Der nächste Mega-IPO nimmt Formen an
VZ Analyse
Zwei Billionen Dollar für einen KI-Pionier, der noch beweisen muss, dass aus Wachstum auch Gewinne werden. Anthropic könnte SpaceX den IPO-Rekord entreissen – und damit zum ultimativen Realitätstest für den KI-Boom werden.
Publiziert 14. Sep 2026
Autor
Christian Huber
Funktion Anlageexperte
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Nachdem SpaceX im Juni 2026 den grössten Börsengang der Geschichte hingelegt hat, könnte dieser Rekord schon bald wieder fallen. Seit längerem ist bekannt, dass sowohl Anthropic als auch OpenAI noch in diesem Jahr an die Börse wollen. Gemäss einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters deutet derzeit vieles darauf hin, dass Anthropic das Rennen macht.
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Brisant ist dies auch wegen der gemeinsamen Geschichte der beiden Unternehmen. Dario Amodei und mehrere weitere Forscher verliessen OpenAI 2020 nach Differenzen über die künftige Ausrichtung. Sie wollten KI-Sicherheit und eine vorsichtigere Entwicklung stärker gewichten. Sie gründeten 2021 Anthropic – ausgerechnet jenes Unternehmen, das OpenAI heute am stärksten herausfordert.
Viele Details zum Börsengang sind noch offen. Mehr Klarheit dürfte der IPO-Prospekt bringen, der Ende dieses Monats erwartet wird. Danach könnte es schnell gehen. Ein Börsengang noch vor den US-Midterm-Wahlen im November ist wahrscheinlich. Noch nicht geklärt ist auch, ob Anthropic wie erwartet an der Nasdaq debütiert oder die New York Stock Exchange wählt.
Unklar ist zudem, wie viele Aktien beim Börsengang angeboten werden. Für deutlich mehr Aufmerksamkeit sorgt jedoch die mögliche Bewertung von 2 Billionen Dollar. Damit würde Anthropic nicht nur einen neuen IPO-Rekord aufstellen. Die Bewertung hätte sich seit der letzten Finanzierungsrunde im Mai nochmals mehr als verdoppelt.
Damals wurde Anthropic mit 965 Milliarden Dollar bewertet. Von diesem Anstieg profitierten bereits die frühen Investoren. Amazon und Alphabet verbuchten im zweiten Quartal 2026 hohe Bewertungsgewinne auf ihren Beteiligungen und übertrafen damit die Gewinnerwartungen der Analysten. Sollte Anthropic tatsächlich mit 2 Billionen Dollar bewertet werden, könnten weitere, ausserordentliche Gewinne folgen.
Der Weg an die Börse
Der nächste wichtige Schritt ist die Veröffentlichung des Prospekts. Er gibt erstmals einen umfassenderen Einblick in die Finanzlage von Anthropic. Das Unternehmen machte zuletzt im August Angaben zum Umsatz. Per Ende Juli lag der annualisierte Umsatz bei 65 Milliarden Dollar. Seither könnte das Unternehmen nochmals zugelegt haben.
Mindestens ebenso stark im Fokus stehen die Kosten – insbesondere die Ausgaben für Rechenleistung und Infrastruktur. Diese Zahlen zeigen, wie viel Kapital Anthropic benötigt, um das aktuelle Wachstumstempo aufrechtzuerhalten. Auch die finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Grossinvestoren Amazon und Alphabet dürften genau geprüft werden. Erst diese Zahlen erlauben eine bessere Einschätzung, ob die angestrebte Bewertung gerechtfertigt ist.
Neben Amazon und Alphabet ist auch die Risikokapitalgesellschaft Sequoia Capital an Anthropic beteiligt. Dazu kommen Chiphersteller wie Micron, Samsung und SK Hynix. Wie diese Aktionärsstruktur im Detail aussieht, zeigt voraussichtlich erst der Prospekt – vor allem die Frage, ob Gründer wie Dario Amodei über mehr Stimmrechte verfügen.
Eine Besonderheit bei Anthropic ist der sogenannte Long-Term Benefit Trust. Er hält eine eigene Anteilsklasse, die besondere Rechte bei der Wahl des Verwaltungsrats besitzt. Diese Konstruktion soll verhindern, dass sich das Unternehmen ausschliesslich an kurzfristigen Aktionärsinteressen orientiert – und sicherstellen, dass Anthropic langfristig an seiner Mission festhält, einen echten Nutzen für die Gesellschaft zu stiften.
Was Investoren beachten müssen
Der Börsengang wäre vor allem deshalb bemerkenswert, weil Anleger erstmals direkt in eines der führenden Unternehmen für generative KI investieren könnten – ein Segment, das bislang Grosskonzernen wie Alphabet oder Microsoft vorbehalten war.
Damit steigen aber auch die Erwartungen. Anthropic (und später wohl auch OpenAI) müssen beweisen, dass sich das rasante Umsatzwachstum langfristig in Gewinne ummünzen lässt. Entscheidend ist deshab nicht mehr nur das reine Wachstumstempo, sonder die damit verknüpfte Profitabilität.
Mit der angestrebten Bewertung von 2 Billionen Dollar würde Anthropic direkt in die liga der wertvollsten kotierten Unternehmen der Welt aufsteigen. Gleichzeitig müssen Aktionäre damit rechnen, dass sie weniger Mitspracherecht als bei den meisten anderen kotierten Unternehmen erhalten. Die besondere Governance-Struktur und mögliche Anteilsklassen mit unterschiedlichen Stimmrechten spielen deshalb eine wichtige Rolle.
Eine weitere Parallele zu SpaceX ist, dass Anthropic zu Beginn in den wichtigen Aktienindizes eine geringe Bedeutung haben dürfte, weil beim Börsengang vermutlich nur ein begrenzter Teil der Aktien frei handelbar sein wird.
Der IPO sprengt damit den Rahmen eines klassischen Börsengangs. Er testet nicht nur die Schmerzgrenze der Investoren für KI-Bewertungen, sondern dient zugleich als Wegbereiter für einen potenziellen Börsengang von OpenAI.
2026 wird somit voraussichtlich zum Jahr, in dem der KI-Boom von den privaten Märkten an die Börse wechselt.
Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den aufgezeigten Informationen handelt es sich um Werbung gemäss Art. 68 FIDLEG.