Geldanlagen
Entspannung in Nahost – sinkt nun die Inflation?
Der Konflikt zwischen Iran und den USA ist noch nicht ausgestanden – dennoch reagieren die Energiemärkte erstaunlich optimistisch. VZ-Anlagechef Christoph Sax erklärt, warum der Ölpreis massiv gefallen ist und was das für Europas Inflation bedeutet.
Christoph Sax
Funktion Chief Investment Officer
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1. Juli 2026
Nach der jüngsten Eskalation im Nahen Osten hat sich die Lage vorerst etwas beruhigt. Washington und Teheran verständigten sich Anfang Woche erneut auf einen Waffenstillstand und die Wiederaufnahme von Gesprächen. Dennoch bleibt die Situation fragil.
Dies zeigt sich auch am Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus. Zwar hatte er sich seit Mitte Juni teilweise erholt, zuletzt ging die Zahl der Durchfahrten jedoch wieder zurück. Von einer Rückkehr zur Normalität kann noch keine Rede sein. Die Meerenge bleibt für den Transport von Öl, Gas sowie petrochemischen Produkten von zentraler Bedeutung.
Bemerkenswert ist die Reaktion der Energiemärkte: Während des Konflikts verhinderten die internationale Freigabe strategischer Ölreserven, eine gedämpfte Nachfrage aus China sowie steigende Exporte aus den USA einen stärkeren Anstieg des Ölpreises. Inzwischen befindet sich dieser fast wieder auf dem Niveau vor Ausbruch des Krieges.
Ein wesentlicher Treiber des kräftigen Preisrückgangs im Juni war die überraschend weitreichende Lockerung der US-Sanktionen gegen iranisches Öl. Für zunächst 60 Tage dürfen Käufer iranisches Rohöl und Ölprodukte wieder weitgehend ohne Beschränkungen beziehen und sogar in US-Dollar bezahlen.
Die USA verfolgen damit nicht nur das Ziel, die Friedensgespräche mit Teheran zu erleichtern, sondern auch den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus zu stabilisieren. Gleichzeitig erhöht das zusätzliche Angebot aus Iran den Druck auf die Ölpreise. Die sinkenden Energiepreise dürften auch die Inflation in der Eurozone dämpfen.
Die jüngsten Inflationsdaten der grossen Mitgliedstaaten zeigen bereits einen rückläufigen Trend. Zwar ist ein rascher Rückgang auf das EZB-Ziel von zwei Prozent nicht zu erwarten, doch die Richtung stimmt.
Eine Ausnahme bleibt Deutschland, wo der auslaufende Tankrabatt im Herbst nochmals für Aufwärtsdruck sorgen könnte. Insgesamt fallen die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Konflikts bislang deutlich weniger gravierend aus als zunächst befürchtet.
Für US-Präsident Donald Trump kommt die Beruhigung gelegen: Mit Blick auf die Zwischenwahlen sollen die Benzinpreise wieder sinken. In Europa wiederum mehren sich die Zeichen, dass die Inflation ihren Höhepunkt überschritten hat.
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