Der US-Leitzins hat den Gipfel noch nicht erreicht
Geldanlagen
Das wichtigste wirtschaftliche Ereignis der vergangenen Woche war der Zinsentscheid der US-Notenbank. VZ-Anlagechef Christoph Sax analysiert den Entscheid sowie die Prognosen.
Christoph Sax
Funktion Chief Investment Officer
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23. September 2026
Das Fed erhöhte den Leitzins wie erwartet um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Die Anhebung selbst überraschte die Märkte nicht.
Dennoch kam es zu spürbaren Reaktionen: Der Dollar legte zu, die kurzfristigen US-Zinsen stiegen, während die Renditen langer Laufzeiten nachgaben. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren inzwischen wieder knapp unter 5 Prozent.
Entscheidend war aber weniger der Zinsschritt als vielmehr die Botschaft der Notenbank für die kommenden Monate. Fed-Chef Warsh vermied zwar eine direkte Ankündigung weiterer Zinserhöhungen, zeichnete aber weiterhin das Bild einer robusten Wirtschaft.
Der Arbeitsmarkt bleibt gut ausgelastet, und das Wachstum zeigt bislang keine Anzeichen einer deutlichen Abschwächung. Besonders aufschlussreich waren die aktualisierten Zinserwartungen der Mitglieder des Offenmarktausschusses. Der Median der Prognosen liegt für Ende Jahr mittlerweile über dem heutigen Leitzinsniveau.
Mit anderen Worten: Innerhalb der Fed wächst die Überzeugung, dass die Inflation noch nicht ausreichend eingedämmt ist und die Geldpolitik weiter gestrafft werden muss. Diese Einschätzung wird von 16 der 18 Mitgliedern geteilt, die eine Leitzinsprognose abgegeben haben. Damit lautet die zentrale Erkenntnis dieser Zinssitzung: Die jüngste Zinserhöhung dürfte kaum der letzte Schritt gewesen sein.
Die US-Notenbank signalisiert vielmehr, dass weitere Straffungsmassnahmen möglich bleiben, sofern sich keine baldige Entspannung an den Energiemärkten einstellt und die Wirtschaft und insbesondere der Arbeitsmarkt stark bleiben.
Bemerkenswert ist zudem, dass sich das Fed damit erneut gegen US-Präsident Trump stellt, der seit Monaten tiefere Zinsen verlangt. Seine Reaktion liess nicht lange auf sich warten. Trump kritisierte das aktuelle Zinsniveau scharf und argumentierte, ein Schuldner wie die USA sollte deutlich tiefere Finanzierungskosten tragen.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte seine Aussage, die USA könnten jährlich 1,5 Billionen Dollar gewinnen, wenn sie keine Waren und Dienstleistungen mehr importieren würden von Ländern, mit denen die USA ein Handelsbilanzdefizit haben. Solche Aussagen unterstreichen die zunehmende Diskrepanz zwischen den wirtschaftspolitischen Vorstellungen des Präsidenten und der geldpolitischen Einschätzung der Notenbank.
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