Stadler Rail: Hält die Kurserholung an?

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VZ Chartanalyse

Die Aktien von Stadler Rail haben seit dem Frühling einen starken Lauf. Aus charttechnischer Sicht überwanden die Titel nun eine seit Jahren gültige Abwärtslinie und könnten vor einem nachhaltigen Wendepunkt stehen.

Publiziert 6. Jul 2026

Autor

Andreas Paciorek

Funktion Anlageexperte

Nach einer langen Talfahrt zeigt die Aktie des Ostschweizer Zugherstellers wieder Lebenszeichen: Seit dem Jahreswechsel hat der Titel an der SIX rund 21 Prozent zugelegt und notiert zuletzt bei rund 25 Franken – nach einem Jahrestief von 17.30 Franken im März. 

Für zusätzlichen Auftrieb sorgte jüngst die Meldung, dass Stadler Rail die S-Bahnen für Berlin bauen kann – das Auftragsvolumen für das Konsortium von Stadler, Siemens und der Deutschen Bahn liegt bei 15 Milliarden Euro. Zuvor hatte Alstom seinen Widerstand aufgegeben und verkündet, auf weitere Rechtsmittel zu verzichten. 

Die Konstellation ist reizvoll: prall gefüllte Auftragsbücher treffen auf hartnäckige Skepsis vieler Investoren. 

Rekordbücher und ehrgeizige Ziele 

Stadler Rail mit Sitz in Bussnang TG gehört zu den bedeutendsten Systemanbietern im Schienenfahrzeugbau. Unter Verwaltungsratspräsident und Grossaktionär Peter Spuhler baute das 2019 an die Börse gebrachte Unternehmen eine breite Palette auf – von Hochgeschwindigkeits- und Intercity-Zügen über Regio-, S- und U-Bahnen bis zu Trams und Lokomotiven. Bei alternativen Antrieben (Batterie- und Wasserstoffzüge) sieht sich der Konzern als Weltmarktführer. 

Operativ läuft es rund: 2025 stieg der Umsatz um 13 Prozent auf 3,7 Milliarden Franken, der Reingewinn verdoppelte sich auf 100,7 Millionen Franken, und die EBIT-Marge (operative Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern) verbesserte sich auf 4,4 Prozent. Befeuert durch einen S-Bahn-Grossauftrag aus Kopenhagen kletterte der Auftragsbestand auf den Rekordwert von 32,3 Milliarden Franken. 

Der Auftragsbestand entspricht fast dem Neunfachen des 2025 erzielten Jahresumsatzes und verschafft Stadler eine für Industrieunternehmen aussergewöhnlich hohe Visibilität über mehrere Jahre. Für 2026 peilt das Management über 5 Milliarden Franken Umsatz und eine EBIT-Marge von über 5 Prozent an – 95 Prozent davon stehen bereits in den Büchern. 

Wo die Story Risse zeigt 

Dem stehen handfeste Baustellen gegenüber. Der freie Cashflow (der nach Investitionen verbleibende Mittelzufluss) rutschte 2025 ins Minus, und der Finanzchef erwartet auch für 2026 noch kein positives Nettoumlaufvermögen. Hinzu kommen technische Rückschläge – 25 Fahrzeuge des Modells TINA müssen wegen Lärm- und Vibrationsmängeln auf eigene Kosten nachgerüstet werden – sowie eine der höchsten Leerverkaufsquoten (Wetten auf fallende Kurse) im Markt. 

Entsprechend gespalten zeigen sich die Analysten: Das durchschnittliche Kursziel liegt mit aktuell 23.50 Franken unter dem aktuellen Kurs, die Spanne reicht von rund 19.40 bis 28.60 Franken. Wer hier investiert, setzt also weniger auf eine Unterbewertung als auf das Gelingen des Turnarounds. Nächster Prüfstein sind die Halbjahreszahlen am 26. August. 

Was sagt der Chart? 

Im Wochenchart zeichnet sich eine mögliche Bodenbildung ab: Nach dem Absturz vom Allzeithoch aus dem Jahr 2020 und mehrjähriger Abwärtsphase pendelt der Kurs seit Ende 2024 in einer Seitwärtsspanne. 

Zwei Signale verdienen Beachtung. Erstens hat der Kurs die 40-Wochen-Linie (blau) (ein gleitender Durchschnitt über 40 Wochen, hier als Näherung für die viel beachtete 200-Tage-Linie verwendet) zurückerobert – was als Zeichen eines sich verbessernden mittelfristigen Trends gewertet werden kann. Zweitens hat der Titel die Abwärtstrendlinie, die seit 2021 die fallenden Zwischenhochs verbindet, nach oben überwunden. Das hellt das Bild deutlich auf. 

Als nächste Orientierungsmarke und Widerstandszone rückt nun die Zone 25 bis 26 Franken in den Fokus (eine frühere Unterstützung, die nach ihrem Bruch als Widerstand fungiert). Darüber eröffnet sich der Aktie – aus charttechnischer Sicht – ein erhebliches Aufwärtspotenzial bis in den Bereich von 34 bis 37 Franken.

Der MACD (Trendfolge-Indikator aus zwei gleitenden Durchschnitten) zeigt ein sehr konstruktives Bild. Das Momentum stimmt, es sollte aber immer mit Rücksetzern gerechnet werden, die bis zur überwundenen Abwärtstrendlinie sowie 40-Wochen-Linie (beide um 21 Franken) das Chartbild überhaupt nicht eintrüben würden. Fällt der Kurs aber nachhaltig darunter, wäre der Ausbruch vorerst gescheitert und das Jahrestief um 17.30 Franken rückte zurück in den Fokus. 

Einordnung: Für wen ist Charttechnik relevant? 

Charttechnische Analysen wie diese richten sich vor allem an Anleger mit kürzerem Horizont oder an jene, die ihre Entscheide mit zusätzlichen Marktsignalen absichern möchten – sie ersetzen aber keine langfristige Strategie. Gerade bei einem volatilen Einzeltitel wie Stadler Rail, dessen Kurs stark am Gelingen des Turnarounds hängt, gilt: Für langfristig orientierte Anleger zählt nicht die Wette auf einen einzelnen Titel, sondern eine breit diversifizierte Aufstellung, die Rückschläge historisch abgefedert und sich über die Zeit nach oben entwickelt hat. 

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