Die Angst vor einer neuen Eurokrise ist übertrieben
Geldanlagen
Frankreich sorgt an den Finanzmärkten für Unruhe. Doch die Sorgen sind übertrieben. VZ-Anlagechef Christoph Sax ordnet die Lage ein.
Christoph Sax
Funktion Chief Investment Officer
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14. Oktober 2026
Der Staat muss Anlegern erheblich höhere Zinsen bezahlen, um sich Geld zu leihen. Gleichzeitig wächst der Abstand zu Deutschland, das als besonders verlässlicher Schuldner gilt. In den Medien werden deshalb bereits Vergleiche mit der Eurokrise von 2011 und 2012 gezogen.
Doch wie ernst ist die Lage tatsächlich? Der wichtigste Grund dieser Entwicklung liegt in einem globalen Trend: Die Zinsen steigen weltweit. Die Inflation hat angezogen. Gleichzeitig konkurrieren Staaten und Unternehmen stärker um Kapital. Die Notenbanken haben ihre Anleihekäufe zurückgefahren und dem Markt damit Liquidität entzogen. Beides treibt die Renditen in die Höhe.
Besonders betroffen sind Schuldner mit angespannten Staatsfinanzen. Dazu zählt zunehmend auch Frankreich. Mit einer Staatsverschuldung von rund 115 Prozent des BIP liegt das Land zwischen Deutschland mit rund 60 Prozent und Italien mit etwa 135 Prozent (vgl. Grafik).
Seit der Pandemie weist das Land hohe Haushaltsdefizite aus, während Sparmassnahmen immer wieder verschoben wurden. Erschwert wird die Situation durch die politische Blockade des Landes. Vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im kommenden Frühling wächst deshalb die Unsicherheit an den Märkten, denn noch ist unklar, wann Frankreich sein Haushaltsdefizit eindämmen wird.
Die Anleger verlangen von Frankreich deshalb höhere Zinsen als bei soliden Schuldnern mit klaren Finanzperspektiven. Besonders sichtbar wird die Entwicklung im Vergleich mit Deutschland. Frankreich zahlt für zehnjährige Staatsanleihen inzwischen rund 1,4 Prozentpunkte mehr Zins. Damit werden Niveaus erreicht, die zuletzt während der Eurokrise beobachtet wurden.
Dennoch kann von einer akuten Krise keine Rede sein. Damals lagen die Renditeaufschläge von Ländern wie Griechenland, Portugal oder Italien um ein Vielfaches höher. Die aktuellen Bewegungen deuten deshalb eher auf erhöhte Vorsicht als auf Panik hin. Für die kommenden Monate ist mit stärkeren Schwankungen zu rechnen.
Der Markt dürfte genau beobachten, ob Frankreich nach den Wahlen glaubwürdige Schritte zur Sanierung der Staatsfinanzen einleitet. Gleichzeitig verfügt die Europäische Zentralbank aber über Instrumente, um im Notfall einzugreifen. Die Märkte senden damit vor allem eine Warnung aus, stellen aber die Stabilität der Eurozone nicht grundsätzlich infrage.
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