Das Rennen um die Zukunft der Fahrdienste
VZ Analyse
Uber, Lyft und Grab haben den urbanen Verkehr in den vergangenen Jahren verändert. Die nächste Entwicklungsstufe der Branche dürfte jedoch nicht durch mehr Fahrten entstehen, sondern durch einen strukturellen Trend.
Publiziert 14. Aug 2026
Autor
Roman Gfeller
Funktion Anlageexperte
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Das Grundmodell eines Fahrdienstanbieters ist einfach: Eine Plattform bringt Fahrer und Fahrgast zusammen und erhält dafür einen Teil des Fahrpreises. Das Problem liegt ebenso auf der Hand: Der Fahrer ist zugleich der grösste Kostenfaktor.
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Genau deshalb richtet sich der Blick der Branche zunehmend auf künstliche Intelligenz und autonome Fahrzeuge. KI verbessert bereits heute die Vermittlung von Fahrten, die Preisgestaltung, die Auslastung der Fahrzeuge und die Sicherheitssysteme.
Der unmittelbare Effekt liegt in effizienteren Abläufen und einer besseren Nutzung bestehender Netzwerke.
Noch weitreichender könnte der Einfluss von Robotaxis werden. Dann dürfte die Frage wichtiger werden, über welche Plattform die Kunden ihre Fahrten buchen. Entscheidend wäre nicht mehr primär, wer über die meisten Fahrer verfügt, sondern wer den direkten Zugang zum Kunden hat.
Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein Blick auf die grossen börsenrelevanten Anbieter der Branche.
Uber
Uber ist heute der globale Marktführer im Fahrdienstgeschäft und in grossen Teilen Nordamerikas, Europas, Lateinamerikas und des Nahen Ostens vertreten. Das Unternehmen lebt inzwischen nicht mehr nur von der Personenbeförderung. Neben der klassischen Fahrtenvermittlung hat Uber ein umfangreiches Liefergeschäft aufgebaut.
Gerade diese Breite dürfte künftig entscheidend sein. Je häufiger Kunden die Anwendung nutzen, desto wertvoller wird das Netzwerk. Deshalb positioniert sich Uber bei selbstfahrenden Fahrzeugen nicht als Technologieentwickler, sondern als Vermittler. Ziel ist, dass Fahrten auch mit autonomen Fahrzeugen weiterhin über Uber gebucht werden. Für den Aufbau eines entsprechenden Netzwerks investiert das Unternehmen über zehn Milliarden Dollar und arbeitet mit mehreren Anbietern fahrerloser Taxis zusammen.
Die Plattformstrategie zeigt sich bereits in globalen Kooperationen: Während Uber in den USA Waymo-Flotten integriert, bringt das Unternehmen mit WeRide autonome Taxis nach Europa, zunächst nach Zürich und Madrid.
Lyft
Lyft verfolgt einen fokussierteren Ansatz. Während Uber fortlaufend neue Geschäftsfelder erschliesst, bleibt Lyft nah am ursprünglichen Fahrdienstmodell. Das Unternehmen konzentriert sich vor allem auf Nordamerika und neuerdings Europa. Ein Grossteil des Geschäfts fällt auf die Vermittlung von Fahrten.
Beim Thema selbstfahrende Mobilität verfolgt Lyft einen ähnlichen Ansatz wie Uber. Das Unternehmen will nicht selbst zum Entwickler autonomer Fahrzeuge werden. Stattdessen möchte es das Grundnetz und den Kundenstamm bereitstellen, worüber fahrerlose Taxis künftig vermittelt werden können.
Ähnlich wie der grosse Konkurrent öffnet auch Lyft seine App für Drittanbieter. Auf dem US-Heimatmarkt teilt man sich mit Uber bereits die Flotten von Waymo, kooperiert im US-Fahrvolumen zusätzlich aber auch mit Mobileye. Für den Sprung nach Europa nutzt das Unternehmen zudem eine strategische Allianz mit dem chinesischen Tech-Riesen Baidu: Über die Übernahme der Taxi-App FreeNow sollen fahrerlose Fahrzeuge in europäischen Metropolen wie München und London in die Plattform integriert werden.
Grab
In Südostasien verfolgt Grab einen anderen Ansatz. Das Unternehmen entwickelte sich vom Fahrtenvermittler zur Alltagsplattform, die neben Mobilität auch Essenslieferungen, digitale Zahlungen und Finanzdienstleistungen anbietet. Die Fahrt dient dabei oft als Einstieg in weitere Dienste.
Bis anhin wurde insbesondere KI verwendet, um Prozesse effizienter zu gestalten und die Entwicklung neuer Produkte zu beschleunigen. Im Fokus lag der Ausbau des Ökosystems und die Vermarktung zusätzlicher Dienste über die bestehende Nutzerbasis. Entsprechend stand autonomes Fahren lange nicht im Zentrum der Strategie.
Inzwischen nutzt Grab dieses Netzwerk auch für autonome Fahrzeuge. Über Partnerschaften mit WeRide, May Mobility und Momenta werden diese direkt in die App eingebunden. In Singapur startete das Unternehmen 2026 einen fahrerlosen Shuttle- und später einen Abrufdienst. Statt selbst zu entwickeln, setzt Grab auf eine Mischflotte, in der Robotaxis das bestehende Angebot ergänzen.
Was das für Anleger bedeutet
Die drei Anbieter unterscheiden sich nicht nur vom Geschäftsmodell, sondern auch bei der Marktmacht, der Profitabilität und der Bewertung.
Uber ist als globaler Marktführer seit 2023 profitabel – einzig im 1. Quartal 2024 verzeichnete das Unternehmen einen Verlust. 2025 lag der Reingewinn bei 10,1 Millairden Dollar. Das für 2026 geschätzte KGV liegt bei rund 23, die grosse Mehrheit der Analysten empfiehlt die Aktien zum Kauf.
Auch Lyft hat inzwischen den Sprung in die Profitabilität geschafft, im zweiten Quartal 2026 lag dieser bei 50,3 Millionen Dollar. Die Bewertung liegt mit 63 relativ hoch, allerdings sind die vorausschauenden Bewertungen teils deutlich tiefer, da sie zum Teil von Versicherungsrückstellungen beeinflusst sind. Die Mehrheit der Analysten stuft die Titel mit "Halten" ein.
Auch Grab verdient inzwischen gutes Geld mit seinen Dienstleistungen. 2025 erzielte Grab erstmals einen Jahresgewinn, und im abgelaufenen Quartal konnte der Überschuss auf 325 Millionen Dollar erhöht werden. Mit einem KGV von rund 26 wird Grab ähnlich wie Uber bewertet. Auch hier sind die Analysten äusserst optimistisch. Über 90 Prozent, die Grab abdecken, haben für die Aktie eine Kaufempfehlung herausgegeben.
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