Die Gründe hinter der neuerlichen Franken-Stärke
VZ Analyse
Der Franken hat im Oktober gegenüber den wichtigsten Währungen zugelegt. Während beim Dollar die Zinserwartungen eine Rolle spielen, belasten den Euro vor allem die politischen und fiskalischen Probleme Frankreichs.
Publiziert vor 10 Stunden
Autor
Ramon Hess
Funktion Anlageexperte
Beitrag empfehlen
Nach einem eher schwachen September wird der Franken im Oktober wieder vermehrt als sicherer Hafen gesucht. In Zeiten geopolitischer Unsicherheit profitiert er als Fluchtwährung. Der tiefe Schuldenstand der Schweiz und die hohe institutionelle Stabilität stützen das Vertrauen in die Landeswährung.
Zinseszins: Die unterschätzte Kraft beim Sparen und Anlegen
Merkblatt
So hat der Franken seit Monatsbeginn gegenüber dem Dollar, dem Euro und dem Yen deutlich aufgewertet. Am stärksten verliert der Euro. Seit Anfang Oktober hat er gegenüber dem Franken 2,6 Prozent eingebüsst und notiert aktuell bei rund 93 Rappen. Der Dollar gibt 1,9 Prozent nach, der Yen 1,7 Prozent. Ein Dollar kostet damit rund 82 Rappen, hundert Yen rund 52 Rappen.
Die seit Juni anhaltende Schwäche des Frankens scheint damit vorerst gestoppt.
Dollar verliert an Schwung
Beim Dollar haben sich die geldpolitischen Erwartungen zuletzt kaum verändert. Die Märkte rechnen damit, dass die US-Notenbank Fed ihren Leitzins im Oktober unverändert lässt und ihn im Dezember nochmals anhebt. In der Schweiz wird dagegen erst im kommenden Jahr mit einer Zinserhöhung gerechnet. Der Zinsvorteil amerikanischer Anlagen dürfte damit vorerst bestehen bleiben.
Gleichzeitig hinterfragen Investoren zunehmend, ob die hohen Bewertungen von Unternehmen aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz gerechtfertigt sind. Diese Zweifel belasten die Nachfrage nach US-Anlagen und damit auch den Dollar. Zum jüngsten Rückgang der US-Währung dürften zudem die wieder gesunkenen Renditen amerikanischer Staatsanleihen beigetragen haben.
Euro leidet unter Frankreichs Problemen
Noch stärker unter Druck steht der Euro. In Frankreich erschweren politische Spannungen und die hohe Staatsverschuldung die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen. Die laufenden Proteste für bessere Bildung und gegen hohe Lebenshaltungskosten zeigen, wie schwierig sich Kürzungen bei den Staatsausgaben politisch durchsetzen lassen.
Diese Unsicherheit über den künftigen Haushalt belastet das Vertrauen der Anleger. Steigende Risikoprämien auf französische Staatsanleihen verdeutlichen, dass Investoren für die damit verbundenen Risiken eine höhere Entschädigung verlangen. Das dämpft die Nachfrage nach der Gemeinschaftswährung.
Yen bleibt strukturell anfällig
Auch der Yen verliert gegenüber dem Franken an Wert. Ein Grund ist der geringe Zinsvorteil japanischer Anlagen. Zwar hat die Bank of Japan ihren Leitzins angehoben, doch die Märkte erwarten weitere Zinsschritte erst mit zeitlichem Abstand.
Zudem bleiben die expansive Finanzpolitik und die Unsicherheit über das weitere Wirtschaftswachstum in Japan wichtige Einflussfaktoren.
Unterschiedliche Jahresbilanz
Seit Jahresbeginn fällt die Bilanz unterschiedlich aus: Der Dollar liegt gegenüber dem Franken noch 4,0 Prozent im Plus, der Yen 3,0 Prozent. Der Euro notiert dagegen 0,5 Prozent tiefer.
Im Vorjahr hatten alle drei Währungen gegenüber dem Franken verloren, besonders der Dollar und der Yen. Die jüngste Entwicklung zeigt, dass sich die Erholung dieser beiden Währungen nicht geradlinig fortsetzt. Steigt die Unsicherheit an den Finanzmärkten weiter an, dürfte der Franken zusätzlichen Auftrieb erhalten.
Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den aufgezeigten Informationen handelt es sich um Werbung gemäss Art. 68 FIDLEG.