VZ Analyse
Die UBS profitiert von einem starken Umfeld und hohen Gewinnen. Gleichzeitig wächst der politische Druck. Was bedeuten strengere Kapitalanforderungen und weitere Massnahmen für die Anleger?
Publiziert vor 4 Stunden
Beschreibung
US-Banken und ihre europäischen Pendants haben in den vergangenen Wochen sehr starke Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Teilweise erzielten die Institute sogar neue Rekordergebnisse. Höhere Handelsumsätze dank gestiegener Kurse und einer erhöhten Volatilität, steigende Gebühren im Investmentbanking sowie eine stärkere Dynamik bei Fusionen und Übernahmen trieben die Gewinne. Jamie Dimon, CEO von JPMorgan, bezeichnete das Umfeld gar mit den Worten: "Besser geht’s nicht".
Auch die UBS profitiert von diesen Bedingungen. Im zweiten Quartal erzielte sie einen Gewinn von 2,8 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Vor allem das starke Handelsgeschäft und das Investmentbanking leisteten einen wesentlichen Beitrag zum Ergebnis. Gleichzeitig steigerte die Grossbank die verwalteten Vermögen deutlich und verbuchte Netto-Neugelder von 35,5 Milliarden Dollar.
Das starke Quartal reiht sich damit in eine Serie guter Ergebnisse ein. Operativ läuft es für die UBS ausgesprochen gut. Doch genau in dieser Phase nimmt der politische Druck zu. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Können strengere Vorgaben den guten Lauf bremsen und die UBS gegenüber ihren internationalen Konkurrenten ins Hintertreffen bringen?
Höhere Anforderungen, weniger Spielraum
Im Zentrum der politischen Diskussion stehen weiterhin die Eigenkapitalanforderungen. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob die UBS ihre Beteiligungen an ausländischen Tochtergesellschaften künftig vollständig mit hartem Eigenkapital unterlegen muss. Aus Sicht des Bundesrats sind solche Beteiligungen heute zu wenig abgesichert. Der Zusammenbruch der Credit Suisse habe diese Schwachstelle deutlich gemacht.
Für die UBS könnte die Verschärfung bedeuten, dass sie rund 20 Milliarden Dollar zusätzliches hartes Kernkapital, sogenanntes CET1-Kapital, halten muss. Dieses Kapital steht dann nicht mehr für andere Zwecke zur Verfügung. Das könnte die Eigenkapitalrendite belasten und den Spielraum für Ausschüttungen oder weiteres Wachstum einschränken.
Die UBS warnt deshalb vor einem Wettbewerbsnachteil gegenüber ausländischen Banken. Besonders brisant ist, dass sich die Regulierung in den USA derzeit in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Dort wurden Anforderungen für Grossbanken bereits teilweise gelockert, weitere Erleichterungen stehen zur Diskussion. Während die UBS also mehr Kapital vorhalten könnte, erhalten einige ihrer wichtigsten Konkurrenten zusätzlichen Spielraum.
Bedeutung der UBS ist gestiegen
Aus Sicht der Schweizer Politik sprechen dennoch gewichtige Gründe für strengere Vorgaben. Mit der Übernahme der Credit Suisse ist die UBS nochmals deutlich grösser geworden. Gleichzeitig ist ihre Bedeutung für die Schweizer Volkswirtschaft und den Finanzplatz gestiegen.
Der Bund will deshalb die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems stärken. Dazu gehört die geplante Anpassung der Too-Big-To-Fail-Regulierung. Im August startete die Vernehmlassung zu Änderungen des Bankengesetzes und der Liquiditätsverordnung.
Die Reform geht dabei weit über höhere Kapitalanforderungen hinaus. Banken sollen Verantwortlichkeiten innerhalb des Unternehmens klarer festhalten. Dadurch lässt sich bei Fehlverhalten besser nachvollziehen, wer dafür verantwortlich war. Gleichzeitig sind Anpassungen bei den Vergütungssystemen geplant, um Anreize für übermässige Risiken zu reduzieren. Für hohe variable Vergütungen sind längere Sperrfristen und Rückforderungen vorgesehen.
Auch die FINMA soll mehr Möglichkeiten erhalten. Die Aufsichtsbehörde soll früher und wirksamer eingreifen können, wenn sich Risiken abzeichnen. Dazu gehören auch stärkere Eingriffsmöglichkeiten bei Vergütungen.
Daneben soll die Liquiditätsversorgung im Krisenfall verbessert werden. Banken sollen Sicherheiten einfacher an die Schweizerische Nationalbank übertragen können. Dadurch könnte die SNB bei Bedarf schneller zusätzliche Liquidität bereitstellen.
Der Fall Credit Suisse wirkt nach
Viele dieser Reformen sind eine direkte Folge des Zusammenbruchs der Credit Suisse. Die Politik will verhindern, dass sich ein solcher Fall wiederholt. Gleichzeitig stellt sich angesichts der heutigen Grösse der UBS eine zentrale Frage: Lässt sich eine Bank dieser Dimension im Ernstfall überhaupt geordnet stabilisieren oder abwickeln?
Genau deshalb versucht die Politik, mögliche Schwachstellen bereits im Voraus zu beseitigen. Die Vernehmlassung läuft bis zum 19. November. Im Zentrum steht dabei ein schwieriger Balanceakt: Der Schweizer Finanzplatz soll stabiler werden, ohne die internationale Wettbewerbsfähigkeit der UBS zu stark zu schwächen.
Für Anleger gewinnt diese Debatte zunehmend an Bedeutung. Die UBS hat in den vergangenen Quartalen gezeigt, dass sie in einem günstigen Marktumfeld hohe Gewinne erwirtschaften kann. Einen Teil zusätzlicher regulatorischer Belastungen dürfte sie deshalb verkraften. Entscheidend ist aber nicht nur, wie viel die Bank verdient. Ebenso wichtig ist, wie viel Kapital sie dafür einsetzen muss und wie viel davon am Ende an die Aktionäre zurückfliesst.
Die UBS will weiterhin einen Teil ihrer Gewinne ausschütten. Zuletzt kündigte sie ein neues Aktienrückkaufprogramm im Umfang von drei Milliarden Dollar bis Mitte des kommenden Jahres an. Gleichzeitig machte die Bank deutlich, dass Umfang und Zeitpunkt der Rückkäufe auch von den politischen Entscheidungen abhängen.
Darin zeigt sich der zentrale Konflikt: Operativ könnte das Umfeld für die UBS kaum besser sein. Politisch steht die Bank jedoch vor Entscheidungen, die ihre Profitabilität und ihre Ausschüttungsmöglichkeiten auf Jahre hinaus prägen könnten.
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