Aktive ETF boomen – aber bringen sie wirklich Mehrwert?
VZ Analyse
Aktive ETF gehören zu dem am meistwachsenden Segment bei passiven Produkten. Sie wollen das Prinzip von ETF mit aktiven Anlageentscheidungen verknüpfen. Doch kann eine solche Kombination funktionieren?
Publiziert vor 9 Stunden
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Der ETF-Markt entwickelt sich rasant. Allein im September wurden an der Schweizer Börse SIX 44 neue ETF kotiert. Die Mehrheit davon wird aktiv verwaltet. Auch längerfristig ist der Trend deutlich: Das Angebot an der SIX ist auf über 2300 ETF gewachsen, und inzwischen wird mehr als jeder sechste aktiv verwaltet.
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Das Versprechen klingt attraktiv: Aktive ETF bilden den Markt nicht einfach nach, sondern sollen mit gezielten Anlageentscheiden eine Mehrrendite erzielen. Davon profitieren auch Vermögensverwalter, die ihre aktiven Strategien in eine börsengehandelte Verpackung übertragen. Für Anleger ist die Verpackung aber zweitrangig. Entscheidend bleibt, ob das Management nach Kosten einen nachhaltigen Mehrwert erzielt.
Viele neue aktive ETF setzen auf Themen, Trends oder eng definierte Strategien, etwa Künstliche Intelligenz, Infrastruktur, Einkommensansätze oder einzelne Aktiensegmente. Solche Konzepte sind leicht vermittelbar, können aber zu hohen Konzentrationen führen. Zudem besteht die Gefahr, dass Anleger einem Trend erst folgen, nachdem die erwartete Entwicklung bereits in den Kursen enthalten ist.
Aktive ETF sind zwar in der Regel günstiger als traditionelle aktive Anlagefonds. Gegenüber breit diversifizierten passiven ETF bleibt jedoch oft ein deutlicher Gebührennachteil. Während Standard ETF auf globale Aktienmärkte bereits für wenige Basispunkte pro Jahr erhältlich sind, kosten aktive ETF häufig ein Mehrfaches. Der passende Vergleich ist deshalb nicht der teurere aktive Fonds, sondern eine kostengünstige passive Alternative.
Dieser Kostennachteil wirkt jedes Jahr und belastet die Rendite direkt. Das Management muss ihn zuerst aufholen, bevor überhaupt eine Mehrrendite entsteht. Eine tiefere Gebühr als bei einem klassischen aktiven Fonds macht einen aktiven ETF daher noch nicht automatisch attraktiv.
Bei vielen aktiven ETF ist die Erfolgsbilanz noch wenig aussagekräftig, weil die Produkte erst seit kurzer Zeit bestehen. Einzelne gute Jahre reichen nicht aus, um Managementqualität von Zufall, Marktumfeld oder einem begünstigten Anlagestil zu unterscheiden. Belastbare Aussagen erfordern einen vollständigen Börsenzyklus und einen Vergleich mit einem sachgerechten Referenzindex.
Grundsätzlich tragen aktive ETF dieselben Prognose- und Auswahlrisiken wie traditionelle aktive Fonds. Wer vom Markt abweicht, kann besser abschneiden, aber ebenso deutlich zurückfallen. Zudem sagt die Bezeichnung "aktiv" wenig darüber aus, wie stark ein Portfolio tatsächlich vom Markt abweicht. Ohne klare Strategie und geeigneten Vergleichsindex lässt sich die Leistung kaum beurteilen.
Auch die langfristige Bilanz aktiver Fonds mahnt zur Vorsicht. Nur ein kleiner Teil schlägt den Vergleichsindex über längere Zeiträume und nach Kosten. Noch schwieriger ist es, erfolgreiche Manager im Voraus zu erkennen. Vergangene Mehrrenditen sind deshalb kein verlässliches Auswahlkriterium.
Für die meisten Anleger bleiben breit diversifizierte und kostengünstige Index ETF deshalb die robustere Basislösung. Sie ermöglichen eine Beteiligung an der Entwicklung der globalen Aktienmärkte, ohne auf einzelne Trends, Prognosen oder Managemententscheidungen angewiesen zu sein. Aktive ETF können zwar interessante Ideen umsetzen. Ob sie den höheren Aufwand und die höheren Kosten rechtfertigen, muss sich jedoch erst noch zeigen.
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