Geldanlagen

Die neue Zweiteilung im Techsektor – und was dahintersteckt

Im Technologie-Sektor deutet sich eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse an. VZ-Anlagechef Christoph Sax erklärt die Gründe – und zeigt auf, welche Unternehmen profitieren und welche unter Druck geraten.

Christoph Sax

Funktion Chief Investment Officer

Publiziert am

11. Februar 2026

Die Quartalsberichte der grossen US‑Technologiekonzerne entsprachen mehrheitlich den Erwartungen, führten jedoch zu uneinheitlichen Kursreaktionen. Besonders die Aktien von Amazon und Microsoft gerieten dabei unter Druck. 

Parallel dazu tritt im breiteren Technologiesektor eine Zweiteilung zwischen Hardware‑ und Software-Unternehmen zutage, die sich auch in den Kursentwicklungen widerspiegelt. Während Hardware-Hersteller zu den Profiteuren des globalen KI‑Ausbaus zählen, geraten etablierte Software-Anbieter unter Druck.

Auf der Hardware-Seite treiben zwei Faktoren die Dynamik: eine anhaltende Knappheit zentraler Komponenten sowie der massive Ausbau von KI‑Rechenzentren. Speicherhersteller wie Western Digital, Seagate und Micron verzeichnen starke Kursgewinne – nicht zuletzt, weil sich die Preise für hochwertige RAM ‑Speicher seit Herbst teilweise vervielfacht haben. Da Kapazitätsanpassungen in diesem Segment erfahrungsgemäss lange dauern, dürfte dieser Trend die Branche noch eine Weile begleiten – und gleichzeitig die Margen von Elektronikherstellern wie Apple oder Sony belasten. 

Anders präsentiert sich die Lage im Software-Sektor. Unternehmen wie Microsoft, Salesforce oder Palantir sahen sich zuletzt verstärktem Verkaufsdruck ausgesetzt. Grund ist die Sorge, dass neue KI‑Agenten – etwa Claude von Anthropic – Teile klassischer Software-Funktionalitäten substituieren könnten. 

Ob die Kursrückgänge auf der Software-Seite fundamental gerechtfertigt sind, bleibt offen, denn KI könnte den Softwarehäusern langfristig auch Effizienzgewinne bringen. Und trotz der Schwäche einzelner Titel blieb der Gesamtmarkt stabil: Während der Nasdaq seit Jahresbeginn seitwärts tendiert, legte der S&P 500 zu – ein Zeichen für eine sektorale Rotation, kein breiter Marktstress. 

Die Situation unterstreicht die Bedeutung breiter Diversifikation angesichts sektorspezifischer Risiken. Darüber hinaus zeigt die Grafik eindrücklich, dass Stockpicking unnötige Risiken schafft. Wer breit diversifiziert, fährt langfristig besser. 
 

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