Die Baubranche schwächelt – Geberit nicht
VZ Analyse
Europas Bauwirtschaft kommt nur langsam aus der Krise. Geberit scheint das bislang wenig zu stören. Der Sanitärkonzern wächst stärker als der Markt und hält seine Profitabilität auf hohem Niveau. Nun könnten sich bisherige Belastungsfaktoren sogar in Rückenwind verwandeln.
Publiziert vor 3 Stunden
Autor
Christian Huber
Funktion Anlageexperte
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Wer nach den Ferien mit einer Schweizer Fluggesellschaft nach Hause fliegt, wähnt sich beim ersten "Grüezi" fast wieder zu Hause. Ähnliche Heimatgefühle lösen vielleicht Schweizer Schokolade im Ausland oder der Blick auf eine bekannte Marke in sanitären Anlagen aus. Dort begegnet einem besonders in Europa häufig ein Name: Geberit.
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Der Konzern steht für Schweizer Qualität bei Sanitärsystemen. Rund 90 Prozent des Umsatzes erzielt Geberit in Europa. Deutschland ist mit knapp 30 Prozent der wichtigste Markt, gefolgt von der Schweiz mit rund 10 Prozent. Genau diese starke Ausrichtung auf Europa wurde in den vergangenen Jahren jedoch zur Belastung.
Mit dem starken Zinsanstieg ab 2022 brach die europäische Baukonjunktur ein. Besonders der Neubau geriet unter Druck und hat sich bis heute nur langsam erholt.
Geberit wächst dennoch
Auch Geberit bekam die schwache Nachfrage zu spüren. Das Unternehmen entwickelte sich dennoch solide. Bereits 2025 stieg der Umsatz um 2,5 Prozent und der Gewinn um 0,5 Prozent. Im ersten Halbjahr 2026 setzte sich das Wachstum fort. Während der Umsatz ähnlich stark zulegte, erhöhte sich der Gewinn um 7,9 Prozent.
Das ist bemerkenswert, denn gleichzeitig stiegen die Preise für verschiedene Rohmaterialien im Zuge des Nahost-Konflikts kräftig. Nach Ausbruch des Konflikts im Frühling geriet deshalb auch die Geberit-Aktie unter Druck. Zusätzlich belastete der starke Franken die ausgewiesenen Zahlen.
Auf die operative Marge wirkt sich die Währung allerdings weniger stark aus. Geberit setzt auf eine natürliche Währungsabsicherung. Das Unternehmen produziert einen grossen Teil seiner Produkte in denselben Währungsräumen, in denen es die entsprechenden Umsätze erzielt. Währungsschwankungen treffen damit Erträge und Kosten gleichzeitig. Auf den in Franken ausgewiesenen Umsatz haben sie trotzdem einen Einfluss.
Das Wachstum erreichte Geberit vor allem mit höheren Verkaufsvolumen und Preiserhöhungen. Gleichzeitig profitierte der Konzern von einer hohen Produktverfügbarkeit sowie einer effizienten Produktion und Logistik. Dass Geberit selbst in einem weitgehend stagnierenden Markt wachsen konnte, spricht zudem dafür, dass das Unternehmen weitere Marktanteile gewonnen hat.
Stärken von Geberit
Besonders schwach bleibt in Europa der Neubau. Besser entwickelt sich das Renovationsgeschäft. Badezimmer, Leitungen und Sanitärsysteme werden auch dann erneuert, wenn weniger neue Gebäude entstehen. Für Geberit ist das entscheidend, denn Renovationen stehen für rund 60 Prozent des Umsatzes.
Hinzu kommt die breite Produktpalette. Geberit liefert rund um sanitäre Anlagen nahezu das gesamte System. Dazu gehören nicht nur Toiletten und Waschbecken, sondern auch Spülkästen, Rohrleitungen und Abwassersysteme. Für Installateure hat das einen wichtigen Vorteil: Die einzelnen Komponenten sind aufeinander abgestimmt und lassen sich einfach kombinieren. Diese starke Marktstellung trägt auch zur hohen Preissetzungsmacht des Unternehmens bei.
Gleichzeitig investiert Geberit weiter in neue Produkte. Bei den Halbjahreszahlen betonte das Unternehmen, dass neben etablierten Produkten auch wichtige Neuheiten zum Wachstum beitrugen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Anwendungen, die den Wasserverbrauch senken und damit die Umweltbelastung reduzieren.
Von Gegenwind zu Rückenwind
Geberit ist in den vergangenen Jahren trotz zahlreicher Belastungen gewachsen und hat Marktanteile hinzugewonnen. Der grösste Gegenwind kam von der schwachen Baukonjunktur. Inzwischen hat sich die Lage zumindest stabilisiert.
Hohe Zinsen in der Eurozone könnten eine stärkere Erholung weiterhin bremsen. Gleichzeitig spricht einiges dafür, dass sich die Nachfrage in den kommenden Jahren verbessert. Nach mehreren schwachen Jahren besteht Nachholbedarf. Zusätzlich könnten höhere Investitionen in Infrastruktur und Wohnraum neue Impulse setzen.
Noch unmittelbarer könnte der Rückenwind von der Währungsseite kommen. Ein schwächerer Franken verbessert wegen der natürlichen Währungsabsicherung zwar nicht automatisch die operative Marge. Die in Franken ausgewiesenen Umsätze und Gewinne fallen bei einer Aufwertung des Euro jedoch höher aus.
Geberit hat damit gezeigt, dass das Geschäftsmodell auch in einem schwierigen Umfeld funktioniert. Sollte sich der europäische Neubau erholen und der Franken gegenüber dem Euro schwächer bleiben, könnten zwei der wichtigsten Belastungsfaktoren der vergangenen Jahre an Bedeutung verlieren. Dann hätte Geberit nicht nur bewiesen, dass es einer schwachen Baukonjunktur trotzen kann, sondern könnte auch überdurchschnittlich von einer Erholung profitieren. Dies würde sich auch beim Aktienkurs bemerkbar machen.
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