Chinas Chip-Champion fordert den Westen heraus
VZ Analyse
Der spektakuläre Börsengang von CXMT zeigt, dass China bei Halbleitern und Künstlicher Intelligenz weiter aufholt. Was das für Anleger bedeutet.
Publiziert 29. Jul 2026
Autor
Christian Huber
Funktion Anlageexperte
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Der chinesische Speicherchiphersteller CXMT (ChangXin Memory Technologie) hat einen der spektakulärsten Börsengänge der vergangenen Jahre hingelegt. Die Aktie hat sich am ersten Handelstag zeitweise praktisch versechsfacht.
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Merkblatt
Zum Handelsschluss erreichte der Konzern ein Börsenwert von rund 400 Milliarden Franken und avancierte somit zum wertvollsten Unternehmen an Chinas Festlandbörsen. Hinter der Euphorie steckt mehr als nur die Begeisterung für einen neuen Technologietitel. Der Börsengang gilt als Zeichen dafür, wie schnell China seine eigene Halbleiterindustrie aufgebaut hat – als Reaktion auf westliche Sanktionen und Exportbeschränkungen.
Vom Staatsprojekt zum Weltkonzern
CXMT wurde erst vor zehn Jahren gegründet. Mit Milliardeninvestitionen des chinesischen Staates entwickelte sich das Unternehmen innerhalb weniger Jahre zum grössten Speicherchiphersteller des Landes und zum viertgrössten Anbieter weltweit.
Das Geschäft boomt, da DRAM-Speicherchips für Smartphones, Laptops und zunehmend auch für Rechenzentren benötigt werden. Gerade künstliche Intelligenz erhöht den Bedarf an Speicherlösungen massiv.
Im Vergleich zum Vorjahr steigerte CXMT seinen Umsatz 2025 um über 150 Prozent auf umgerechnet über 7 Milliarden Franken.
China holt entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf
Die Bedeutung von CXMT reicht jedoch weit über den Speicherchipmarkt hinaus. Das Unternehmen ist Teil eines umfassenden Programms, mit dem Peking die Abhängigkeit von westlicher Technologie reduzieren möchte.
Besonders aufmerksam verfolgen Anleger die Entwicklungen bei der Chipfertigung. In den vergangenen Wochen sorgten Berichte für Aufsehen, wonach chinesische Unternehmen Fortschritte bei Lithografie-Systemen erzielt haben – einer Schlüsseltechnologie für die moderne Halbleiterproduktion.
Genau diese Technologie gilt seit Jahren als einer der wichtigsten Wettbewerbsvorteile westlicher Anbieter. Entsprechend nervös reagierten zuletzt die Aktien von Unternehmen wie ASML, Tokyo Electron oder Nikon.
Was Anleger daraus schliessen können
Für Anleger bedeutet diese Entwicklung nicht zwingend schlechte Nachrichten. Die Nachfrage nach Halbleitern dürfte durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz weiterhin hoch bleiben.
Gleichzeitig könnte sich die Marktstruktur verändern. In der Vergangenheit profitierten einige wenige Unternehmen von einer dominierenden Stellung in wichtigen Teilen der Halbleiterindustrie. Mit dem Aufstieg neuer Wettbewerber dürfte der Konkurrenzdruck jedoch zunehmen.
Für die etablierten Marktführer könnte das bedeuten, dass die aussergewöhnlich hohen Margen der vergangenen Jahre schwieriger zu verteidigen sind. Für die Branche insgesamt muss dies jedoch nicht negativ sein. Mehr Wettbewerb beschleunigt häufig Innovationen und trägt dazu bei, dass neue Technologien breiter verfügbar werden.
Für europäische Anleger ist es aktuell jedoch nur erschwert möglich, in diese Aktie zu investieren. Denn grundsätzlich sind Aktien, die nur an Chinas Festlandbörsen kotiert sind, für Nicht-Chinesen nicht handelbar. Auch in den gängigen Indizes, die von ETF abgedeckt werden, ist CXMT noch nicht aufgenommen worden. Derzeit ist geplant, dass der Titel per 10. August in den MSCI China All Shares Index aufgenommen wird und per September über das Stock-Connect-Programm handelbar wird. Dies wiederum ist die Voraussetzung, um von einem globalen MSCI-Hauptindex aufgenommen zu werden.
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