50 Jahre passive Geldanlage – eine Erfolgsgeschichte
VZ Analyse
ETF und Indexfonds eignen sich sehr gut für die langfristige Geldanlage. Sie sind kostengünstig, diversifiziert und ermöglichen die Rendite eines Marktes abzubilden. Auch wenn sie erst in den vergangenen Jahren breitere Bekanntheit erlangt haben, blicken sie bereits auf eine 50-jährige Geschichte zurück.
Publiziert 2. Sep 2026
Autor
Florian Estermann
Funktion Anlageexperte
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Diese Woche wird ein Jubiläum gefeiert: Vor 50 Jahren, konkret am 31. August 1976, wurde der Vanguard 500 Index Fund lanciert. Damals hätten wohl nur wenige Experten erwartet, dass sich Indexfonds zu einer grossen Erfolgsgeschichte entwickeln würden.
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Der Fonds geht auf eine Idee des US-Investors John Bogle zurück. Sein Ziel war es, einen Aktienindex möglichst kostengünstig mittels eines Fonds nachzubilden und diesen Fonds auch Privatanlegern zugänglich zu machen. Mit diesem Ziel vor Augen gründete er Vanguard, heute eine der grössten Fondsgesellschaften der Welt.
Die Anfänge des passiven Investierens
Der 1976 von Vanguard lancierte Fonds investierte in die 500 grössten US-Unternehmen. Da der Fonds auch Privatanlegern offenstand, konnten erstmals breite Bevölkerungsschichten bereits mit vergleichsweise kleinen Geldbeträgen breit diversifiziert in den US-Aktienmarkt investieren. Diesen Vanguard-Fonds gibt es auch heute noch in den USA. Seit seiner Auflegung erzielte er eine jährliche Rendite von über 10 Prozent. Ein vergleichbares Produkt wurde inzwischen von Vanguard auch in Europa lanciert (Vanguard U.S. 500 Stock Index Fund).
Der erste Indexfonds der Welt wurde fünf Jahre zuvor von der US-Grossbank Wells Fargo aufgelegt: der Samsonite Pension Fund. Dieser bildete die damals 1500 an der New York Stock Exchange gelisteten Einzelwerte ab. Kaufen konnten den Fonds aber nur institutionelle Investoren. Der erste Indexfonds auf Schweizer Aktien kam im Jahr 1989 auf den Markt und kann heute noch gehandelt werden (UBS 100 Index-Fund Switzerland).
Anfänglicher Gegenwind
Bogle musste zunächst viel Kritik aus der Branche einstecken. Denn der passive Ansatz unterschied sich völlig von dem damals verbreiteten aktiven Fondsmanagement, mittels taktischer Entscheidungen besser als ein Vergleichsindex (Benchmark) abzuschneiden. Bogles Indexfonds wurde daher Mittelmässigkeit unterstellt, denn mehr als die Benchmark-Rendite lag für den Anleger nicht drin – aber auch nicht weniger. Und das wiederum stellte sich als ein entscheidender Vorteil heraus. Denn viele aktive Fonds schaffen es auf die Dauer nicht, die Benchmark nach Abzug der Kosten zu schlagen.
Bogles Fonds war den damaligen Konkurrenten auch deshalb ein Dorn im Auge, weil er seinen Kunden tiefe Kommissionen in Rechnung stellte und die Fondsanteile zudem direkt an die Anleger verkaufte – damals übliche Provisionen für Mittelsmänner fielen dadurch weg. Bis heute zeichnen sich Indexfonds durch ihre tiefen Kosten aus.
Der nächste Meilenstein bei den passiven Anlagefonds wurde 1993 erreicht: Dann startete mit dem Standard & Poors Depositary Receipt (auch Spider genannt) der erste kommerziell erfolgreiche ETF an der US-Börse. Dieser ETF konnte – im Gegensatz zu Indexfonds – wie börsenkotierte Aktien einfach und effizient während des gesamten Börsentags gehandelt werden. Heute ist auch eine Version dieses ETF an der Schweizer Börse erhältlich (State Street SPDR S&P 500 UCITS ETF).
Im Frühjahr 2000 kamen dann in der Schweiz die ersten ETF in den Handel. Diese bildeten den Euro Stoxx 50 Index ab (iShares Core EURO STOXX 50 UCITS ETF EUR (Dist)). Seitdem erlebte der ETF-Markt ein rasantes Wachstum, vor allem in den vergangenen zehn Jahren. So ist die Anzahl ETF an der Schweizer Börse auf 2282 Produkte angestiegen.
Seit der Öffnung für Privatanleger Mitte der 2010er Jahre erlebt auch der Schweizer Indexfondsmarkt ein grosses Wachstum. Inzwischen sind über 700 Produkte für Privatanleger verfügbar.
Durch das Wachstum stehen Anlegern mittlerweile für Anlageklassen wie Aktien, Obligationen oder Immobilien zahlreiche ETF und Indexfonds zur Verfügung. Allerdings variiert die Anzahl Produkte je nach Anlageklasse stark. Die meisten in der Schweiz für Privatanleger zugelassene ETF und Indexfonds beziehen sich auf die Anlageklasse Aktien Ausland und Obligationen Ausland. Ob ein ganzes Portfolio jedoch nur mit passiven Anlagefonds aufgebaut werden soll, hängt letztendlich auch vom Anlageziel des Anlegers ab.
Die Kehrseite des Erfolgs
Die steigende Produktanzahl auf dem ETF-Markt führt zu einer immer grösseren Vielfalt und Komplexität auf dem Markt, die für Anleger zunehmend schwerer zu durchblicken ist. ETF-Fondsanbieter werden immer innovativer, was mögliche Kategorisierungsmöglichkeiten ihrer Produkte angeht. Zu den neueren Trends auf dem ETF-Markt gehören beispielsweise Produkte auf Nachhaltigkeits- und Themenindizes sowie aktive ETF. Indexfondsanbieter hingegen decken vor allem klassische Indizes ab.
Das starke Wachstum und die sinkenden Gebühren von passiven Fonds haben dazu geführt, dass es für Anleger immer wichtiger, aber auch immer anspruchsvoller wird, sich vor dem Kauf seriös und detailliert zu informieren.
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