SMI auf Rekordjagd: Wie weit trägt der Höhenflug noch?

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VZ Chartanalyse

Der Swiss Market Index hat diese Woche ein neues Allzeithoch erreicht. Doch wie weit kann der Index noch steigen – und welche Marken muss er jetzt verteidigen?

Publiziert 26. Jun 2026

Autor

Andreas Paciorek

Funktion Anlageexperte

Der Schweizer Leitindex SMI hat am Donnerstag erstmals über 14'200 Punkte geschlossen und damit den höchsten Stand seiner Geschichte markiert. Getragen wird die Schweizer Börse aktuell vor allem mit seinen defensiven Schwergewichten aus Pharma und Konsum und spielt so seine Stärke als sicheren Hafen aus.

Bemerkenswert ist, dass die meisten Bankprognosen für das Jahresende damit bereits überholt sind: Die UBS sah den SMI zu Jahresbeginn bei 13’600 Punkten – die Marke hat der Index längst eingeholt.

Im April aktualisierte das Global Wealth Management der UBS seinen Marktausblick und erhöhte das Kursziel auf 14'000 Punkte. Im Rahmen ihres "Upside Szenarios" traut die Grossbank dem SMI bis zum Jahresende sogar 15'000 Punkte zu. Voraussetzung dafür sei, dass ein weltweiter Wirtschaftsabschwung ausbleibt, die Nachfrage in Europa im späteren Jahresverlauf etwas anzieht und die Dollar-Schwäche ein Ende findet. Die aktuelle Entwicklung spielt dem SMI in die Karten.

Gleichzeitig ist es eine auffällige Rotation an der Börse: Während der SMI im Aufwärtstrend ist und der breiter aufgestellte Dow Jones sich nahe seinen Rekordständen hält, gab der technologielastige Nasdaq 100 zuletzt deutlich nach – und auch der Bitcoin stand unter Druck. Diese Entwicklung passt ins Gesamtbild: Anleger haben zuletzt vorübergehend aus heiss gelaufenen KI- und Tech-Titeln in defensive Qualität umgeschichtet. 

Genau hier spielt der SMI mit seinen Schwergewichten aus Pharma und Konsum seine Stärke als "sicherer Hafen" aus. 

Was sagt der Chart? 

Ein Blick auf den Wochenchart zeigt klar: Übergeordnet bleibt der Aufwärtstrend voll intakt. Seit dem Corona-Tief bei rund 7700 Punkten steigt der SMI entlang einer soliden Aufwärtstrendlinie (schwarz), die nur während des letztjährigen Zollschocks kurzfristig unter Druck geriet. Doch schnell konnte sie zurückerobert werden und demonstriert damit ihre Signifikanz. 

Der Sprung über das Februar-Hoch von 14’063 Punkten in dieser Woche lieferte ein wichtiges charttechnisches Signal und öffnet den Raum nach oben. 

Weil der Index in unerforschtes Terrain vorstösst und oberhalb keine alten Kurshochs mehr als Widerstand dienen, helfen sogenannte Fibonacci-Extensions weiter (aus dem Verhältnis vorheriger Kursbewegungen abgeleitete Projektionen für mögliche Zielmarken). Projiziert man die Aufwärtsbewegung seit dem Tief während des Iran-Konflikts bei rund 12’050 Punkten, rücken auf der Oberseite zunächst der Bereich um 14’600 Punkte und – bei anhaltender Dynamik – die Zone um 15’300 Punkte in den Fokus. 

Nach unten sind drei Marken entscheidend: Zunächst die nach oben durchbrochene 14’063-Punkte-Marke. Viel entscheidender allerdings die runde 13’000-Punkte-Marke (grüne Ellipse und Unterstützungslinie). Die Zone markiert das 2021- und 2025-Hoch. Ehemalige Widerstände dienen später meist als primäre Unterstützungen – ein in der Charttechnik typischer "Rollenwechsel". 

Signifikant ist auch die viel beachtete 200-Tage-Linie (gleitender Durchschnitt der letzten 200 Tage als Mass für den längerfristigen Trend) im Bereich um 13’140 Punkte, die allerdings auch täglich steigt. Ein nachhaltiger Rückfall unter diese Zone würde die wichtigste charttechnische Unterstützung im SMI in den Fokus rücken: Die eingangs genannte langfristige Aufwärtstrendlinie (schwarz), die sich aktuell um 12'200 Punkte bewegt. Positiv fällt zudem auf, dass der RS-Indikator (Relative Stärke Indikator, unten im Bild) noch nicht in den überkauften Bereich vorgedrungen ist. Damit könnte sich die aktuelle Dynamik zumindest noch direkt bis zur 14’600-Punkte-Marke fortsetzen. 

Schwergewichte als Zünglein an der Waage 

Ob der Höhenflug trägt, entscheiden vor allem die drei Schwergewichte: Nestlé, Roche und Novartis machen zusammen fast die Hälfte des Index aus. Charttechnisch präsentieren sich alle drei derzeit konstruktiv – Nestlé notiert klar über der 200-Tage-Linie, Novartis bleibt in seinem langfristigen Aufwärtstrend. Das ist Rückenwind. Zugleich liegt darin das grösste Risiko: Die Konzentration auf wenige Schwergewichte bleibt jedoch ein Risiko: Schwächeln Nestlé, Roche oder Novartis gleichzeitig, kann das den gesamten Index spürbar belasten.

Einordnung: Für wen ist Charttechnik relevant? 

Solche Marken sind vor allem für Anlegerinnen und Anleger mit kürzerem Horizont interessant oder für jene, die ihre Entscheide mit zusätzlichen Signalen absichern möchten. Für langfristig orientierte Investoren treten Rekordstände und kurzfristige Schwankungen in den Hintergrund: Breit diversifizierte Aktienmärkte haben sich historisch trotz aller Rücksetzer über die Zeit nach oben entwickelt. Nicht die Wette auf einzelne Schwergewichte zählt, sondern eine breit abgestützte Aufstellung. 

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