China fährt Ölverbrauch runter - mit Folgen für Schweizer Benzin- und Heizölpreise

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China fragt zunehmend weniger Rohöl nach und fährt die Raffinerieproduktion zurück. Das beeinflusst nicht nur den globalen Ölmarkt, sondern auch die Schweizer Treibstoff- und Heizölpreise.

Publiziert 18. Sep 2026

Autor

Ramon Hess

Funktion Anlageexperte

China war in den vergangenen Jahrzehnten einer der wichtigsten Treiber des globalen Ölverbrauchs. Inzwischen hat sich das Nachfragewachstum jedoch deutlich abgeschwächt.

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Nach Einschätzung des Forschungsinstituts des chinesischen Energiekonzerns China Petroleum & Chemical Corporation, kurz Sinopec, dürfte die chinesische Ölnachfrage 2026 um rund 600'000 Barrel pro Tag beziehungsweise 3,9 Prozent zurückgehen.

Auch die Raffinerieproduktion dürfte sinken. Bis 2030 wird ein Rückgang von 5,5 Prozent erwartet.

Wenn der grösste Rohölimporteur der Welt dauerhaft weniger Öl verbraucht und verarbeitet, verändert sich das globale Marktgleichgewicht. Zusätzliche Fördermengen treffen damit auf ein schwächeres Nachfragewachstum. Das kann den globalen Ölpreis unter sonst gleichen Bedingungen belasten.

Elektrofahrzeuge verdrängen Benzin und Diesel

Ein wichtiger Grund für die sinkende Ölnachfrage ist die zunehmende Elektrifizierung des chinesischen Strassenverkehrs. Elektrofahrzeuge verdrängen zunehmend Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und reduzieren damit den Verbrauch von Benzin und Diesel.

So wird für 2026 ein Rückgang der chinesischen Benzinnachfrage um 8,7 Prozent und der Dieselnachfrage um 11,4 Prozent erwartet.

2025 waren in China bereits knapp 55 Prozent der neu verkauften Personenwagen elektrisch. Rund 44 Millionen Elektroautos waren Ende 2025 auf Chinas Strassen unterwegs. Damit war etwa jedes achte Auto elektrisch.

Die Elektrifizierung beschränkt sich zudem nicht auf Personenwagen. China elektrifiziert auch Busse, Lieferfahrzeuge und Lastwagen. Bei den neu verkauften Lastwagen lag der Anteil elektrischer Modelle 2025 bereits bei rund 25 Prozent. Gerade bei Nutzfahrzeugen ist diese Entwicklung für den Ölmarkt relevant, da sie besonders viel Diesel verbrauchen.

Der Effekt auf die Ölnachfrage ist bereits messbar. Nach Einschätzung von Sinopec könnten Elektrofahrzeuge 2026 in China rund 1,2 Millionen Barrel Öl pro Tag ersetzen. Mit jedem zusätzlichen Elektrofahrzeug sinkt der künftige Bedarf an Erdölprodukten.

Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass Elektrofahrzeuge bis 2030 weltweit mehr als fünf Millionen Barrel Öl pro Tag verdrängen. Rund die Hälfte davon dürfte auf China entfallen.

Was bedeutet das für die Benzin- und Heizölpreise in der Schweiz?

Für Schweizer Autofahrerinnen und Autofahrer kann eine schwächere chinesische Ölnachfrage grundsätzlich entlastend wirken. Sinkt dadurch die globale Nachfrage, kann dies unter sonst gleichen Bedingungen den Preis von Rohöl und raffinierten Produkten drücken. Dadurch sinken die Beschaffungskosten der Mineralölimporteure, was theoretisch mit einer gewissen Verzögerung auch an den Schweizer Tankstellen sichtbar werden müsste.

Die Übertragung erfolgt allerdings nicht eins zu eins. Der Brent-Preis gilt als wichtige Referenzgrösse für den internationalen Ölmarkt, die Preise für Benzin und Diesel hängen jedoch zusätzlich von den jeweiligen Produktpreisen und Raffineriemargen ab. Auch Transportkosten, Steuern und Abgaben beeinflussen die Schweizer Endverbraucherpreise. Ein Rückgang des internationalen Ölpreises um beispielsweise 10 Prozent führt deshalb längst zu einem gleich hohen prozentualen Rückgang des Schweizer Benzinpreises. 

Denn alleine die staatlichen Abgaben können bis gegen 50 Prozent des Preises ausmachen. Dazu kommen noch die Kosten für den Vertrieb sowie die Margen der Zwischenhändler. Hinzu kommt der Wechselkurs. Da Rohöl international in Dollar gehandelt wird, beeinflusst auch der Kurs des Frankens gegenüber dem Dollar die Schweizer Beschaffungskosten. Ein stärkerer Franken kann einen Rückgang des Ölpreises verstärken, ein schwächerer Franken ihn dagegen teilweise ausgleichen.

Mit Blick auf die bevorstehende Heizsaison rücken die Heizkosten wieder stärker in den Fokus vieler Haushalte. Mitte September liegt der durchschnittliche Schweizer Heizölpreis laut HeizOel24 bei rund 164 Franken je 100 Liter.

Bei den Heizölpreisen dürfte die schwächere Nachfrage aus China unmittelbarer wirken. Heizölpreise orientieren sich stark an den internationalen Preisen für Gasöl und Destillate. Gerade der deutliche Rückgang des chinesischen Dieselverbrauchs ist relevant, weil Diesel und Heizöl aus ähnlichen Teilen des Rohöls hergestellt werden und auf den internationalen Produktmärkten eng miteinander verbunden sind.

Eine geringere chinesische Dieselnachfrage kann bei unveränderter Raffinerieauslastung zusätzliche Mengen an Diesel und anderen Mitteldestillaten für den Export freisetzen.

Das kann die Preise und Raffineriemargen unter Druck setzen und damit auch die Beschaffung von Heizöl in Europa und der Schweiz verbilligen. Gleichzeitig können sinkende Rohölpreise die Kosten der Raffinerien reduzieren.

Aussicht

Kurzfristig bleiben die Preise für Heizöl, Benzin und Diesel stark von der geopolitischen Lage im Nahen Osten bestimmt. Dies zeigt, dass die strukturell schwächere Nachfrage aus China gegenwärtige Versorgungsprobleme zwar dämpfen, aber nicht vollständig kompensieren kann.

Mittelfristig verbessert aber die sinkende chinesische Ölnachfrage die Aussichten für Schweizer Verbraucher. Sie wirkt tendenziell als strukturelle Preisbremse für Rohöl, Benzin, Diesel und Heizöl.

Besonders die Elektrifizierung des chinesischen Strassenverkehrs dürfte einen Teil des Nachfrageverlusts dauerhaft machen. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass China in Zukunft erneut ähnlich stark zum weltweiten Ölverbrauch beiträgt wie in den vergangenen Jahrzehnten.

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