Ausblick Holcim
vor 2 Stunden
Beschreibung
Zug (awp) - Nach dem Kaltstart im ersten Quartal dürfte sich Holcim im Frühling gesteigert haben. Allerdings wird es wohl nicht reichen, um den Rückstand aus dem Startquartal zu kompensieren. Analysten erwarten eine Bestätigung der Jahresziele.
Der Zementhersteller gibt am Freitag, 31. Juli, das Geschäftsergebnis zum ersten Halbjahr 2026 bekannt. Insgesamt zwölf Analysten haben zum AWP-Konsens beigetragen.
H1 2026 (in Mio Fr.) AWP-Konsens H1 2025 Umsatz 7'795 7'871 Wiederkehrender EBIT 1'391 1'440 - Marge (%) 17,8 18,3
Wie läuft das Geschäft?
Holcim dürfte im ersten Halbjahr leicht weniger Umsatz und operativen Gewinn erzielt haben. Schuld ist der kalte Winter, der die Baustellen in der grössten Region Europa (mehr als die Hälfte des Umsatzes) im Januar und Februar gelähmt hat. Danach ging es dank der Wetterbesserung wieder aufwärts.
Im zweiten Quartal wird Holcim nach Schätzungen von Analysten etwas mehr Umsatz und ganz leicht mehr wiederkehrenden Betriebsgewinn eingefahren haben. In Europa sollte die Nachfrage in den wichtigen Märkten Deutschland, Frankreich, Schweiz und Osteuropa zugelegt haben, während in Grossbritannien der Krebsgang angehalten haben wird. Die Frage stellt sich, wie stark sich die Hitzewellen ausgewirkt haben.
Die höheren Kosten für Energie, Transport und Material wird Holcim über Preiserhöhungen an die Kunden überwälzt haben. Zudem kommen immer mehr alternative Energien zum Einsatz. In Lateinamerika wird der Aufschwung in Mexiko und Peru angehalten haben, während andere Länder durchzogene Geschäfte erlebt haben könnten. Auch in Nordafrika und Australien wird eine weitere Steigerung erwartet.
Welche Rolle spielen Akquisitionen und Verkäufe?
Eine Rolle spielen auch Käufe und Verkäufe von Geschäftsfeldern. Die Übernahme von Cementos Pacasmayo in Peru und Xella in Deutschland wird den Umsatzrückgang durch den Verkauf der Geschäfte in Nigeria, Jordanien sowie im Irak mehr als kompensieren. Allerdings fällt die Profitabilität von Pacasmayo während der Integrationsphase geringer aus als das hochmargige Geschäft in Nigeria, was zu einem Margendruck führt. Die Übernahme soll Synergien von rund 40 Millionen US-Dollar ab dem dritten Jahr bringen.
Zudem baut Holcim das Geschäft in Kolumbien mit dem Kauf der Baustoff- und Baulösungsaktivitäten von Cemex aus. Die übernommenen Einheiten sollen im Jahr 2026 einen Nettoumsatz von rund 360 Millionen Dollar erzielen. Der Zukauf soll bereits im ersten Jahr den Gewinn je Aktie erhöhen.
Und Holcim will die Einkaufstour fortsetzen. "Xella ist nicht der Endpunkt. In Building Solutions wird noch viel passieren", sagte Verwaltungspräsident Kim Fausing im Mai in einem Interview. Es sei "durchaus möglich", dass Holcim in diesem Jahr weitere grössere Transaktionen unterzeichnen werde. Der Schwerpunkt liege aber aktuell auf der Integration der bereits abgeschlossenen Deals.
Wie stark wirkt sich der Iran-Krieg aus?
Der Iran-Krieg dürfte nur begrenzte Auswirkungen auf das Konzernergebnis haben. Die direkte Exposition von Holcim im Mittleren Osten ist gering. Laut Konzernchef Miljan Gutovic erzielt Holcim nur 1,5 Prozent des Konzernumsatzes in der Region. "Ausserhalb des Mittleren Ostens haben wir keinen negativen Einfluss durch den Krieg auf unsere Geschäfte gesehen", sagte Gutovic Ende April bei der Vorlage der Quartalszahlen. Der Holcim-Chef sah auch keine Verlangsamung von Bauprojekten als Folge des Konflikts.
Welche Ziele strebt Holcim an?
An den bisherigen Zielen hielt Holcim im April fest: Im Geschäftsjahr 2026 erwartet das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 3 bis 5 Prozent in lokaler Währung. Der wiederkehrende EBIT soll gleichzeitig um 8 bis 10 Prozent in lokaler Währung zulegen. Die entsprechende Marge soll weiter steigen. Im zweiten Halbjahr dürften die Aufträge aus dem riesigen deutschen Infrastrukturprogramm hereinkommen und Rückenwind verleihen.
Zudem peilt Holcim einen Free Cashflow von rund 2 Milliarden Franken an. Darüber hinaus soll das Geschäft mit recycelten Bau- und Abbruchmaterialien um über 20 Prozent wachsen. Analysten rechnen mit einer Bestätigung der Jahresziele.
Wie läuft die Aktie?
Nach dem Kurssturz durch den Iran-Krieg sowie die geplante Reform des EU-Emissionshandelssystems (ETS) hat sich die Holcim-Aktie wieder gefangen. Allerdings konnte sie nicht mehr an ihr Jahreshoch von 82,54 Franken anschliessen. Aktuell wird der Titel zu 73,90 Franken gehandelt. Das macht ein Minus von rund 5 Prozent seit Jahresbeginn, während der Gesamtmarkt SMI knapp 10 Prozent zugelegt hat.
Website: www.holcim.com
lh/jb