Vergessene Aktien: Wenn Marktführer aus dem Depot verschwinden

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Einstige Milliarden-Ikonen wie Weight Watchers oder Kudelski haben heute massiv an Relevanz und Börsenwert verloren. Wo einst visionäre Wachstumsträume gehandelt wurden, dominiert heute die harte Realität schrumpfender Margen.

Publiziert 2. Jul 2026

Autor

Roman Gfeller

Funktion Anlageexperte

Es gab eine Zeit, da prägte das Zählen von "Weight-Watchers-Punkten" das globale Konsumverhalten. Doch heute spricht kaum noch jemand davon. Während der Name aus dem täglichen Sprachgebrauch verschwindet, vollzieht sich an den Finanzmärkten parallel ein radikaler Wertverfall der dazugehörigen Papiere. Diese schleichende Entwicklung betrifft ehemalige Branchenführer, deren Abstieg durch technologische Disruptionen, verpasste Digitalisierung oder neue Kundentrends ausgelöst wird.

An den Handelsplätzen führt diese Entwicklung zu Kursen im Pennystock-Bereich und schwindendem Analysteninteresse. Eine ehemals immense Markenbekanntheit ist somit keine Garantie für ein nachhaltiges Geschäftsmodell an der Börse, wie die folgenden Beispiele veranschaulichen.

Tupperware

Das in den 1940er-Jahren gegründete Unternehmen revolutionierte mit seinen luftdichten Kunststoffdosen die Lebensmittelaufbewahrung. Der Erfolg basierte jahrzehntelang auf dem Direktvertrieb über private Verkaufsveranstaltungen. Dieses Modell wurde jedoch zum strategischen Nachteil, da das Management den Übergang zum modernen Online-Handel versäumte und jüngere Käufergruppen zu günstigeren Alternativen der Konkurrenz griffen. Im September 2024 meldete der Konzern schliesslich Insolvenz an. In der Folge wurde das Unternehmen von den Gläubigern übernommen und flog von der offiziellen New Yorker Hauptbörse. Die Aktie ist jedoch nicht vollständig verschwunden: Sie wird nach wie vor als hochspekulatives Papier im ausserbörslichen Handel weitergeführt.

Fossil

In den 1990er- und 2000er-Jahren etablierte sich die Fossil Group über modische Quarzuhren und Lizenzverträge mit grossen Modemarken im globalen Lifestyle-Segment. Mit dem Markteintritt der Apple Watch im Jahr 2015 veränderte sich der Markt strukturell. Die klassische Armbanduhr verlor als reiner Zeitmesser an Bedeutung, während Smartwatches das Handgelenk als technologische Accessoires eroberten. Fossil versuchte mit eigenen Hybrid-Modellen zu kontern, verlor jedoch den technologischen Anschluss. Die Aktie verzeichnete einen Kurseinbruch von über 95 Prozent und notiert seither im tiefen einstelligen Dollarbereich.

Kudelski

Das waadtländische Unternehmen Kudelski, bekannt für ihre Nagra-Tonbandgeräte und Verschlüsselungssysteme, prägte jahrzehntelang die Schweizer und internationale Fernsehlandschaft. Das Kerngeschäft bestand im Schutz digitaler TV-Inhalte für Satelliten- und Kabelnetzbetreiber. Mit dem unaufhaltsamen Siegeszug globaler Streaming-Plattformen verlor dieses physische Verschlüsselungsmodell drastisch an Boden. Trotz Restrukturierungen und dem Ausbau der Cybersicherheitssparte gelang es dem Unternehmen nicht, die alten Umsatzdimensionen zu halten. An der Schweizer Börse schrumpfte die Aktie von einst über 240 Franken auf rund einen Franken.

Weight Watchers

Seit 1963 galt Weight Watchers als feste Grösse in der Diät-Industrie, basierend auf einem Punktesystem und regelmässigen Gruppentreffen. Der Niedergang des Unternehmens begann jedoch schon Jahre vor dem aktuellen Spritzen-Boom. Mit dem Aufkommen von kostenlosen Fitness-Apps, modernen Social-Media-Trends und neuen Ernährungsformen verlor das traditionelle Konzept bereits seit den 2010er-Jahren kontinuierlich an Boden. Dem Konzern gelang es nicht, sein gebührenpflichtiges Modell gegen die digitale Konkurrenz erfolgreich zu verteidigen. Das jüngste Aufkommen von medizinischen Abnehmspritzen wirkte schliesslich wie ein Beschleuniger in einer ohnehin tiefen, strukturellen Krise. Die Aktie stürzte in der Folge auf historische Tiefststände ab und verbleibt seither in einer anhaltenden Existenzkrise.

Beyond Meat

Beim Börsengang im Jahr 2019 galt Beyond Meat als Pionier der pflanzlichen Ernährung und löste einen globalen Hype aus. Die Burger-Patties und Würstchen des Unternehmens waren in aller Munde und besetzten schnell die Regale des europäischen und internationalen Detailhandels. Der anfängliche Wachstumsschub flachte jedoch stark ab, als die Inflation stieg und Konsumenten vermehrt zu günstigeren Eigenmarken der Supermärkte oder wieder zu echtem Fleisch griffen. Die Nachfrage brach ein, während hohe Produktionskosten und anhaltende Verluste die Liquidität belasteten. An der Börse stürzte der einstige Vorzeigetitel von über 200 Dollar auf unter einen Dollar ab und verlor seine einstige Relevanz fast vollständig.

GoPro

Mit der Entwicklung robuster Action-Kameras schuf GoPro eine neue Produktkategorie, die bei der Einführung an der Börse im Jahr 2014 stark gefragt war. Das Geschäftsmodell stiess jedoch an Grenzen, da die Geräte eine hohe Langlebigkeit aufwiesen und Neukäufe ausblieben. Parallel dazu verbesserten Smartphone-Hersteller die Kamera- und Gehäusetechnologie ihrer Geräte so weit, dass separate Zusatzkameras für die breite Masse obsolet wurden. Nach strategischen Fehltritten im Drohnensegment steht das Unternehmen vor existenzbedrohlichen Risiken, während die Aktie unter einem Dollar notiert.

Ein bekannter Name im Alltag schützt an der Börse nicht vor dem Absturz. Selbst grosse Marktführer können durch neue Technologien oder veränderte Trends schnell an Relevanz verlieren. Wer beim Investieren alles auf eine einzige Aktie setzt, geht daher ein hohes Klumpenrisiko ein. Für einen nachhaltigen Vermögensaufbau ist es entscheidend, das Kapital breit auf verschiedene Branchen und Länder aufzuteilen. Eine breite Verteilung des Kapitals schützt das Gesamtdepot vor existenziellen Verlusten, die der plötzliche Verfall einzelner Traditionsunternehmen mit sich bringen kann.

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