KI erschüttert ganze Branchen – dieses Anlageprinzip bleibt unerschütterlich

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Die KI-Revolution entfaltet ihre volle Wucht – und stellt ganze Branchen auf den Kopf. Während Softwaregiganten unter Druck geraten und wenige Highflyer den Markt dominieren, zeigt ein Prinzip eindrucksvoll, wie Anleger trotz extremer Unsicherheit profitieren können.

Publiziert vor 11 Stunden

Autor

Andreas Paciorek

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Wer hätte 2015 ernsthaft darauf gewettet, dass Nvidia, ASML oder ein damals kaum bekanntes Datenanalyse-Unternehmen wie Palantir heute zu den wertvollsten Firmen der Welt zählen würden? Damals dominierten noch Exxon Mobil, Wells Fargo oder Johnson & Johnson die Ranglisten der grössten Konzerne. 

Palantir, erst 2003 gegründet und noch später (2020) börsennotiert, liegt heute gemessen an der Marktkapitalisierung vor traditionsreichen US-Banken. Nvidia war lange ein Spezialist für Gaming-Chips, ASML ein technischer Nischenanbieter aus den Niederlanden. Heute sind sie systemrelevant für die globale KI-Infrastruktur. 

Was viele übersehen: Wer in einen breiten Weltindex investiert war, hielt diese Titel längst – in kleiner Gewichtung. Und mit jedem Kursanstieg stieg ihr Anteil automatisch. Keine Prognose, keine Umschichtung, kein Timing. Das ist die stille Macht des Indexprinzips. 

KI: Ein Lehrstück über Prognosefehler 

Bei diesen Zeiträumen mag manch ein Investor verleitet sein anzunehmen, dass das ja absehbar sei. Doch eine jüngste Entwicklung im Technologiesektor sollte als Warnung dafür dienen, wie schwierig es sein kann, «Trends» und vielleicht sogar noch vielmehr «Trendbrüche» zu antizipieren. Noch vor einem Jahr galten grosse Softwarehäuser als sichere Profiteure der KI-Welle. Heute werden SAP, ServiceNow oder andere SaaS-Anbieter trotz solider Geschäftszahlen teils massiv verkauft. Investoren fürchten, dass generative KI ganze Geschäftsmodelle unter Druck setzen könnte. (Zum Artikel: Die neue Zweiteilung im Techsektor – und was dahintersteckt)

Gleichzeitig explodieren Halbleiter- und Infrastrukturwerte. Aus "KI-Potenzial" wurde innert Monaten die Suche nach "KI-Immunität". Das Problem: Niemand weiss verlässlich, welche Branche langfristig resilient ist. Märkte handeln Erwartungen – und diese ändern sich schneller als Geschäftsberichte. Wer hier auf einzelne Favoriten setzt, geht eine Wette ein. Wer breit investiert, muss keine abschliessen. 

Gewinner kommen aus dem Schatten 

Indexanalysen bestätigen: In einzelnen Jahren stammt ein grosser Teil der gesamten Indexrendite von nur wenigen Aktien. Das bedeutet: Wer die wenigen künftigen Überflieger verpasst, verpasst einen wesentlichen Teil der Marktrendite. Das Problem ist nur – man erkennt sie meist erst im Rückspiegel. 

Breit diversifizierte Indexfonds lösen dieses Dilemma elegant. Sie halten die kommenden Gewinner früh – und erhöhen ihr Gewicht automatisch, sobald der Markt ihnen recht gibt. 

Und die einstigen Giganten? 

Während neue Stars aufsteigen, verlieren frühere Schwergewichte an Bedeutung. General Electric, IBM oder ExxonMobil prägten jahrzehntelang die globalen Indizes. Heute rangieren sie in der zweiten oder sogar dritten Reihe. 

Das Entscheidende: Kein Anleger musste aktiv reagieren. Sinkt der Börsenwert eines Unternehmens, sinkt sein Indexgewicht. Der Markt sortiert aus – emotionslos, kontinuierlich, regelbasiert. Das ist keine Meinung. Das ist System. 

Warum aktive Fonds damit kämpfen 

Aktive Fonds versprechen, Trends zu erkennen, Wendepunkte zu antizipieren und Verlierer zu meiden. Die Realität ist ernüchternd: Ein Grossteil der aktiv verwalteten Fonds liegt langfristig hinter seinem Vergleichsindex – und das bereits vor Abzug der Gebühren. 

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Selbst wenn ein Fondsmanager heute richtig liegt, ist nicht garantiert, dass er morgen wieder richtig liegt. Gewinnerlisten ändern sich. Narrative drehen. Manager wechseln. Kosten bleiben. (Zur neuen VZ-Studie: Ein Depot mit aktiven Fonds lohnt sich fast nie)

Indexfonds machen keine Prognosen. Sie akzeptieren, dass der Markt Informationen schneller verarbeitet als einzelne Akteure. 

Der strukturelle Vorteil 

Der entscheidende Punkt ist nicht, dass Indexanlagen spektakulär sind. Sondern dass sie systematisch funktionieren. 

Sie vermeiden den grössten Fehler vieler Anleger: zu glauben, man könne strukturelle Gewinner frühzeitig und dauerhaft identifizieren. Gerade in Zeiten disruptiver Technologien wie KI wird deutlich, wie schnell Gewissheiten kippen. 

Breite Indizes bilden Branchen, Regionen und Geschäftsmodelle gleichzeitig ab. Sie partizipieren an neuen Champions – und reduzieren automatisch das Gewicht der Verlierer. Kein Aktionismus, kein «Shoot first, ask questions later» – wie wir es aktuell bei dem Abverkauf von Software- und Banken-Aktien beobachten können –, kein Hinterherlaufen hinter Modethemen. 

Fazit: Investieren ohne Wetten 

Die Märkte werden sich weiter verändern. KI wird Gewinner und Verlierer schaffen. Neue Namen werden auftauchen, alte verschwinden. Die Frage ist nicht, ob man diese Dynamik vorhersagen kann. Sondern ob man sie systematisch nutzt. 

Breit investierte Anleger müssen keine KI-Resilienz prognostizieren. Sie müssen nicht wissen, ob Software, Halbleiter oder ganz neue Branchen gewinnen. Sie müssen nur investiert bleiben. Denn am Ende entscheidet nicht die lauteste Prognose – sondern der Markt. 

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