Angebotsengpass an den Metallmärkten: Chancen und Risiken für Anleger
VZ Analyse
Eine Entspannung rund um die Strasse von Hormus dürfte die Rohstoffmärkte kurzfristig beruhigen. Bei Kupfer und Aluminium bleiben die strukturellen Engpässe jedoch bestehen – und machen Bergbaukonzerne für Anleger interessant.
Publiziert 22. Jun 2026
Autor
Ramon Hess
Funktion Anlageexperte
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Die Märkte für Kupfer und Aluminium stehen bereits seit längerer Zeit unter Druck. Der Konflikt im Nahen Osten hat die bestehenden Spannungen zusätzlich verschärft. Die anhaltende Angebotsknappheit hat die Preise beider Industriemetalle auf Mehrjahreshochs getrieben.
Während mit der geplanten Öffnung der Strasse von Hormus die geopolitische Risikoprämie allmählich aus den Preisen verschwinden dürfte, bleibt ein anderes Problem bestehen: Ein strukturelles Angebotsdefizit bei Kupfer und Aluminium dürfte die Märkte noch über Jahre prägen.
Gerade Kupfer gilt als das Metall der Energiewende. Es steckt in Stromnetzen, Elektroautos, Windparks und Solaranlagen. Zusätzlichen Rückenwind erhält die Nachfrage durch den Ausbau von Rechenzentren und KI-Anwendungen, die hohe Investitionen in Stromnetze und elektrische Infrastruktur erfordern.
Demgegenüber wächst das Angebot nur langsam. Trotz steigender Recyclingquoten und technologischer Fortschritte reicht die erwartete Produktion nicht aus, um die Nachfrage bis 2050 vollständig zu decken. Da bestehende Minen mit der Zeit weniger fördern, könnte ohne neue Projekte bis 2050 ein jährliches Defizit von bis zu 17 Millionen Tonnen entstehen. Selbst wenn sämtliche derzeit bekannten Kupferprojekte realisiert würden, liesse sich die Versorgungslücke nicht vollständig schliessen.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Aluminium. Das Leichtmetall spielt eine zentrale Rolle bei Stromleitungen, Solaranlagen, Elektrofahrzeugen und modernen Kühlsystemen für Rechenzentren. Strukturell wird der Markt vor allem durch Chinas Kapazitätsgrenze geprägt. Das Land produziert rund die Hälfte des weltweiten Aluminiums, hat seine Produktionskapazität jedoch bei rund 45 Millionen Tonnen gedeckelt. Die Bank ING erwartet deshalb für 2026 ein globales Aluminiumdefizit von rund 200'000 Tonnen. Eine begrenzte Produktionsausweitung trifft somit auf eine weiterhin robuste Nachfrage.
Kurzfristig könnte eine Entspannung im Nahen Osten zwar Gewinnmitnahmen auslösen. Die fundamentalen Treiber sprechen jedoch gegen einen nachhaltigen Preisrückgang. Viele Analysten erwarten daher dauerhaft erhöhte Preisniveaus.
Minenaktien als Hebel auf höhere Metallpreise
Von dauerhaft hohen Metallpreisen profitieren insbesondere Bergbaukonzerne. Gleichzeitig würden sinkende Energiepreise infolge einer Entspannung rund um die Strasse von Hormus die energieintensive Aluminiumproduktion begünstigen. Höhere Verkaufspreise bei gleichzeitig tieferen Inputkosten wirken sich direkt positiv auf die Margen und Gewinne der Produzenten aus.
BHP hat seine Strategie in den vergangenen Jahren konsequent auf Zukunftsmetalle ausgerichtet und betreibt mit Escondida in Chile die grösste Kupfermine der Welt. Rio Tinto zählt hingegen zu den weltweit führenden Produzenten von Eisenerz und Aluminium. Beide Konzerne verfügen über solide Bilanzen und attraktive Ausschüttungspolitiken.
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Anleger erhalten damit nicht nur einen Hebel auf die Entwicklung der Metallpreise, sondern profitieren zugleich von etablierten Geschäftsmodellen und einer hohen operativen Qualität.
Zu den weltweit führenden Rohstoffkonzernen zählt auch Glencore. Das Zuger Unternehmen bietet eine Kombination aus Rohstoffproduktion und globalem Rohstoffhandel. Im Gegensatz zu reinen Minenunternehmen profitiert Glencore nicht nur von steigenden Metallpreisen, sondern potenziell auch von höherer Volatilität, physischen Engpässen und regionalen Preisunterschieden im Handel. Damit ist der Konzern besonders gut positioniert, um von genau jenen Marktbedingungen zu profitieren, die den aktuellen "Super-Squeeze" kennzeichnen.
Laut Bloomberg sehen Analysten derzeit bei Glencore das grösste Kurspotenzial. Rund 83 Prozent der Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Bei BHP und Rio Tinto überwiegen hingegen Halteempfehlungen.
Hormus entspannt sich – der Metallengpass bleibt
Eine Entspannung rund um die Strasse von Hormus dürfte die Rohstoffmärkte kurzfristig beruhigen. Die strukturellen Engpässe bei Kupfer und Aluminium bleiben jedoch bestehen. Ursache sind Jahre zu geringer Investitionen, lange Projektlaufzeiten und die wachsende Nachfrage durch Energiewende, Elektrifizierung und künstliche Intelligenz.
Unter den grossen Bergbaukonzernen bieten BHP und Rio Tinto breit diversifizierte Engagements in den globalen Rohstoffmärkten. Glencore hebt sich durch die Kombination aus Produktion und Handel hervor und dürfte besonders stark von einem zunehmend angespannten physischen Rohstoffmarkt profitieren.
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