Schokoladenindustrie hat laut Experten das Schlimmste hinter sich

vor 6 Stunden

Beschreibung

Zürich (awp) - Nach zwei schwierigen Jahren mehren sich in der Schokoladenindustrie die Zeichen für eine Erholung. Die Kakaopreise sind deutlich von ihren Rekordständen zurückgekommen und erstmals seit längerem gibt es Hinweise auf eine Belebung der Nachfrage. Die Analysten der Schweizer Bank Vontobel sehen die Branche vor einem möglichen Wendepunkt.

"Wir glauben, dass der Tiefpunkt bei den Absatzmengen hinter uns liegt", schrieben die Analysten in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie zur Schweizer Schokoladenindustrie. Noch handle es sich allerdings um eine Erholung in einem frühen Stadium. Die jüngsten Daten deuteten aber darauf hin, dass sich die lange erwartete Verbesserung der Schokoladennachfrage anbahnen könnte.

Auslöser der Krise war ein historischer Preisschub beim wichtigsten Rohstoff der Branche. Der Kakaopreis stieg 2024 zeitweise auf mehr als 10'000 britische Pfund je Tonne. Missernten in Westafrika, Pflanzenkrankheiten und alternde Bäume verknappten das Angebot. Spekulationen an den Rohstoffmärkten verstärkten die Bewegung zusätzlich.

Bis zu 50 Prozent höhere Preise

Die Hersteller wie Lindt & Sprüngli reagierten mit massiven Preiserhöhungen. Seit 2024 verteuerten führende Anbieter ihre Produkte laut Vontobel kumuliert um 25 bis 50 Prozent. Das ging zunehmend zulasten der Nachfrage. Konsumenten griffen häufiger zu günstigeren Eigenmarken.

Wie stark der Schock die Schweizer Branche getroffen hat, zeigen die Zahlen von Chocosuisse. 2025 sank die verkaufte Menge Schweizer Schokolade um 7,9 Prozent, im Export sogar um 9,3 Prozent. Gleichzeitig nahm der Umsatz wegen der höheren Preise um 11,8 Prozent zu. Auch der Schokoladenkonsum pro Kopf ging um 2,7 Prozent zurück.

Nun zeichnet sich eine Entspannung ab. Der Kakaopreis liegt mit rund 4500 Pfund zwar noch etwa doppelt so hoch wie im historischen Durchschnitt, aber rund 60 Prozent unter dem Höchststand. Gleichzeitig wuchs die weltweite Kakaovermahlung im zweiten Quartal 2026 erstmals nach sechs Rückgängen in Folge. Sie gilt als wichtiger Frühindikator für die Schokoladennachfrage.

Barry wächst wieder

Ein konkretes Signal lieferte jüngst auch der Schweizer Schokoladenhersteller Barry Callebaut. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 stieg dessen Absatzmenge um 5,7 Prozent. Es war das erste Mengenwachstum seit zwei Jahren.

Auch beim Luxusschokoladenhersteller Lindt & Sprüngli liegt beim Management die Hoffnung auf einer Rückkehr des Mengenwachstums im Jahr 2027. Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Umsatz organisch um 4,3 Prozent, getragen wurde das Plus aber weiterhin vor allem von Preiserhöhungen von 11,8 Prozent. Der Absatz blieb entsprechend unter Druck.

El Niño bleibt Risiko

Ganz ausgestanden ist die Krise laut den Vontobel-Experten allerdings nicht. Das Wetterphänomen El Niño, das dieses und nächstes Jahr aussergewöhnlich stark ausfallen dürfte, könnte die Kakaoernte in Westafrika erheblich beeinträchtigen. Es kann dort höhere Temperaturen und weniger Regen bringen und damit Dürren begünstigen.

Die Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria und Kamerun stehen zusammen für rund drei Viertel der weltweiten Kakaoproduktion. Anders als bei anderen Agrarrohstoffen können Ausfälle dort kaum durch andere Regionen ausgeglichen werden. Entsprechend gross können Ernteprobleme auf die Preise durchschlagen. Vontobel erwartet daher weiterhin hohe Schwankungen.

Barry Callebaut hielt eine Wiederholung der Kakaokrise von 2023 und 2024 zuletzt trotz El Niño allerdings für unwahrscheinlich. Finanzchef Peter Vanneste verwies im Juli auf höhere Kakaobestände und darauf, dass der Markt mit einem Überschuss statt wie damals nach mehreren Defizitjahren in die neue Erntesaison gehe.

to/hr