VZ Analyse
In den nächsten Wochen erreicht die Hurrikansaison im Nordatlantik ihren Höhepunkt und damit jene Phase, die über das Anlagejahr der Katastrophenanleihen entscheidet.
Publiziert 14. Aug 2026
Beschreibung
Wer in Katastrophenanleihen (Cat Bonds) investiert, geht ein Risiko ein, das sich nicht gleichmässig über das Jahr verteilt. In den vergangenen 30 Jahre fielen im Schnitt 58 Prozent der versicherten Naturkatastrophenschäden in die zweite Jahreshälfte. Allein die nordatlantische Wirbelstürme machen ein Drittel der versicherten Jahresschäden aus.
Entsprechend dominieren die Hurrikanrisiken viele Cat-Bond-Portfolios, und die Saison erreicht erst Anfang September ihren Höhepunkt.
Für das laufende Jahr deutet ein erstarkendes El-Niño-Phänomen auf eine ruhigere Saison hin. Verlässlich ist das allerdings nicht: Nach Daten der US-Wetterbehörde fielen 22 Prozent aller US-Landfälle (Erreichen des Festlandes) von Hurrikanen zwischen 1950 und 2025 in El-Niño-Jahre.
Zur Erinnerung: Das Prinzip von Cat Bonds Anleger stellen Versicherern und Rückversicherern Kapital zur Verfügung, das als Sicherheit für potenzielle Schadensfälle dient, und erhalten dafür Coupon deutlich über dem Niveau traditioneller Anleihen. Bleibt das vordefinierte Katastrophenereignis aus, erhalten Anleger das Kapital zurück. Tritt es ein, verfällt ein Teil oder die gesamte Anleihe. Wann und in welchem Umfang das Kapital einbehalten wird, regelt der Auslösemechanismus. Bei rund 74 Prozent der Katastrophenanleihen sind die tatsächlichen Versicherungsleistungen des Emittenten ausschlaggebend. Seltener werden branchenweite Schadenindizes oder parametrische Trigger verwendet. Bei letzteren bestimmen physikalische Messwerte (z.B. Windgeschwindigkeit oder Erdbebenstärke), in welchem Umfang Anleger ihr Kapital zurückerhalten. |
Das erste Halbjahr verlief günstig
Das Swiss Re Institute schätzt die weltweiten versicherten Naturkatastrophenschäden für das erste Halbjahr 2026 auf 42 Milliarden Dollar – das ist der tiefste Halbjahreswert seit 2020 und liegt deutlich unter dem langjährigen Trendwert von 66 Milliarden Dollar.
Grösster Schadenstreiber waren, wie in den meisten ersten Halbjahren, schwere Gewitterstürme in den USA: Auf sie entfielen 28 der 42 Milliarden Dollar versicherter Schäden, gegenüber einem Trendwert von 36 Milliarden.
Den versicherten Schäden von insgesamt 42 Milliarden Dollar standen wirtschaftliche Schäden von rund 100 Milliarden Dollar gegenüber. Dies entspricht einem Versicherungsgrad von 42 Prozent und liegt über dem Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre von 33 Prozent
Wie gross die Schadenslücke andernorts ausfällt, zeigt das schwerste Ereignis der vergangenen Wochen: Am 24. Juni erschütterte in Venezuela eine Erdbebenserie die Region um Caracas. Über 5000 Menschen verloren ihr Leben, der Sachschaden wird auf rund 20 Milliarden Dollar geschätzt. Weil im Land kaum jemand versichert ist, belastet dies den Cat-Bond-Markt kaum – humanitär und volkswirtschaftlich ist es aber eine Katastrophe.
Renditen normalisieren sich
Seit Jahresbeginn legte der Swiss Re Global Cat Bond Performance Index in Franken gerechnet um 7,7 Prozent zu. Das ist ein gutes Ergebnis, und es fügt sich in ein Bild, das erfreulicher ist als jenes von traditionellen Anleihenmärkten: In fünf der letzten acht Jahre rentierten Katastrophenanleihen positiv, 2024 mit 25,3 Prozent ausgesprochen stark.
Erfreulich heisst aber nicht ruhig. Auf das Spitzenjahr 2024 folgte 2025 ein Minus von 2,6 Prozent, und schon 2020 stand ein Verlust von 3,1 Prozent in den Büchern.
Fazit
Für Anleger ist nicht nur entscheidend, ob die Katastrophenrisiken steigen, sondern auch, ob die Risikoprämien mit diesem Anstieg Schritt halten. Aktuell liegen die Risikoprämien deutlich tiefer als noch vor zwei Jahren.
Cat Bonds bleiben ein wertvoller Diversifikationsbaustein, weil deren Erträge von Wetter und Erdbeben abhängig sind und nicht von der Konjunktur, den Zinsen oder den Kapitalmärkten. Der Einstieg ist heute jedoch teurer als 2023, und das Totalverlustrisiko einzelner Anleihen bleibt unverändert. Cat Bonds eignen sich deshalb vor allem als begrenzte Beimischung in einem breit diversifizierten Portfolio.
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