Logitech: Der IT-Gewinner ohne KI?
VZ Analyse
Der KI-Boom geht weiter – ausgerechnet der grösste Schweizer Technologietitel verdient sein Geld aber weiterhin vor allem mit Mäusen, Tastaturen, Gaming und Videokonferenzen. Warum Logitech trotzdem zu den interessantesten Aktien der Branche zählt.
Publiziert 1. Sep 2026
Autor
Christian Huber
Funktion Anlageexperte
Beitrag empfehlen
Wer bei Schweizer Aktien an Profiteure des KI-Booms denkt, landet schnell bei ABB, VAT, Comet oder Belimo. Ausgerechnet Logitech, der mit Abstand grösste Schweizer Technologietitel und eine weltweit bekannte Marke, spielt bei den milliardenschweren Investitionen in KI-Infrastruktur dagegen kaum eine Rolle.
Aktien kaufen: Das sind die wichtigsten Kennzahlen
Merkblatt
Logitech produziert weder die dafür benötigten Chips noch liefert das Unternehmen zentrale Komponenten für Rechenzentren. Das Geschäft basiert weiterhin vor allem auf Hardware wie Mäusen und Tastaturen. Dazu kommen Produkte für Gaming sowie Systeme für Videokonferenzen mit Kameras, Mikrofonen und weiterem Zubehör. In diesen Bereichen gehört Logitech weltweit zu den führenden Anbietern.
Wachstum auch ohne KI
Die geringe direkte KI-Exponierung ist bislang kein Problem. Logitech wächst auch ohne den Rückenwind durch neue Rechenzentren und KI-Chips. Im Geschäftsjahr 2025/26 steigerte das Unternehmen den Umsatz um sechs Prozent und verbesserte gleichzeitig die Margen.
Auch im jüngsten Quartal setzte sich diese Entwicklung fort. Der Umsatz legte gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent zu, während die Margen nochmals stiegen.
Aufgrund von Lieferproblemen bei einem Zulieferer dürfte sich das Wachstum in den kommenden Monaten etwas abschwächen. Logitech bleibt dennoch zuversichtlich, die eigenen Ziele zu erreichen. Dafür spricht auch, dass das Unternehmen laufend Marktanteile gewinnt und insbesondere in Amerika und Asien stark wächst.
Wie Logitech dennoch von KI profitieren kann
Ganz ohne KI kommt aber auch Logitech nicht aus. Das Unternehmen will in diesem Bereich investieren und seine Produkte stärker auf die neue Art der Computernutzung ausrichten. Statt direkt vom Ausbau der Rechenleistung zu profitieren, könnte Logitech dabei als Bindeglied zwischen Mensch und KI eine wichtige Rolle spielen.
Werden Computer künftig häufiger über Sprache, Gesten oder intelligente Assistenten gesteuert, könnten Kameras, Mikrofone und andere Eingabegeräte wichtiger werden. Der klassische Fokus auf Tastaturen und Mäuse würde sich damit verschieben. Für Logitech ist das sowohl Chance als auch Risiko. Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen seine starke Marktposition auch bei neuen Formen der Interaktion behaupten kann.
Gleichzeitig versucht Logitech, Hardware und Software enger miteinander zu verbinden. Ein Beispiel ist Logitech Spot. Der kleine Sensor erkennt, ob ein Raum genutzt wird, und misst unter anderem Temperatur und Luftqualität. Die Daten können über Software ausgewertet werden und Unternehmen helfen, ihre Arbeitsplätze effizienter zu nutzen.
Spot dürfte allein keinen grossen Gewinnsprung auslösen. Das Produkt zeigt aber, wohin sich Logitech entwickeln will: weg vom reinen Verkauf einzelner Geräte und stärker hin zu vernetzter Hardware mit zusätzlichen Softwarefunktionen.
Andere Stärken stehen im Vordergrund
Logitech muss sein Geschäftsmodell nicht grundlegend verändern, um stärker von KI zu profitieren. Zusätzliche Einnahmen aus diesem Bereich wären willkommen, das Unternehmen ist aber nicht darauf angewiesen.
Die Marke ist etabliert, die Marktposition stark und Logitech gewinnt weiterhin Marktanteile. Gleichzeitig investiert das Unternehmen in neue Produkte, ohne sein bestehendes Geschäft dem KI-Boom unterzuordnen.
Das Wachstum wirkt im Vergleich mit klassischen KI-Aktien zwar wenig spektakulär. Dafür bietet Logitech mehr Kontinuität. Was derzeit wie ein Nachteil erscheint, könnte sich deshalb auch als Stärke erweisen. Sollten sich die hohen Investitionen in KI-Infrastruktur nicht wie erhofft auszahlen, wäre Logitech davon nur begrenzt betroffen. An der Börse half diese Unabhängigkeit zuletzt allerdings wenig: Die Aktie blieb deutlich hinter vielen anderen Technologietiteln zurück.
Operativ bleibt Logitech dennoch stark. Das Unternehmen erzielt hohe Margen und generiert viel freie Liquidität, von der auch die Aktionäre profitieren. Die Dividendenrendite fällt mit rund 1,7 Prozent zwar vergleichsweise niedrig aus. Dafür hat Logitech die Ausschüttung während elf Jahren in Folge erhöht. Stimmen die Aktionäre an der Generalversammlung vom 8. September dem neuen Dividendenvorschlag zu, kommt eine weitere Erhöhung hinzu.
Damit passt auch die Dividendenpolitik zum Geschäftsmodell: Logitech bietet derzeit weniger KI-Fantasie als andere Technologiewerte, dafür aber Wachstum, hohe Profitabilität und Verlässlichkeit.
Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den aufgezeigten Informationen handelt es sich um Werbung gemäss Art. 68 FIDLEG.