Der grösste Verlierer der Aktienrally heisst Bitcoin

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VZ Chartanalyse

Globale Aktienmärkte legen auf breiter Front zu, doch Bitcoin verliert zunehmend an Schwung. Kapital fliesst an Bitcoin vorbei – das sind die Gründe.

Publiziert 3. Jun 2026

Autor

Roman Gfeller

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Der S&P 500 springt von Rekord zu Rekord, der Dax notiert nur knapp unter seinem Allzeithoch und der Schweizer Aktienmarkt nimmt weiter an Fahrt auf. Bei Bitcoin sieht das anders aus: Der Preis der grössten Kryptowährung handelte jüngst unter der wichtigen 70'000-Dollar-Marke. Damit fällt die grösste digitale Währung auf das Preisniveau von Anfang April zurück.

Der Grund ist vor allem der Kapitalfluss. Viele institutionelle Investoren sind bereits stark in Aktien investiert. Die Cashquote vieler Hedgefonds liegt bei nur noch rund 4 Prozent. Gleichzeitig konzentrieren sich viele Portfolios auf wenige grosse Technologiewerte.

So bleibt für Bitcoin wenig übrig. Neues Geld fliesst vor allem in KI-Aktien (VZ-Analyse) und andere Wachstumsbereiche. Die Kryptowährung scheint zumindest vorerst an Bedeutung zu verlieren.

Bitcoin leidet unter höheren Zinsen

Ein weiterer zentraler Faktor ist die Geldpolitik. Während am Jahresanfang in den USA noch mit Zinssenkungen gerechnet wurde, lässt sich gar eine Erhöhung der Leitzinsen nicht mehr ausschliessen.

Das belastet Bitcoin. Die Kryptowährung profitiert vor allem von niedrigen Zinsen und hoher Liquidität. Steigen die Zinsen oder stagnieren auf hohem Niveau, wird Bitcoin für Anleger weniger attraktiv. Ein Blick auf die Preisentwicklung von Bitcoin und dem MSCI World verdeutlicht diese Dynamik.

Abflüsse bei ETF und Dauerkäufer Strategy

Zusätzlichen Druck erzeugen die Kapitalabflüsse. Bitcoin ETF verzeichneten zuletzt zehn Tage in Folge Nettoabflüsse. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum rund 3 Milliarden Dollar aus den Produkten abgezogen. Das verwaltete Vermögen sank von über 104 Milliarden auf rund 94 Milliarden Dollar.

Für zusätzliche Aufregung sorgte kürzlich auch das Unternehmen Strategy (ehemals "MicroStrategy"), welches seine langjährige Philosophie des "niemals Verkaufen" gebrochen hat. Strategy veräusserte zuletzt 32 Bitcoin für rund 2,5 Millionen Dollar, zu einem Durchschnittspreis von 77’135 Dollar. Nach Bekanntgabe dieser Transaktion fiel der Bitcoin Preis kurzfristig um rund 2,2 Prozent auf etwa 72’000 Dollar.

Grund für den Verkauf war nach eigener Aussage die Beschaffung von genügend Liquidität, um die Dividenden eigener Vorzugsaktien zu bezahlen. Als global grösster Bitcoin-Käufer hält Strategy weiterhin Bestände im Wert von rund 63,9 Milliarden Dollar und treibt seine Akkumulationsstrategie unvermindert voran. Die Transaktion zeigt jedoch, dass selbst grosse Halter in der aktuellen Phase selektiv Positionen reduzieren können.

Die Kombination aus ETF-Abflüssen und dem ausserordentlichen Bitcoin-Verkauf seitens Strategy verstärkt den Druck auf den Markt und dämpft das Momentum zusätzlich.

Ein Blick auf den Chart

Aus technischer Sicht befindet sich Bitcoin derzeit an einem entscheidenden Punkt – einer klassischen "Make-or-break"-Situation. Nach dem deutlichen Abverkauf von Januar bis Anfang Februar markierte Bitcoin bei rund 60'000 Dollar ein Tief, das bislang nicht mehr unterschritten wurde. Seither bewegt sich der Kurs in einer Konsolidierungsphase innerhalb einer Bandbreite von etwa 66'000 bis 82'000 Dollar und wechselt dabei zwischen Aufwärts- und Abwärtsbewegungen.

Die obere und untere Begrenzung dieser Spanne fungierten bislang als Widerstands- bzw. Unterstützungslinien. Inzwischen deutet sich jedoch an, dass die Unterstützung nach unten durchbrochen wurde.

Im Bereich von 66'000 sowie 60'000 Dollar könnte der Bitcoin-Kurs auf weitere Unterstützungszonen treffen. Sollten auch diese Zonen nicht halten, ist mit zusätzlichem Abwärtspotenzial zu rechnen. Das nächste relevante Kursniveau dürfte dann bei rund 50'000 Dollar liegen.

Wie geht es für den Bitcoin weiter?

Bitcoin befindet sich derzeit in einer Phase ohne klaren Treiber. Weder profitiert die Kryptowährung von der KI-Euphorie an den Aktienmärkten noch vom gestiegenen Sicherheitsbedürfnis.

Kurzfristig bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Gleichzeitig beobachten Anleger wichtige Marken, die aus kurstechnischer Sicht von Bedeutung sind.

Langfristig bleibt die institutionelle Nachfrage intakt. Mit ETF-Beständen von weiterhin über 90 Milliarden Dollar ist die Basis stabil. Doch solange die Liquidität fehlt, dürfte Bitcoin gegenüber anderen Anlageklassen ins Hintertreffen geraten.

Für Anleger bleibt damit vor allem die makroökonomischen Rahmenbedingungen und institutionellen Kapitalflüsse entscheidend.

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