Geldanlagen

Muss die SNB dieses Jahr den Leitzins erhöhen?

Der Iran-Krieg zeigt trotz Waffenstillstand zunehmend wirtschaftliche Folgen. Entsprechend wächst bei Anlegern die Sorge, dass die Inflation wieder an Fahrt gewinnt – und die Notenbanken reagieren müssen.

Christoph Sax

Funktion Chief Investment Officer

Publiziert am

8. April 2026

Der starke Anstieg der Energiepreise hat die Erwartungen an die Geldpolitik verändert. Auch einzelne industrielle Grundprodukte sind zuletzt deutlich teurer geworden. Trotz des vereinbarten Waffenstillstands dürfte es Monate dauern, bis sich die Lieferketten vollständig normalisieren.

An den Finanzmärkten gehen die Investoren deshalb davon aus, dass die Notenbanken ihre Geldpolitik etwas straffen könnten, um neue Inflationsrisiken einzudämmen. In der Schweiz wird zunehmend spekuliert, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzins von 0 auf 0,25 Prozent anheben könnte. 

Ob es so weit kommt, ist allerdings fraglich. Der Inflationsdruck bleibt in der Schweiz bislang überschaubar. Gemäss Bundesamt für Statistik stieg die Jahresteuerung der Konsumentenpreise im März zwar von 0,1 auf 0,3 Prozent (vgl. Grafik). 

Haupttreiber waren – erwartungsgemäss - höhere Preise für Öl und Treibstoffe. Gleichzeitig gingen die Preise in der Hotellerie sowie bei Mietwagen und Carsharing zurück. Die Kerninflation, welche stark schwankende Komponenten wie Energie und Nahrungsmittel ausklammert, verharrte dagegen bei 0,4 Prozent. 

Ein genauerer Blick in die Daten legt nahe, dass sich der jüngste Preisschub bei Benzin und Diesel noch nicht vollständig im Konsumentenpreis-Index niedergeschlagen hat. Der Erhebungszeitpunkt dürfte dabei eine Rolle gespielt haben: An den Tankstellen fielen die Preisanstiege gegen Monatsende kräftiger aus. 

Auch indirekte Effekte auf andere Waren und Dienstleistungen dürften erst im April voll sichtbar werden. Ein weiterer leichter Anstieg der Inflation ist daher wahrscheinlich. Im internationalen Vergleich bleibt die Teuerung in der Schweiz jedoch wesentlich moderater als in der Eurozone oder in den USA. Die Stärke des Frankens dämpft die Preise vieler Importgüter. 

Insgesamt dürfte die Inflation in der Schweiz deshalb auf absehbare Zeit unter 1 Prozent bleiben – und damit klar im Zielbereich der SNB. Ein akuter Handlungsbedarf für eine Zinserhöhung zeichnet sich somit bislang nicht ab.
 

Weitere Wirtschaftsnews

Vorläufige Entspannung im Iran-Krieg

Die USA und der Iran haben sich in der Nacht auf Mittwoch auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand geeinigt. Im Gegenzug soll der Iran die Strasse von Hormus über den gleichen Zeitraum wieder öffnen. Die Finanzmärkte reagierten positiv auf die Neuigkeiten. Die meisten Anlageklassen legten am Mittwochmorgen stark zu. 

Neue US-Zölle auf Pharma-Produkte

Die USA wollen künftig patentierte Arzneimittel mit einem Zoll von 100 Prozent belegen, wobei für die Schweiz ein reduzierter Satz von 15 Prozent gilt. Für Firmen wie Novartis und Roche, die in den USA Investitionszusagen gemacht haben, gelten weitere Ausnahmen. Mit diesen Zöllen wollen die USA erreichen, dass mehr Pharma-Firmen einen Teil ihrer Produktion in ihr Land verlegen. Die Zölle sollen in 120 Tagen für grosse und in 180 Tagen für kleinere Firmen in Kraft treten. Die USA sind der wichtigste Absatzmarkt für Schweizer Pharma-Unternehmen.

US-Dienstleistungsbranche wächst langsamer

Die US-Dienstleistungsbranche ist im März langsamer gewachsen. Der vom Institute for Supply Management (ISM) berechnete Einkaufsmanagerindex des nicht-verarbeitenden Gewerbes ermässigte sich von 56,1 auf 54,0 Punkte. Damit verfehlte der Index die Erwartungen der Ökonomen, bleibt aber weiterhin über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.