Das grosse Missverständnis über erfolgreiche Anleger

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Die klügsten Köpfe der Finanzwelt, riesige Analyse-Teams und Zugang zu den besten Informationen: Eigentlich müssten aktive Fondsmanager den Markt regelmässig schlagen. Warum die Realität trotzdem ganz anders aussieht.

Publiziert 4. Sep 2026

Autor

Robert Leitner

Funktion Anlageexperte

Viele Anleger stellen sich die Börse als einen Ort vor, an dem diejenigen gewinnen, die bessere Informationen besitzen oder Unternehmen genauer analysieren. Deswegen bezahlen sie Fondsmanagern mit einem aktiven Anlageansatz hohe Gebühren in der Hoffnung, dass diese den Markt schlagen. Die Daten zeigen jedoch, dass genau das nur wenigen gelingt. 

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Und das ist ausserordentlich überraschend. Denn bei aktiven Managern handelt es sich häufig um intelligente, gut ausgebildete Leute, um Absolventen von Eliteuniversitäten, die zu den besten ihres Jahrgangs gehören. Zudem haben aktive Manager meist Zugang zu den besten Informationen, und sie haben effiziente Teams um sich herum. Warum schaffen sie es trotzdem nicht, dauerhaft besser abzuschneiden als ein einfacher Indexfonds? 

Der Grund ist, dass Finanzmärkte von einem beinharten Wettbewerb geprägt sind. Die bestimmenden Akteure an den Börsen sind nicht die Privatanleger, sondern Profis und Institutionen. Auf beiden Seiten einer Transaktion stehen deswegen in der Regel Investoren, die dieselben Geschäftsberichte lesen, dieselben Nachrichten verfolgen und dieselben Chancen suchen. Je mehr intelligente und gut informierte Marktteilnehmer um dieselben Renditechancen konkurrieren, desto schwieriger wird es, dauerhaft einen Vorteil zu erzielen. Vor diesem Hintergrund wird auch ein Gedanke verständlich, den Wirtschaftsnobelpreisträger William Sharpe 1991 zu Papier brachte: Mathematisch ist es nicht möglich, dass viele Anleger gleichzeitig besser sind als der Markt. 

Der Markt ist nichts anderes als die Summe aller Marktteilnehmer. Wenn ein Investor besser abschneidet als der Durchschnitt, muss zwangsläufig ein anderer schlechter abschneiden. Die Gewinne des einen entsprechen den entgangenen Gewinnen bzw. Verlusten der anderen. Daraus folgt nicht, dass niemand den Markt schlagen kann. Es heisst lediglich, dass nicht alle Anleger gemeinsam besser abschneiden können als der Markt selbst. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob erfolgreiche Anleger existieren. Die entscheidende Frage lautet, ob sie sich im Voraus identifizieren lassen. 

Und hier kommt ein weiterer Aspekt zum Tragen: An den Finanzmärkten spielt Glück eine weit grössere Rolle, als Anleger gerne glauben. Bei Tausenden Fonds wird es immer einige geben, die über fünf oder sogar zehn Jahre aussergewöhnlich gut aussehen. Das allein beweist jedoch kein besonderes Talent. 

Selbst wenn es aussergewöhnlich talentierte Fondsmanager gibt, die den Markt dauerhaft schlagen, ist nur schwer festzustellen, ob ihre historische Performance auf "Können", günstige Umstände oder schlicht auf Glück zurückzuführen ist. Verfügt ein Fondsmanager tatsächlich über überlegene Fähigkeiten? Profitierte er von einem bestimmten Marktumfeld? Oder hatte er einfach etwas mehr Glück als seine Konkurrenten? Die Rendite allein liefert darauf in der Regel keine verlässliche Antwort.

Dass Glück an den Finanzmärkten eine grössere Rolle spielt, als viele Anleger vermuten, zeigt sich auch daran, dass selbst Fondsmanager mit beeindruckender Historie nur selten dauerhaft an der Spitze bleiben. Veranschaulichen lässt sich dies mit einem Würfelspiel und der Tennisweltrangliste. Wer bei einem Würfelspiel grosses Glück hatte, kann dies normalerweise nicht wiederholen, ein anderer gewinnt die nächste Runde. Anders in der Tenniswelt: Spitzenspieler wie Roger Federer bleiben oft viele Jahre an der Spitze der Rangliste. Hier dominiert überlegenes Können das Geschehen. Die Ranglisten von Fonds gleichen hingegen eher den Ergebnissen eines Würfelspiels: Die Gewinner wechseln ständig, und nicht selten finden sich die Spitzenreiter von heute schon kurze Zeit später weit hinten in der Rangliste wieder. Die Besten von gestern gehören häufig nicht zu den Besten von morgen. Eine gute Vergangenheit erweist sich deshalb als überraschend schlechter Indikator für zukünftigen Erfolg. 

Viele Würfelspiele am Stück

Hinzu kommt, dass ein aktiver Fondmanager typischerweise viele Würfelspiele hintereinander durchführt. Ein klassischer aktiver Aktienfonds besteht aus 40 bis 100 Einzelaktien, bei denen 50 bis 100 Käufe und Verkäufe pro Jahr – teils auch weitaus mehr – getätigt werden. Bei jeder Kauf- und jeder Verkaufsentscheidung werden die Würfel neu geworfen. Und je mehr Würfelspiele gespielt werden, desto unwahrscheinlicher werden grosse Abweichungen vom Mittelmass. 

Selbst Können reicht oft nicht aus

Doch selbst wenn ein Fondsmanager tatsächlich über einen kleinen Wissens- oder Kompetenzvorsprung verfügt, reicht dies oft nicht aus. Denn er muss nicht nur den Markt schlagen, sondern auch seine eigenen Kosten überwinden: Analysten, Research, Handel und Managementgebühren. Das alles muss vom Anleger bezahlt werden. Da die Gesamtheit der aktiven Investoren vor Kosten nur die Marktrendite erzielen kann, führt jede zusätzliche Gebühr zwangsläufig dazu, dass die durchschnittliche Rendite nach Kosten unter der Marktrendite liegt. 

Passives Investieren wirkt auf den ersten Blick wenig spektakulär. Schliesslich ist es viel reizvoller, einzelne Aktien auszuwählen oder auf einen Fondsmanager zu setzen, der verspricht, den Markt zu schlagen. Die Vorstellung, zu den wenigen Anlegern zu gehören, die besser sind als der Durchschnitt, übt eine grosse Anziehungskraft aus. 

Die Mathematik legt Anlegern bei der Suche nach dem nächsten Star-Fondsmanager jedoch zahlreiche Steine in den Weg. Selbst wenn einzelne Manager über besondere Fähigkeiten verfügen, werden mögliche Vorteile oft durch Kosten geschmälert. Hinzu kommt, dass sich die künftigen Gewinner kaum im Voraus erkennen lassen. Aus diesen Gründen ist ein breit diversifizierter Indexfonds für viele Anleger nicht die zweitbeste, sondern die vernünftigste Lösung. Er verzichtet auf die schwierige Suche nach den wenigen Ausnahmetalenten und setzt stattdessen auf die Entwicklung des gesamten Marktes. Das mag weniger aufregend sein. Die Chancen auf einen langfristigen Anlageerfolg sind dadurch jedoch oft höher.

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