Schweizer Industrie – Aufschwung bleibt selektiv
VZ Analyse
Die Aussichten für die globale Industrie haben sich verbessert. Frühindikatoren zeigen wieder Wachstum und steigende Neuaufträge. Doch kommt dieser Aufschwung bereits bei den Schweizer Industrieunternehmen an?
Publiziert vor 2 Stunden
Autor
Christian Huber
Funktion Anlageexperte
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Nach einer längeren Schwächephase mehren sich die Zeichen für eine Erholung der globalen Industrie. Die weltweiten Einkaufsmanagerindizes liegen wieder im Wachstumsbereich, die Neuaufträge steigen und auch in wichtigen Absatzmärkten der Schweizer Industrie hellt sich die Lage auf. In den USA expandiert die Industrie, in Europa zieht die Nachfrage an und aus Asien kommen ebenfalls positivere Signale.
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Für die Schweiz ist diese Entwicklung besonders wichtig. Viele heimische Industrieunternehmen erzielen einen grossen Teil ihres Umsatzes im Ausland. Sie reagieren deshalb stärker auf den globalen Investitionszyklus als auf die Schweizer Binnenkonjunktur.
Auch die Schweizer Frühindikatoren passen in dieses Bild. Der Einkaufsmanagerindex der Industrie liegt mit 57,1 Punkten deutlich über der Wachstumsschwelle. Gleichzeitig hat sich das KOF-Konjunkturbarometer verbessert. Das verarbeitende Gewerbe trägt positiv dazu bei. Aber auch die Auslandsnachfrage zieht an.
Entscheidend ist aber nicht nur, was die Indikatoren anzeigen. Die wichtigere Frage lautet: Kommt die Erholung bereits bei den Unternehmen an?
KI und Rechenzentren bleiben der wichtigste Treiber
Der aktuelle Industrieaufschwung hat einen besonders starken Treiber: den Ausbau der KI-Infrastruktur. Milliardeninvestitionen in Rechenzentren, Stromversorgung und Halbleiterfabriken sorgen auch bei Schweizer Industrieunternehmen für volle Auftragsbücher.
Ein Paradebeispiel ist ABB. Der grösste Schweizer Industriekonzern steigerte den Auftragseingang im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent und erreichte einen Rekordwert. Der wichtigste Treiber war die Sparte Elektrifizierung, die direkt vom Ausbau der Rechenzentren profitiert.
Ähnlich sieht es bei Belimo aus. Das Unternehmen liefert wichtige Komponenten und Steuerungen für die Kühlung grosser Rechenzentren. Belimo veröffentlicht zwar keine Angaben zum Auftragsbestand, zeigt sich aber zuversichtlich, dass die Nachfrage auch im zweiten Halbjahr hoch bleibt.
Noch direkter profitiert VAT vom Ausbau der Halbleiterproduktion. Die Hochvakuumlösungen des Unternehmens sind ein wichtiger Bestandteil der Chipfertigung. Im ersten Halbjahr lag der Auftragsbestand 75 Prozent über dem Vorjahresniveau. Um mit der Nachfrage Schritt zu halten, erhöht VAT die Produktion von Quartal zu Quartal um 20 bis 30 Prozent, wie CEO Urs Gantner bei der Präsentation der jüngsten Zahlen erklärte.
Kommt der Aufschwung auch in der breiten Industrie an?
Für die gesamte Industrie ist das Bild weniger eindeutig. Die jüngsten Zahlen des SECO zeigen zwar ein starkes BIP-Wachstum im zweiten Quartal. Dafür war aber vor allem die chemisch-pharmazeutische Industrie verantwortlich. Klassische Industriezweige wie Maschinenbau und Fahrzeuge lieferten dagegen negative Beiträge. Deutlich positiv entwickelte sich hingegen die elektrische Ausrüstung – ein weiteres Zeichen für die starke Nachfrage rund um Rechenzentren und Strominfrastruktur.
Auch bei Georg Fischer spielt dieser Trend eine wichtige Rolle. Der Auftragseingang stieg um rund 14 Prozent. Neben Rechenzentren trugen aber auch andere Geschäftsbereiche zum Wachstum bei. Das Unternehmen erwartet eine anhaltend positive Entwicklung und hat deshalb den Ausblick angehoben.
Ebenfalls zuversichtlich zeigt sich Sulzer. Auf den ersten Blick enttäuschten die Zahlen für das erste Halbjahr, weil der Auftragseingang um knapp vier Prozent zurückging. Der Rückgang konzentrierte sich jedoch auf die Sparte Chemtech, die unter verschobenen Grossprojekten und einer hohen Vergleichsbasis litt. In den anderen Bereichen, insbesondere im Energiegeschäft, konnte Sulzer die Aufträge steigern.
Bei den Zulieferern SFS und Bossard zeigen sich erste Zeichen einer breiteren Erholung. Beide Unternehmen steigerten im ersten Halbjahr den Umsatz und halten an ihren Jahreszielen fest. Besonders positiv fällt bei Bossard auf, dass die Nachfrage sowohl regional als auch über verschiedene Industrien hinweg zunimmt. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Prüfkonzern SGS, der künftig zusätzlich stärker vom KI-Boom profitieren will.
Aufschwung ja – aber noch nicht auf breiter Front
Bei Unternehmen, die direkt vom Ausbau der Rechenzentren oder der Halbleiterindustrie profitieren, ist der Aufschwung bereits deutlich sichtbar. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt und die Unternehmen blicken zuversichtlich auf den weiteren Jahresverlauf.
In der breiten Industrie ist die Erholung dagegen noch nicht überall angekommen. Zwar liefern Frühindikatoren klare positive Signale, doch in einzelnen klassischen Industriezweigen blieb die Nachfrage verhalten. Die Unternehmenszahlen zeigen noch kein einheitliches Bild.
Die Richtung hat sich dennoch verändert. Viele Schweizer Industrieunternehmen erwarten eine bessere zweite Jahreshälfte und berichten von einer steigenden Nachfrage. Ob sich die positiven Vorgaben der Frühindikatoren nun auch in deutlich höheren Aufträgen niederschlagen, werden die kommenden Quartale zeigen. Ein breiter Industrieaufschwung erscheint heute aber wahrscheinlicher als noch vor wenigen Monaten.
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