ABB und Belimo: Tanzen, solange die Musik spielt
VZ Analyse
Die Industriekonzerne ABB und Belimo haben überzeugende Halbjahreszahlen vorgelegt. Beide profitieren von strukturellen Trends. Für Anlegerinnen und Anleger stellt sich die entscheidende Frage: Wie lange wird der gute Lauf anhalten?
Publiziert 22. Jul 2026
Autor
Stefan Müller
Funktion Anlageexperte
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SPI klar abgehängt
ABB ist ein Schwergewicht im Schweizer Aktienmarkt und gehört zu den meistgehandelten Valoren.
Aktien kaufen: Das sind die wichtigsten Kennzahlen
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Belimo hingegen ist deutlich weniger bekannt. Allerdings zu Unrecht, wie ein Blick auf den langfristigen Chartvergleich mit dem Swiss Performance Index (SPI) zeigt. Beide Aktien haben den Index deutlich hinter sich gelassen.
Die starke Kursentwicklung der beiden Unternehmen lässt sich auf drei gemeinsame Treiber zurückführen.
- Strukturelle Elektrifizierung: ABB profitiert direkt vom Ausbau und der Modernisierung der Stromnetze sowie von elektrischer Infrastruktur. Belimo wird durch die zunehmende Elektrifizierung von Gebäuden durch intelligente HLK-Lösungen (Heizung, Lüftung, Klima) unterstützt.
- Energieeffizienz: Steigende Energiekosten und verschärfte regulatorische Anforderungen sorgen für Rückenwind. Belimo ist mit effizienten Ventil-, Sensor- und Antriebslösungen direkt exponiert, während ABB über Automatisierungs- und Energiemanagementsysteme zur Effizienzsteigerung beiträgt.
- Rechenzentren: Der rasante Ausbau im Zuge von KI- und Cloud-Anwendungen treibt die Nachfrage nach leistungsfähiger Stromversorgung und präziser Kühlung. ABB liefert kritische Komponenten für die Infrastruktur und Belimo profitiert von den hohen Anforderungen, weil leistungsfähige Kühlsysteme immer wichtiger werden.
Rechenzentren entwickeln sich für beide Unternehmen zu einem strategischen Wachstumsmotor. Bei ABB stieg der Umsatzanteil aus diesem Bereich von 6,4 Prozent im Jahr 2024 auf rund 9 Prozent im letzten Jahr. Bis 2030 könnte der Anteil gemäss Schätzungen auf über 17 Prozent anwachsen. Noch ausgeprägter ist die Entwicklung bei Belimo. Bereits 2025 entfielen rund 17 Prozent des Umsatzes auf Anwendungen im Bereich von Rechenzentren. Analysten gehen davon aus, dass sich dieser Wert bis 2030 mehr als verdoppeln könnte.
Halbjahreszahlen bestätigen den guten Lauf
Diese Ausgangslage wissen beide Unternehmen auszunützen. Dies bestätigen die vorgelegten Semesterergebnisse.
ABB verbuchte bereits im vergangenen Jahr einige Rekorde. Diese dürften 2026 weiter getoppt werden. Der Auftragseingang erhöhte sich im zweiten Quartal 2026 um 28 Prozent, was gegenüber dem ersten Quartal eine weitere Beschleunigung bedeutet. Der Jahresausblick konnte mit den präsentierten Halbjahreszahlen erneut leicht angehoben werden.
Finanziell steht ABB ohnehin sehr gut da, das Unternehmen weist eine tiefe Verschuldung auf. Dies ermöglicht die 5,5 Milliarden Dollar schwere Akquisition des britischen Automatisierungsunternehmens Rotork. Es ist die grösste in der Geschichte von ABB, und sie dürfte die Profitabilität weiter verbessern.
Belimo gehört zu den wachstumsstärksten Industrieunternehmen der Schweiz. Daran lässt auch der Halbjahresabschluss keine Zweifel aufkommen. In den ersten sechs Monaten stieg der währungsbereinigte Umsatz um 20 Prozent. Dieser liegt zwar leicht unter dem Wert aus dem Vorjahr, allerdings deutlich über den Erwartungen. Trotz negativer Währungseffekte bleibt die operative Marge auf gewohnt hohem Niveau. Sie wird gestützt durch Skaleneffekte, Preisanpassungen und den vorteilhaften Produktmix.
Feine Unterschiede im Investment Case
Beide Unternehmen können seit längerem von steigenden Investitionsbudgets grosser Technologieunternehmen profitieren.
ABB agiert dabei aus einer Position der Stärke. Die letzten Jahre wurden konsequent genutzt, um eine strategische Fokussierung einzuleiten. Dies mündete in einigen Abspaltungen von Bereichen wie der Robotik oder dem Geschäft mit Turbolader. Das Resultat sind deutliche Verbesserungen bei der operativen Marge, die bis 2028 auf über 22 Prozent steigen dürfte.
Belimo gilt derweil als klassischer «Pure Player» für energieeffiziente Gebäudetechnik. Das Unternehmen fokussiert sich auf eine klare Nischenführerschaft. Die hohe Innovationskraft führt zu einer grossen Preissetzungsmacht. Dank geringer Fertigungstiefe darf das Geschäftsmodell als Asset-Light bezeichnet werden, was hohe Kapitalrenditen ermöglichen. Die Profitabilität ist daher schon immer überzeugend gewesen.
Fazit
Sowohl ABB als auch Belimo sind in Bestform. Dieser Eindruck hat sich mit den Halbjahreszahlen verstärkt. Die Dynamik dürfte aufgrund der strukturellen Treiber weiter anhalten. Da beide Unternehmen viele Qualitätsmerkmale aufweisen, sind die Aktienkurse zurecht massiv gestiegen.
Nach den kräftigen Kursavancen müssen aber selbst gute Zahlen nicht mehr automatisch zu weiteren Kursgewinnen führen. Das zeigte sich in beiden Fällen unmittelbar nach der Ergebnispräsentation. Nebst Gewinnmitnahmen hat dies auch mit der mittlerweile anspruchsvollen Bewertung zu tun. Anlegerinnen und Anleger sollten sich davon aber nicht abschrecken lassen. Für ein langfristiges Engagement sprechen für beide Unternehmen die solide Bilanz und die Profitabilität.
Ebenso überzeugen beide Unternehmen bei der Rendite auf dem investierten Kapital (ROIC). Bei ABB lag diese zuletzt bei über 20 Prozent und Belimo weist sogar hohe 28 Prozent aus. Für Industrieunternehmen sind dies gute bzw. aussergewöhnlich gute Werte. Das verdeutlicht, dass das Kapital effizient eingesetzt wird. Langfristig dürfte es sich deshalb auszahlen, dabeizubleiben.
In einem ausgewogenen Portfolio gibt es daher weiterhin Platz für beide Aktien. Dennoch kann es sich lohnen, die Positionen konsequent einem Rebalancing zu unterziehen und die Positionsgrössen aufgrund der Kursperformance anzupassen. Bei Depots mit einer Untergewichtung des Schweizer Industriesektors können Kursrückschläge wie jene nach den Semesterzahlen gezielt für einen strategischen Aufbau genutzt werden.
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