Tech-Werte unter Druck - KI- und Wachstumssorgen

Börsenbericht New York

vor 2 Stunden

Beschreibung

NEW YORK (awp international) - Eine neu aufgeflammte Sicherheitsdebatte über Künstliche Intelligenz (KI) dürfte die US-Technologieaktien am Montag stark belasten. Skeptisch äusserten sich insbesondere prominente Vertreter der KI-Branche.

Nach dem Schock eigenständiger KI-Hacking-Attacken sei er besorgt, dass ein KI-Schwarm in sechs bis zwölf Monaten in der Lage sein könnte, das gesamte Internet zu übernehmen und potenziell Hunderte Milliarden US-Dollar Schaden zu verursachen, fürchtet etwa Dario Amodei, Chef des KI-Unternehmens Anthropic. Er rief die Branche dazu auf, die Entwicklung ihrer leistungsfähigsten Modelle zu verlangsamen.

Aufkommende Forderungen nach einer Regulierung der KI-Technologie wirkten sich bereits in Asien negativ aus. Rund eine Dreiviertelstunde vor Handelsbeginn in New York sieht der Broker IG den technologielastigen Index Nasdaq 100 1,7 Prozent niedriger bei 28.860 Punkten.

Die Indikation für den mit Standardwerten bestückten Dow Jones Industrial lag 0,4 Prozent im Minus. Der Leitindex litt damit hauptsächlich unter dem wieder steigenden Ölpreis, der Konjunktur- und Inflationsängste schürte.

Am Wochenende hatte es einige Rückschläge für den Ölmarkt gegeben. So setzt der Krieg im Nahen Osten den weltgrössten Ölexporteur Saudi-Arabien heftig unter Druck. Nach der iranischen Blockade der Strasse von Hormus und der zunehmenden Bedrohung der Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthi-Miliz im Jemen muss das Königreich nach Drohnenangriffen auch eine wichtige Pipeline abschalten. Zudem wurde das für diesen Montag geplante Aussenministertreffen der Staaten am Persischen Golf im Oman verschoben.

Unter den Einzelwerten gerieten primär Aktien von Halbleiterkonzernen wie Nvidia , Micron , Intel oder Marvell Technology unter Druck. Sie wiesen im vorbörslichen US-Handel Kursverluste im Grössenbereich von gut zwei bis fast acht Prozent auf.

Experte Timothy Arcuri von der Bank UBS sprach von einem "neuen, erheblichen Risikofaktor", der in der Chipbranche die Aussichten trübe. Er glaubt zwar nicht an das Argument, dass es zu einer massiven, fundamentalen Verlangsamung der Bewegung kommen wird. Führende KI-Labore hätten schliesslich erst kürzlich weitreichende neue Infrastruktur-Investitionen auf den Weg gebracht. Um die Erwartungen zu erfüllen, müsse man aber "von einem ausgesprochen positiven Szenario für den Infrastrukturausbau ausgehen".

Von den Sorgen wegen des Tempos der KI-Entwicklungen profitierten hingegen die Anteilsscheine von Unternehmen im Bereich der Cybersicherheit. Damit gewannen die Aktien von Okta , Palo Alto und Crowdstrike zwischen vier und fünf Prozent./la/stw