Nestlé-Aktien unter Druck nach Fremdverwaltung in Russland

Marktreaktion

vor 3 Stunden

Beschreibung

Zürich (awp) - Die Aktien von Nestlé geraten am Freitag nach der Börseneröffnung deutlich unter Druck. Anleger reagieren damit auf die vorläufige Fremdverwaltung von Teilen des Russland-Geschäfts durch Moskau. Analysten halten die operativen Folgen zwar für überschaubar. Risiken sehen sie aber beim Wert der dortigen Vermögenswerte und einem möglichen späteren Verkauf.

Gegen 9.20 Uhr verlieren Nestlé 1,1 Prozent. Der SMI zeigt sich praktisch unverändert.

Russland hat zwei Nestlé-Gesellschaften im Land per Präsidialdekret unter vorläufige externe Verwaltung gestellt. Nestlé bleibt zwar Eigentümerin, kann aber nicht mehr über die Gesellschaften bestimmen. Der Konzern will alle notwendigen Schritte unternehmen, um seine Rechte zu schützen und den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.

Die finanzielle Bedeutung des Russland-Geschäfts ist für den Gesamtkonzern begrenzt. "Die Folgen sind zwar belastend, für Nestlé angesichts der Grösse, der Ertragskraft und der breiten Diversifikation aber tragbar", erklärt die LUKB.

JPMorgan schätzt den Umsatzanteil auf rund 2 Prozent - wie von Nestlé 2021 zuletzt öffentlich ausgewiesen - und den Anteil am operativen Gewinn auf 3 Prozent. Ein vollständiger Verlust des Geschäfts könnte den Gewinn je Aktie um 3 bis 4 Prozent schmälern. Vontobel geht wegen des seit 2022 stark reduzierten Geschäfts inzwischen sogar nur noch von etwas mehr als 1 Prozent Umsatzanteil aus.

Grösser könnte der einmalige finanzielle Schaden ausfallen. Die LUKB beziffert den Wert der gesamten Russland-Aktivitäten auf rund 1,75 Milliarden Franken. Bei einem Verlust des Geschäfts könnten entsprechende Wertberichtigungen nötig werden.

Präzedenzfälle zeigen zudem, dass Verkäufe nach einer Fremdverwaltung zu ungünstigen Konditionen erfolgen können. Danone verbuchte beim Rückzug aus Russland einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro. Auch Carlsberg und Heineken verkauften ihre Geschäfte nach staatlichen Eingriffen mit hohen Einbussen.

Die ZKB sieht Nestlé damit in einer schwierigen Lage: Zusätzliche Investitionen könnten Reputations- und Boykottrisiken erhöhen. Ohne Investitionen droht dagegen der Verlust des Geschäfts. Selbst bei weiteren Investitionen lasse sich eine spätere Enteignung nicht ausschliessen.

to/ra