Der Preis des Aufstiegs in den SMI

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VZ Analyse

Ab dem 21. September wird der SMI mit zwei Neueinsteigern gehandelt. Doch es gibt Gründe, warum ein Platz im Leitindex nicht nur Vorteile bringt.

Publiziert 14. Sep 2026

Autor

Florian Estermann

Funktion Anlageexperte

Für ein Schweizer Unternehmen gilt die Aufnahme in den Swiss Market Index (SMI) als bedeutender Meilenstein. Mit ihr wachsen die internationale Aufmerksamkeit und die Präsenz am Kapitalmarkt. Kühne + Nagel, Partners Group, Logitech, Lonza und Sika schafften in den vergangenen Jahren den Wechsel in den Leitindex. Dennoch ist der Aufstieg nicht in jeder Hinsicht vorteilhaft. Die Analyse der passiven Kapitalströme zeigt, dass er unter bestimmten Voraussetzungen sogar Nachteile mit sich bringen kann.

Der Grund liegt in der Indexmechanik. Verlässt eine Aktie den SMIM oder den SPI Extra zugunsten des SMI, verliert sie einen Teil ihrer bisherigen passiven Nachfrage. Fonds, die Small- und Mid-Cap-Indizes oder breit angelegte SPI-Strategien nachbilden, müssen ihre Positionen entsprechend anpassen.

Mid-Caps weisen den höchsten passiven Anteil auf

Besonders deutlich wird dies beim Vergleich der passiven Vermögensanteile. Der SMIM führt mit durchschnittlich 5,73 Prozent, gefolgt vom SLI mit 5,41 Prozent. Beim SMI sind es 4,74 Prozent, beim SPI 4,03 Prozent und beim SPI Extra 3,95 Prozent. Aufgrund ihrer enormen Marktkapitalisierung ziehen die grossen SMI-Konzerne absolut betrachtet zwar hohe Summen an. Gemessen an ihrer Grösse erhalten Mid-Caps jedoch mehr Unterstützung durch passive Anlagen. Ein Wechsel in den SMI kann diesen relativen Vorteil verringern.

Die neuen Käufe gleichen die Verkäufe nicht immer aus

Mit dem SMI-Eintritt verschiebt sich die Zusammensetzung der passiven Anleger. ETF auf Small- und Mid-Caps verkaufen die Aktie nach ihrem Ausscheiden, während SMI-Produkte neu einsteigen. Ob daraus unter dem Strich zusätzliche Nachfrage entsteht, ist allerdings offen. Nestlé, Roche und Novartis dominieren den Leitindex, weshalb neue Mitglieder meist nur ein geringes Gewicht erhalten. Die daraus resultierenden Käufe reichen häufig nicht aus, um die Verkäufe aus den bisherigen Indizes aufzufangen. Indexbedingte Abflüsse, höhere Schwankungen und Bewertungsdruck können die Folge sein.

Die hohe Konzentration im SMI verstärkt diesen Effekt. Nahezu die Hälfte des Index entfällt auf drei Unternehmen. Ein Neuzugang kommt dagegen üblicherweise lediglich auf ein Gewicht zwischen 0,5 und 1,5 Prozent. Der Prestigegewinn ist damit beträchtlich, der Anteil am passiven Kapital jedoch vergleichsweise klein.

Zusätzlich überlagern sich mehrere Indizes im oberen Small- und Mid-Cap-Bereich. Zehn Aktien gehören gleichzeitig dem SLI, dem SMIM und dem SPI Extra an. Wird eine davon in den SMI aufgenommen, fällt sie sowohl aus dem SMIM als auch aus dem SPI Extra heraus. Entsprechend können gleichzeitig mehrere Quellen passiver Nachfrage versiegen.

Nebenwerte geniessen bei Schweizer Anlegern einen besonderen Stellenwert. Sie stehen häufig für grössere Wachstumschancen, innovative Geschäftsmodelle und historisch attraktive risikobereinigte Renditen. Im SMI verändert sich diese Wahrnehmung: Aus einem prominenten Mid-Cap wird ein vergleichsweise kleines Mitglied unter den Grosskonzernen. Ein Teil der bisherigen Anlagegeschichte kann dadurch an Wirkung verlieren.

Absolut gesehen bleibt der Abstand zwischen den Indizes gross. Pro SMI-Titel liegen die passiven Mittel im Durchschnitt bei rund 3,65 Mrd. Franken. Das ist 5,4-mal so viel wie bei einem durchschnittlichen SMIM-Titel mit rund 676 Mio. Franken und 23,2-mal so viel wie bei einem SPI-Extra-Titel mit rund 157 Mio. Franken. Ein Vergleich der Indexränder liefert jedoch ein anderes Bild. Die drei kleinsten SMI-Aktien kommen durchschnittlich auf rund 689 Mio. Franken. Die drei grössten Titel des SMIM erreichen rund 1,97 Mrd. Franken, jene des SPI Extra rund 1,88 Mrd. Franken. Damit ziehen die führenden Mid-Caps nahezu dreimal so viel passives Kapital an wie die kleinsten SMI-Mitglieder.
 

Wie eine Auswertung der beiden Neuzugängen im SMI zeigt, dürften die Indexbedingten Abflüsse aus dem SPI Extra und dem SMI Mid pro Titel rund 1 Mrd. ausmachen. Die Zuflüsse durch die Aufnahme in den SMI liegen dagegen je nach Gewichtung bei lediglich 160 Mio. bis 480 Mio. Unter dem Strich dürfte der Aufstieg für die beiden Titel zu einem Abfluss an passiven Geldern führen.

Historische Wechsel stützen die Beobachtung

Ein Blick auf frühere Aufnahmen in den SMI passt zu diesem Muster. Rund um den Indexwechsel standen zahlreiche Aktien unter Verkaufsdruck. Mehrere Aufsteiger blieben in den darauffolgenden sechs bis zwölf Monaten hinter dem Gesamtmarkt zurück. Als mögliche Ursache gilt die Nachfrage, die mit dem Ausscheiden aus Small- und Mid-Cap-ETF entfällt. Der beobachtete Effekt ist somit eher strukturell als unternehmensspezifisch.


Was Anleger bei einem Aufsteiger beachten sollten

Die erwartete Anpassung der Indizes kann sich bereits vor dem offiziellen Wechsel im Aktienkurs niederschlagen. Passive Fonds richten ihre Portfolios in der Regel rund um den Stichtag an den geänderten Indexzusammensetzungen aus. Die aktuellen Werte zeigen dabei, dass der passive Anteil im SMIM über jenem des SMI liegt, der SPI Extra aber leicht darunter. Daraus folgt keine pauschale Bevorzugung aller Nebenwerte. Relevant sind die bisherige Indexzugehörigkeit, das Gewicht nach dem Wechsel und die Überschneidungen zwischen den Benchmarks. Operativ bleibt das Unternehmen unverändert, kapitalmarkttechnisch kann der Schritt dennoch deutliche Auswirkungen haben.

Der Eintritt in den SMI ist daher zwar reputationsstark, führt aber nicht zwingend zu einer besseren Kursentwicklung. Für die passive Nachfrage zählt, aus welchen Indizes die Aktie ausscheidet, welches Gewicht sie im SMI erhält und welche bisherigen Positionen dadurch wegfallen.

Bei der Beurteilung eines SMI-Neulings sollten Anleger deshalb neben Fundamentaldaten auch die technischen Folgen des Indexwechsels einbeziehen. Ein sichtbarer Aufstieg in der Indexhierarchie muss für die Aktie nicht in jeder Hinsicht ein Fortschritt sein.

Bei den diesjährigen Neuaufsteigern Galderma und Sandoz wird sich nun zeigen, ob der Wechsel aus ihrer bisherigen Rolle als Schwergewichte im Mittelfeld tatsächlich zu Verkaufsdruck aufgrund von passiven Abflüssen führt. Für die beiden Absteiger Swisscom und Kühne + Nagel könnte sich die Gegenbewegung ergeben: Sie dürften von möglichen Kapitalzuflüssen in ihren neuen Indizes profitieren.
 

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