwellenländern zusammen­fasst und wie der S&P 500 inzwischen viele grosse Technologie-Unternehmen enthält. 

Bemerkenswert ist, dass auch vergleichsweise defensive Märkte wie die Schweiz zu den Gewinnern gehören. Unter anderem legten Titel aus den Sektoren Gesundheit und Basiskonsumgüter regionen­übergreifend 11 bzw. 8 Prozent an Wert zu und trugen damit wesentlich zur positiven Entwicklung bei. Die Kursgewinne beschränkten sich damit nicht auf wenige Marktsegmente. 

Langfristig sind Allzeithochs der Normalfall

Neue Rekorde an den Börsen werden häufig als ausser­gewöhn­liche Ereignisse wahrgenommen. Langfristig betrachtet gehören sie jedoch zur normalen Entwicklung einer wachsenden Marktwirtschaft. Unternehmen entwickeln Produkte und Dienstleistungen, erschliessen neue Märkte und erhöhen ihre Produktivität. Dadurch wachsen Umsätze und Gewinne über die Zeit. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass Aktienkurse langfristig steigen und Indizes regelmässig neue Höchststände erreichen. 

Der SPI verzeichnete allein im laufenden Jahr bereits 33 neue Rekorde. Das entspricht ungefähr jedem fünften Handelstag. Seit seiner Lancierung 1987 markierte der Index durchschnittlich etwa an jedem fünfzehnten Handelstag einen neuen Höchststand. Auch kurzfristige Rückschläge und Korrekturen gehören zum Börsenalltag. Sie ändern jedoch wenig daran, dass die langfristige Ent­wicklung von Volkswirtschaften und Unternehmen nach oben zeigt.

Gewinnwachstum in allen Branchen Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung sind die steigenden Unternehmensgewinne und die verbesserten Gewinnaussichten. Während in den vergangenen Jahren vor allem grosse Technologie-Unternehmen für das Gewinnwachstum verantwortlich waren, zeigt sich inzwischen ein breiter abgestütztes Bild. Auch Unternehmen aus den Bereichen Energie, Grundstoffe, Industrie, Finanzdienst­leistungen und Gesundheit konnten ihre Gewinne steigern. 

Viele Unternehmen profitieren sowohl von höheren Umsätzen als auch von verbesserten Gewinnmargen. Dabei scheint sich der technologische Fortschritt zunehmend auch ausserhalb der Technologie-Branche bemerkbar zu machen. Insbesondere KI-Anwendungen helfen vielen Unternehmen dabei, Prozesse zu automatisieren und ihre Produktivität zu erhöhen. 

Die positive Gewinnentwicklung beschränkt sich jedoch nicht auf einzelne Regionen. Sowohl in den USA als auch in Europa, in Asien und in vielen Schwellenländern haben sich die erwarteten Unternehmensgewinne in den vergangenen Quartalen laufend erhöht.

Aussichten für Aktien bleiben günstig

Nach dem kräftigen Anstieg der Börsenkurse in den letzten Jahren fragen sich viele Anleger, ob das Aufwärtspotenzial damit ausgeschöpft ist. Die aktuellen Gewinnschätzungen sprechen nicht für ein abruptes Ende des Aufwärtstrends. In der Schweiz wird sowohl für 2026 als auch für 2027 ein zweistelliges Gewinnwachstum prognostiziert. 

Auch in Europa dürften die Unternehmensgewinne im laufenden Jahr überdurchschnittlich zulegen, bevor sich das Wachstum normalisiert. Besonders optimistisch sind die Prognosen für die USA und die Schwellenländer. Dort rechnen Analystinnen und Analys­ten mit dem stärksten Gewinnwachstum. In Schwellenländern profitieren vor allem Hersteller von Halbleitern vom KI-Boom. Sie haben im MSCI-Emerging-Markets-Index ein hohes Gewicht. 

Unterstützt wird die Gewinn­entwicklung vieler Unternehmen durch das robuste Wirtschaftswachstum. Dank der wachsenden Nachfrage können viele Unternehmen höhere Kosten für Personal und Güter weiterhin zumindest teilweise an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergeben. Gleichzeitig hilft die steigende Produktivität, Mehrkosten abzufedern. 

Anders als in früheren Inflationsphasen müssen höhere Löhne deshalb nicht zwangsläufig zu sinkenden Gewinnmargen führen. Solange die Weltwirtschaft wächst und die Unternehmensgewinne zulegen, bleiben die fundamentalen Voraussetzungen für Aktien grundsätzlich günstig. Neue Höchststände sollten deshalb weniger als Warnsignal verstanden werden, sondern vielmehr als Ausdruck einer langfristig wachsenden Wirtschaft und steigender Unternehmensgewinne.

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