Geldanlagen

US-Leitzins – Konfliktpotenzial für Trump und das Fed

Im Iran-Krieg zeichnet sich immer noch keine Lösung ab. Eine baldige Entspannung wäre für die US-Notenbank und ihre Zinspolitik aber von zentraler Bedeutung. 

Christoph Sax

Funktion Chief Investment Officer

Publiziert am

20. Mai 2026

Während US-Präsident Donald Trump vehement tiefere Zinsen fordert, hat die Inflation in den USA aufgrund des kräftigen Ölpreisanstiegs zuletzt stark angezogen. 

Das verändert die Ausgangslage für den neuen Fed-Chef Kevin Warsh grundlegend. Warsh wurde letzte Woche vom Senat offiziell bestätigt und wird in wenigen Tagen Jerome Powell ablösen. 

Bemerkenswert ist: Powell gibt zwar den Vorsitz ab, behält aber seinen Sitz im Gouverneursrat und damit auch im Offenmarktausschuss (FOMC). Dieser Verbleib ist unüblich. Powell wollte damit vermutlich verhindern, dass Trump einen weiteren Posten im Ausschuss nach eigenen Wünschen neu besetzen kann. 

Kevin Warsh steht Trump zwar nahe, er ist aber ein erfahrener und stabilitätsorientierter Notenbanker. Warsh wird nicht blind auf Zinssenkungen drängen, wenn das wirtschaftliche Umfeld es nicht zulässt – Konflikte mit dem Präsidenten sind damit vorprogrammiert. 

Da die Teuerung das zentrale Wahlkampfthema werden dürfte, muss vielleicht auch Trump einsehen, dass er Warsh etwas Zeit geben muss. Die US-Konjunktur läuft derzeit gut, vor allem dank hoher Investitionen. 

Mit Steuererleichterungen und Subventionen hat Trump die Wirtschaft bereits angeheizt – der Iran-Konflikt wirkte nun wie Brandbeschleuniger auf die Inflation. 

Mit zunehmender Dauer des Konflikts verschieben sich die Markterwartungen zur künftigen Zinsentwicklung. Mittlerweile gehen die Marktteilnehmer sogar davon aus, dass das Fed den Leitzins mittelfristig sogar einmal anheben muss. Namhafte Ökonomen fordern, den «Easing Bias» (die Tendenz zu Zinssenkungen) komplett aufzugeben. 

Bei der nächsten Zinssitzung Mitte Juni – erstmals unter der Leitung von Kevin Warsh – wäre eine Leitzinssenkung eine grosse Überraschung.

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Schweizer Wirtschaft zum Jahresbeginn besser als erwartet 

Die Schweizer Wirtschaft wächst zum Jahresauftakt 2026 stärker als erwartet. Das reale Bruttoinlandprodukt steigt im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,5 Prozent, wie das Seco in seiner Erstschätzung mitteilt. Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 0,3 bis 0,4 Prozent gerechnet. Zum Wachstum tragen sowohl die Industrie als auch der Dienstleistungssektor bei. Das Seco weist darauf hin, dass spätere Daten die Schnellschätzung noch verändern können. Die detaillierten Daten folgen am 1. Juni.

China verliert an Schwung

In China haben im April der Konsum und die Produktion geschwächelt. Die Industrieproduktion ist im Jahresvergleich um 4,1 Prozent gestiegen – zugleich das schwächste Wachstum seit Juli 2023. Die Einzelhandelsumsätze nahmen gegenüber dem Vorjahr um 0,2 Prozent zu. Das ist der geringste Anstieg seit Dezember 2022.

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Im Gegensatz zu China haben in den USA die Zahlen zur Industrieproduktion positiv überrascht. Im Monatsvergleich legte diese um 0,7 Prozent zu. Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Im März war die Produktion um revidierte 0,3 Prozent gefallen.