Schoggi-Aktien unter Druck: Was Investoren jetzt wissen müssen

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Die Kursrückgänge bei Lindt & Sprüngli und Barry Callebaut haben einen gemeinsamen Nenner: die starken Bewegungen der Kakaopreise. Die eigentlichen Schwächen unterscheiden sich jedoch.

Publiziert vor 7 Stunden

Autor

Christian Huber

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Lindt & Sprüngli und Barry Callebaut liegen im laufenden Jahr klar hinter dem Schweizer Gesamtmarkt zurück. Nicht ganz überraschend, denn für Schokoladenhersteller waren die letzten Monate aus einem wichtigen Grund nicht einfach. Die hohen und stark schwankenden Kakaopreise belasten nicht nur die zwei Schweizer Unternehmen, sondern die gesamte Branche. Allerdings erklärt dies die Kursverluste nur teilweise. Ein genauer Blick auf die beiden Unternehmen zeigt unterschiedliche Probleme, gibt aber auch Hinweise auf mögliche Chancen.

Luxusgut trifft auf Preissensitivität

Lindt & Sprüngli steigerte 2025 den Umsatz und Gewinn deutlich. Der wichtigste Treiber dafür waren starke Preiserhöhungen von 19 Prozent. Im laufenden Jahr lässt sich diese Strategie jedoch kaum wiederholen. Im Gegenteil: Lindt & Sprüngli hat die Preise in den wichtigen Märkten Schweiz und Deutschland sogar gesenkt. Tiefere Kakaopreise machen diesen Schritt möglich. Gleichzeitig ist er nötig, weil die Nachfrage schwächer geworden ist.

Bereits bei der Publikation der Jahreszahlen schwächte das Unternehmen die Wachstumsprognose für das laufende Jahr um zwei Prozentpunkte von 6 bis 8 Prozent auf 4 bis 6 Prozent ab. Als Grund nannte Lindt & Sprüngli geopolitische Unsicherheiten. Entscheidend dürfte jedoch vor allem der erneute Druck auf die Kaufkraft der Kunden sein. Schon im vergangenen Jahr ging das Verkaufsvolumen zurück. Dieser Trend betrifft die gesamte Lebensmittelbranche und macht auch vor grossen Konzernen wie Nestlé nicht halt.

Wenn Kunden für viele Produkte mehr bezahlen müssen, greifen sie bei Luxusgütern zurückhaltender zu. Das gilt auch für Premium-Schokolade. Bleiben die Preise hoch, können selbst bekannte Produkte wie Lindor-Kugeln oder goldene Schoko-Hasen zum Ladenhüter mutieren.

Tiefere Preise treffen auf Planungssicherheit

Auch bei Barry Callebaut spielen die Rohstoffpreise eine zentrale Rolle. Im Normalfall profitiert das Unternehmen als Zulieferer und Verarbeiter der Schokoladenindustrie von tieferen Kakaopreisen. Fallen die Preise jedoch sehr schnell, entsteht ein neues Problem. Ein Teil der bereits vereinbarten Einkäufe oder der Lagerbestände basiert noch auf deutlich höheren Preisen. Das kann die Margen belasten oder Zugeständnisse an Kunden nötig machen.

Barry Callebaut kämpft zudem seit längerer Zeit mit rückläufigen Produktionsvolumen. Die schwächere Nachfrage nach Schokolade trifft das Unternehmen direkter. Zwar konnte Barry Callebaut wie Lindt & Sprüngli höhere Preise an die Abnehmer weitergeben. Der grosse Unterschied ist aber, dass es Barry Callebaut nicht gelang, die Margen stabil zu halten.

Verschiedene Wege, gleiches Ziel

Stark schwankende Rohstoffpreise, steigende Inflation und verändertes Konsumverhalten bleiben zentrale Herausforderungen für die Lebensmittelindustrie. Noch stärker gilt dies für Schokoladenhersteller. Die Volumen dürften sich daher nur langsam erholen und vorerst für wenig Aufwind sorgen.

Lindt & Sprüngli hält an der Positionierung im Premiumsegment fest. Das Unternehmen muss jedoch stärker auf preissensitive Kunden reagieren und kann sich nicht allein auf die Strahlkraft seiner Marken verlassen. Das angekündigte Aktienrückkaufprogramm über eine Milliarde Franken soll den Aktienkurs zusätzlich stützen.

Barry Callebaut setzt dagegen erneut auf eine strategische Neuausrichtung. Mit "Focus for Growth" will das Unternehmen den Rückgang der Volumen stoppen und eine Phase mit neuem Wachstum einläuten. Dafür soll die Zusammenarbeit mit den wichtigsten globalen Kunden enger werden. Zudem will sich Barry Callebaut stärker auf profitable Produkte und Innovation konzentrieren.

Beide Unternehmen stehen damit vor derselben Aufgabe: Sie müssen Wachstum erzielen, obwohl Schokolade für viele Kunden teurer geworden ist und die Rohstoffmärkte schwer planbar bleiben. Sich nur auf das Gütesiegel "Schweizer Schokolade" zu verlassen, dürfte nicht reichen.

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