Eurozonen-Inflation steigt, Kernteuerung gibt aber nach

Geldanlagen

Die neuesten Daten aus der Eurozone senden widersprüchliche Signale. VZ-Anlagechef Christoph Sax erklärt, warum die Europäische Zentralbank vor einer heiklen Gratwanderung steht.

Christoph Sax

Funktion Chief Investment Officer

Publiziert am

2. September 2026

Die Inflation in der Eurozone hat sich im August erwartungsgemäss beschleunigt. Gemäss der Eurostat-Schnellschätzung stieg die Jahresteuerung der Konsumentenpreise von 2,9 Prozent auf 3,3 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit knapp drei Jahren. 

Detaillierte Angaben zur Zusammensetzung des Preisanstiegs liegen noch nicht vor. Es ist jedoch bereits ersichtlich, dass der Anstieg fast ausschliesslich auf höhere Energiekosten zurückzuführen ist. Bei den übrigen Gütergruppen hat sich der Teuerungsdruck gesamthaft kaum verändert. 

Das zeigt auch der Blick auf die Kerninflation, welche die volatilen Komponenten Energie und Nahrungsmittel ausklammert. Diese ging im August leicht von 2,5 Prozent auf 2,4 Prozent zurück. Insgesamt entsprachen die Daten damit den Erwartungen der Finanzmärkte. 

Ein differenzierter Blick auf die grossen Mitgliedstaaten zeigt, dass die Inflation zuletzt überall anzog. Deutschland überraschte positiv mit einem geringeren Anstieg als erwartet, während Spanien im August einen wesentlich stärkeren Teuerungsschub verzeichnete. Die Inflation kletterte in Spanien von 3,9 auf 4,5 Prozent. Spanien weist damit weiterhin die höchste Jahresteuerung unter den grossen Volkswirtschaften auf. 

Dieser kräftige Anstieg ist jedoch kein geldpolitisches Alarmzeichen, sondern vor allem auf einen Sondereffekt zurückzuführen: Die während der Energiekrise eingeführten staatlichen Unterstützungsmassnahmen wurden teilweise zurückgefahren. 

Die Entwicklung in der Eurozone ist aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) zweischneidig. Einerseits zeigt die sinkende Kernteuerung, dass der zugrunde liegende Preisdruck bislang kaum zugenommen hat. Andererseits verharrt die Kernteuerung dennoch seit geraumer Zeit oberhalb des Inflationsziels von 2 Prozent. 

Sollte die Konjunktur in den kommenden Quartalen an Dynamik gewinnen, könnten weitere Leitzinserhöhungen notwendig werden. Entsprechend rechnen die Finanzmärkte weiterhin mit zusätzlichen Zinsschritten der EZB.

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