Der neue PC-Moment der Halbleiterindustrie

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Starke Quartalszahlen und Milliardeninvestitionen in Rechenzentren treiben die Halbleiterbranche an. Doch ist der Boom von Dauer? Und wie verändert er die Investitionslandschaft?

Publiziert vor 7 Stunden

Autor

Robert Leitner

Funktion Anlageexperte

Wer heute in einen Weltaktienindex investiert, investiert automatisch auch in die Halbleiterindustrie. Mit einem Anteil von rund 15 Prozent zählt die Branche mittlerweile zu den Schwergewichten des MSCI All Country World.  Innerhalb des IT-Sektors machen Halbleiterunternehmen sogar rund die Hälfte des Gewichts aus.

Entsprechend genau verfolgen Anleger in diesen Wochen die Quartalszahlen der Unternehmen. TSMC, Broadcom, Samsung und ASML haben bereits Zahlen vorgelegt, SK Hynix und Nvidia folgen noch. Die bisherigen Resultate liefern jedoch bereits ein klares Bild: Die Nachfrage nach Halbleitern bleibt hoch.

Die KI-Revolution treibt die Nachfrage

Die Grafik zeigt, dass der aktuelle Boom nicht nur von einzelnen Unternehmen getragen wird. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette melden Halbleiterunternehmen deutlich steigende Umsätze und Gewinne.

Davon profitieren Chipdesigner wie Nvidia und Broadcom ebenso wie Auftragsfertiger wie TSMC, Speicherhersteller wie SK Hynix oder Ausrüster wie ASML. Der gemeinsame Treiber sind die milliardenschweren Investitionen in neue Rechenzentren und KI-Infrastruktur.


Besonders auffällig ist Samsung. Nachdem das Halbleitergeschäft in den vergangenen Jahren hinter den Erwartungen zurückblieb, entwickelt es sich inzwischen zum wichtigsten Wachstumstreiber des Konzerns. 

Der Boom erinnert an die PC-Revolution

Die aktuelle Entwicklung erinnert stark an die 1990er-Jahre. Damals wurden Unternehmen und Haushalte innerhalb weniger Jahre mit Computern ausgestattet. Der globale Halbleiterumsatz stieg während dieser Phase um mehr als 200 Prozent.

Heute steht nicht mehr der Computer im Zentrum, sondern künstliche Intelligenz. Die Logik bleibt jedoch dieselbe: Neue Technologien lösen Investitionszyklen aus. In den 1990er-Jahren waren es Computer, heute sind es Rechenzentren und künstliche Intelligenz. Hinzu kommt ein weiterer Faktor. Halbleiter unterliegen einem sogenannten Hardware-Lebenszyklus. Prozessoren und Speicherchips gelten nach drei bis fünf Jahren als veraltet, obwohl sie physisch oft noch jahrzehntelang funktionieren würden.

Viele kennen dieses Phänomen vom eigenen Laptop oder Smartphone. Irgendwann bleiben Software-Updates aus, Anwendungen werden anspruchsvoller und die Geräte werden ersetzt. Dadurch entsteht eine wiederkehrende Nachfrage, die weit über den ersten Ausrüstungszyklus hinausgeht. Das erklärt, weshalb die Branche trotz Dotcom-Krise und Finanzkrise langfristig kontinuierlich gewachsen ist.

Der Zyklus bleibt, der Trend auch

Halbleiter gehören traditionell zu den zyklischsten Branchen. Während der Dotcom-Krise brachen die Umsätze um rund 46 Prozent ein. In der Finanzkrise lag der Rückgang bei 39 Prozent.

Diese Schwankungen gehören seit Jahrzehnten zum Geschäftsmodell der Branche. Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zeigt jedoch eine klare Richtung: Trotz wiederkehrender Krisen steigen die Halbleiterumsätze von einem Zyklus zum nächsten auf neue Höchststände. 

Börse: Höhepunkt bereits überschritten?

Viele Halbleiter-Unternehmen notieren aktuell deutlich unter ihren Höchstständen von Juni. Viele der positiven Faktoren dürften bereits eingepreist sein. Die Auftragsbücher sind für die kommenden Monate voll. Die Margen liegen auf einem sehr hohen Niveau. Das Wachstumspotential dürfte deshalb mittelfristig geringer ausfallen, was in den für den IT-Sektor relativ moderaten KGVs der Unternehmen reflektiert wird.

Nichtsdestotrotz bleiben Halbleiter die grossen Gewinner 2026. Die Frage wird sein, ob sie es schaffen werden, ihre Gewinne mittelfristig stabil halten zu können.

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