ASML zwischen den Fronten des Chipkriegs

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Berichte über eine mögliche chinesische Konkurrenz im Geschäft mit Lithografiemaschinen setzten die Aktie von ASML unter Druck. Vorwürfe aus Washington sorgen für zusätzlichen politischen Gegenwind. Trotz dieser Unsicherheiten spricht weiterhin vieles für den Halbleiterausrüster.

Publiziert 5. Aug 2026

Autor

Ramon Hess

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Kaum ein Unternehmen steht derzeit so stark im Zentrum des globalen Technologiewettbewerbs wie der niederländische Halbleiterausrüster ASML. Das Unternehmen besitzt faktisch ein Monopol auf Maschinen zur Herstellung modernster Chips – sogenannte EUV-Lithografiesysteme – und ist damit zu einem strategischen Schlüsselakteur im Wettstreit zwischen den USA und China geworden.

Zuletzt geriet die Aktie jedoch unter Druck. Berichte machten die Runde, wonach ein staatlich unterstütztes chinesisches Unternehmen mit der Produktion eigener DUV-Lithografiesysteme begonnen haben soll. Gerade dieses Geschäft ist für ASML ein wichtiger Umsatztreiber. Die Sorge vor wachsender Konkurrenz liess die Aktie, in Franken gerechnet, um bis zu 14 Prozent einbrechen.

Zusätzliche Unruhe stiften Vorwürfe aus Washington. Die US-Regierung vermutet, dass eine der streng kontrollierten EUV-Lithografiemaschinen von ASML nach China gelangt sein könnte. Das Unternehmen weist die Anschuldigungen entschieden zurück. Die Debatte zeigt jedoch: Der Kampf um künstliche Intelligenz wird zunehmend über die Kontrolle kritischer Technologien geführt.

Ein Monopol mit geopolitischer Bedeutung

ASML ist der weltweit einzige Hersteller von EUV-Lithografiesystemen (Extreme Ultraviolet). Diese Maschinen gelten als unverzichtbar für die Produktion der leistungsfähigsten Halbleiter, die unter anderem in KI-Beschleunigern von Nvidia, Hochleistungsprozessoren oder Rechenzentren zum Einsatz kommen.

Seit 2019 dürfen diese Maschinen aufgrund von Exportbeschränkungen nicht mehr nach China geliefert werden. Die USA, unterstützt durch die Niederlande, wollen damit verhindern, dass China bei Hochleistungschips und KI-Anwendungen zu den westlichen Technologieführern aufschliesst.

Vor diesem Hintergrund wiegt der jüngste Verdacht aus Washington schwer. US-Handelsminister Howard Lutnick äusserte gegenüber ASML den Verdacht, eine EUV-Anlage könnte dennoch ihren Weg nach China gefunden haben.

ASML weist dies kategorisch zurück. Nach Angaben des Unternehmens sind sämtliche der bislang produzierten 340 EUV-Systeme lückenlos nachverfolgbar. Die Maschinen werden ausschliesslich durch ASML transportiert, online überwacht und vor Ort von eigenen Ingenieuren installiert und gewartet. Keine einzige EUV-Anlage befinde sich in China. Bis heute hätten die US-Behörden zudem keinerlei Beweise für ihre Behauptung vorgelegt.

Auch Branchenexperten halten es für äusserst unwahrscheinlich, dass tatsächlich eine komplette EUV-Maschine nach China gelangt ist. Wahrscheinlicher sei, dass sich die Diskussion auf ältere DUV-Lithografiesysteme (Deep Ultraviolet) oder einzelne Komponenten bezieht.

Diese Maschinen sind technologisch weniger leistungsfähig und unterliegen weitgehend weniger strengen Exportbeschränkungen.

ASML bleibt eine Schlüsselfigur im KI-Zeitalter

Für ASML haben DUV-Anlagen eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Mehr als ein Drittel des Konzernumsatzes stammte 2025 aus DUV-Anlagen und den dazugehörigen Dienstleistungen. Gleichzeitig verschiebt sich aber der Umsatzmix zunehmend zugunsten der technologisch anspruchsvolleren EUV-Anlagen. Bereits 2026 dürfte dieses Geschäft die DUV-Sparte als wichtigste Erlösquelle ablösen und rund 40 Prozent des Konzernumsatzes ausmachen.

Die Kluft zwischen der jüngsten Kursentwicklung und den Fundamentaldaten wirft deshalb Fragen auf. Zwar stellt der Aufbau einer chinesischen DUV-Industrie grundsätzlich ein Risiko dar. Selbst im optimistischsten Szenario dürfte es chinesischen Herstellern jedoch noch viele Jahre nicht gelingen, mehr als einen kleinen Teil der installierten ASML-Systeme zu ersetzen.

Zudem profitiert ASML vom anhaltenden Boom der Halbleiterindustrie. Der Marktforscher Omdia erwartet für das laufende Jahr ein Umsatzwachstum von 94 Prozent im globalen Markt für Halbleiter. High-End-Chips und Speicherbausteine sollen dabei mehr als die Hälfte des gesamten Branchenumsatzes ausmachen. Genau in diesen Segmenten ist ASML mit seinen Lithografiesystemen führend.

Die positiven Perspektiven spiegeln sich auch in den Gewinnerwartungen. Nachdem der Gewinn je Aktie 2025 bereits um 26 Prozent gestiegen war, rechnen Analysten für 2026 mit einem weiteren Wachstum von 46 Prozent. Für 2027 werden nochmals 40 Prozent und für 2028 weitere 27 Prozent Gewinnwachstum erwartet.

Dementsprechend zeigen sich die Analysten gegenüber ASML positiv eingestellt. Laut Bloomberg wird die Aktie von 42 Analysten beobachtet. 36 empfehlen den Titel zum Kauf, vier raten zum Halten und lediglich zwei sprechen eine Verkaufsempfehlung aus.

ASML zwischen den Fronten

Für Anleger zeigt der Konflikt, dass ASML weit mehr ist als ein gewöhnlicher Halbleiterzulieferer. Das Unternehmen kontrolliert einen der wichtigsten technologischen Engpässe der globalen Chipindustrie und verfügt damit über eine einzigartige Marktstellung.

Die Bedrohung durch chinesische Konkurrenz erscheint kurzfristig begrenzt. Die Faktenlage rund um die angeblich produzierten DUV-Systeme ist bislang dünn, und selbst bei raschen Fortschritten dürfte China noch Jahre von technologischer Unabhängigkeit im Lithografiebereich entfernt sein.

Das grössere Risiko bleibt die Politik. Weitere Exportbeschränkungen könnten das Chinageschäft zusätzlich belasten. Gleichzeitig dürfte der weltweite Wettlauf um künstliche Intelligenz die Nachfrage nach modernsten Chips und damit nach den Maschinen von ASML langfristig weiter antreiben. Genau diese Kombination aus geopolitischem Risiko und strukturellem Wachstum macht ASML zu einer der spannendsten Aktien der globalen Halbleiterindustrie.


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